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Coronavirus: Das sind die größten Risikofaktoren

Coronavirus: Das sind die größten Risikofaktoren
Copyright  Mark Lennihan/AP
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Lange wurden Covid-19-Patienten in Deutschland nach ihrem Tod nicht obduziert. Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnte: Die Ansteckungsgefahr für die Pathologen sei zu groß. Ärzte aus Hamburg ignorierten diese Mahnung und untersuchten über 100 Coronavirus-Tote. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

"Alle waren vorerkrankt"

Die Obduktionen wurden vom Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel am Uniklinikum Eppendorf durchgeführt. Er kam zu dem Schluss: Die Patienten litten an Vorerkrankungen und zwar „alle. Oft waren es mehrere innere Leiden gleichzeitig, die ihnen zum Teil nicht bewusst waren“, so Püschel im ARD-Interview.

Typisch sind Vorerkrankungen wie Lungenschäden, aber auch Bluthochdruck, Herzinfarkte oder andere Organversagen. Eine Studie aus der Schweiz, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, scheint die Ergebnisse aus Norddeutschland zu bestätigen.

Am Uni-Spital Basel wurden 20 Covid-19-Tote obduziert. Alle litten an Bluthochdruck, ein Drittel an Diabetes, mehr als zwei Drittel hatten geschädigte Herzkranzgefäße. Lungenentzündungen seien nur selten die Todesursache gewesen.

Kein Grund zur Entwarnung

Grund zur Entwarnung ist das nicht. Dass junge und gesunde Menschen schwer an Covid-19 erkranken oder gar sterben, ist zwar selten, kommt aber durchaus vor.

Und: Sich anstecken und das Virus weiterverbreiten kann jeder – und damit Risikogruppen in Gefahr bringen. Zudem wäre ein Großteil der Patienten, die in Hamburg und Basel untersucht wurden, ohne die Pandemie heute wohl noch am Leben – trotz Vorerkrankungen.

Risikofaktor Fettleibigkeit

Neben Alter und Vorerkrankungen gilt zunehmend auch starkes Übergewicht als Risikofaktor. Bei den Untersuchungen in Basel fiel auf, dass viele der Corona-Toten fettleibig waren. Dieser Trend bestätigt sich beim Blick nach China und in die USA.

Ärzte aus Frankreich sehen ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und schweren Verläufen von Covid-19. Am Universitätsklinikum Lille analysierten sie die Patientendaten aller 124 Infizierten, die zwischen 27. Februar und 5. April auf der Intensivstation behandelt wurden.

Ihre Bilanz: Übergewichtige Menschen sind stärker gefährdet und müssen besonders oft beatmet werden. In ihrem Bericht, der im Wissenschaftsmagazin "Obesity" veröffentlicht wurde, erklären sie, dass die Notwendigkeit zur Beatmung der Coronavirus-Patienten mit dem Body-Mass-Index (BMI) steige.

Fast 86 Prozent der Patienten, die in Lille maschinell beatmet werden mussten, hatten einen BMI von 35 oder höher. Laut WHO gilt ein Wert über 30 als Fettleibigkeit.

Obesity
Knapp 86 Prozent der Covid-19-Patienten, die in Lille beatmet wurden, hatten einen BMI von über 35.Obesity

Jetzt auch RKI für Obduktionen

Vier Monate nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie sind Ausmaß und Folgen noch immer schwer einzuschätzen. Die genannten Beobachtungen und Studienergebnisse sind keine abgeschlossenen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Aber sie sind erste Schritte, um das Virus besser zu verstehen. Deshalb hat inzwischen auch das RKI eingeräumt, dass Obduktionen von Covid-19-Toten wichtig sind, um die Corona-Gefahr immer weiter zu entschlüsseln.

„Es handelt sich um eine neue Krankheit, da brauchen wir auch neue Erkenntnisse“, sagte RKI-Vizechef Lars Schaade bei einer Presskonferenz am Dienstag, die Sie in folgendem Video in voller Länge ansehen können: