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Coronavirus in Deutschland: Sterberate steigt, RKI erwartet zweite Welle

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RKI-Präsident Wieler rechnet mit einer zweiten Coronavirus-Welle.
RKI-Präsident Wieler rechnet mit einer zweiten Coronavirus-Welle.   -   Copyright  MARKUS SCHREIBER/AFP
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Los ging das Briefing des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Corona-Lage in Deutschland mit einer "guten Nachricht": "Die Zahl der übermittelten Infektionsfälle sinkt weiter", so RKI-Chef Lothar Wieler am Dienstag in Berlin.

Jeden Tag würden inzwischen nur noch 700 bis 1600 Fälle übermittelt. Aktuell seien 163.860 Covid-19-Fälle registriert, 685 mehr als am Vortag. Die Reproduktionszahl liege bei 0,71. 135.100 Patienten seien genesen.

Sterberate bei 4,2 Prozent

Die Sterberate steige allerdings weiter "kontinuierlich". Derzeit liege sie bei 4,2 Prozent. In den letzten Tagen wurden laut Wieler 40 bis 200 Todesfälle pro Tag übermittelt. Die großen Schwankungen lassen sich durch Sonn- und Feiertage erklären, an denen keine Übermittelung erfolgt.

Dass die Zahl der Toten weiter steigt, während die Zahl der Neuinfektionen rückläufig ist, lasse sich mit der weiterhin hohen Zahl von Ausbrüchen in Alters- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern erklären. Bis jetzt wurden in Deutschland 6831 Todesfälle gemeldet.

Ein Blick auf andere Länder zeigt aber: Deutschland steht im internationalen Vergleich gut da. Laut RKI liegt die Sterberate in Deutschland aktuell bei rund 8,2 Toten pro 100.000 Einwohner, in den USA seien es 20,8 Tote, in Großbritannien 43,1 und in Spanien sogar 54,2 Toten pro 100.000 Einwohner.

142.000 Tests pro Tag

Mit Engpässen bei der Versorgung sei nicht zu rechnen. Es gebe genug Behandlungskapazitäten, Intensivbetten und Beatmungsgeräte. Voraussetzung sei aber, dass die Fallzahlen weiter zurückgehen.

Deutschland unternehme große Anstrengungen, um die Testkapazitäten weiter zu erhöhen. Bis Ende April wurden rund 2,4 Millionen Labortests erfasst, davon waren rund 7,2 Prozent positiv. Derzeit würden rund 142.000 Menschen pro Tag getestet.

Infizierte im Schnitt 50 Jahre alt

Die erkrankten Personen in Deutschland seien im Schnitt 50 Jahre alt. Männer und Frauen seien gleichermassen betroffen. Jeder zweite Patient habe Husten, vier von zehn Fieber, zwei von zehn Schnupfen. Bei 16 Prozent wurde Geschmacks- und Geruchsverlust festgestellt.

18 Prozent der Erkrankten müssten ins Krankenhaus. 2,8 Prozent der Fälle entwickelten eine Lungenentzündung. Die Verstorbenen seien im Schnitt 81 Jahre alt.

Da noch viele Menschen in Behandlung seien, müsse sich Deutschland auf weitere Todesfälle gefasst machen. Auch das "Abstandhalten und der 'neue Alltag' werden uns noch einige Monate begleiten".

RKI rechnet mit "zweiter, wahrscheinlich sogar dritter" Welle

Auf die Nachfrage eines Journalisten, warum es die Corona-App noch immer nicht gebe, antwortete Wieler, die App sei schwierig zu programmieren, die Entwicklung werde aber mit Beteiligung des RKI vorangetrieben.

Die Verzögerung liege auch daran, dass Datensicherheit und Privatsphäre in Deutschland wichtiger seien als in anderen Ländern. Zu spät komme die App aber nicht, den es käme sicher "eine zweite Welle und wahrscheinlich sogar eine dritte", so Wieler.