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Chile: Hunger wegen Corona-Quarantäne

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Soldaten patrouillieren nach Unruhen in El Bosque
Soldaten patrouillieren nach Unruhen in El Bosque   -   Copyright  AFP
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In Chile wächst die Wut der Bevölkerung angesichts zunehmender Armut in der Corona-Krise. Nach Unruhen in einem Vorort der Hauptstadt Santiago de Chile führte die Armee am Dienstag verstärkt Kontrollen durch. In El Bosque hatten sich DemonstrantInnen und PolizistInnen am Montag heftige Auseinandersetzungen geliefert. In dem ärmeren Stadtviertel herrscht bereits seit Wochen Ausgangssperre, da klar sei, dass es nicht ausreichend Krankenbetten gäbe, so die Bürgermeisterin gegenüber einem chilenischen Radiosender.

Seit vergangener Woche wurde die Quarantäne auf die gesamte Hauptstadt ausgeweitet, da sich das Corona-Virus zuletzt immer schneller ausbreitete. Viele BewohnerInnen der ärmeren Viertel haben damit keine Arbeit mehr und leiden Hunger.

"Die Regierung hätte den Menschen Hilfe geben sollen", sagt Monica Sepulveda aus Santiago. Sie ist arbeitslos, zuvor hat sie als Wachfrau gearbeitet. "Sie haben das groß im Fernsehen angekündigt, aber bei den Menschen kam nichts an. Deswegen machen die Leute Aufstände."

"Die Menschen haben keine Arbeit, sie sind in ihren Häusern eingeschlossen, sie können nicht nach draußen, um sich Arbeit zu suchen", sagt der arbeitslose Handwerker Jorge. "So zwingen sie die Menschen dazu, rauszugehen und zu stehlen."

Chile: Rund 50.000 Infizierte, 500 Tote

In Chile haben sich derzeit fast 50.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Über 500 Erkrankte starben. Die Fallzahlen hatten in den vergangenen Tagen stärker zugenommen als zuvor. Mehrere PatientInnenen wurden mit Hilfe der Luftwaffe von Santiago in andere Städte verlegt. Die Krankenhäuser in der Hauptstadt haben ihre Kapazitätsgrenzen nahezu erreicht.

Schätzungen einer UN-Organisation zufolge könnte die Armut in Chile in diesem Jahr um zwei bis vier Prozent steigen. Dies würde ein Entwicklungsrückschritt von mindestens fünf Jahren bedeuten.