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Coronavirus: Nur Schweden und Polen haben Höhepunkt der Infektionswelle noch nicht erreicht

In den meisten Ländern gehen die Fälle neuer Covid-19-Erkrankungen zurück - aber nicht überall.
In den meisten Ländern gehen die Fälle neuer Covid-19-Erkrankungen zurück - aber nicht überall.   -   Copyright  AP/John Minchillo
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Polen und Schweden sind die einzigen EU-Länder, die den Höhepunkte der Coronavirus-Pandemie noch nicht überschritten haben, so das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am Donnerstag.

"Die anfängliche Übertragungswelle hat in allen Ländern mit Ausnahme von Polen und Schweden ihren Höhepunkt überschritten", schrieb das ECDC in seiner jüngsten Risikobewertung.

Die EU-Gesundheitsbehörde sagte, dass Sperrmaßnahmen in der gesamten EU/EWR - zu der auch Island, Liechtenstein und Norwegen gehören - und in Großbritannien zu einem 80%igen Rückgang der 14-tägigen Inzidenz des Virus seit dem Höhepunkt am 9. April geführt haben.

Aber in Polen und Schweden war die 14-Tage-Inzidenz "auf dem höchsten bisher beobachteten Niveau".

28 der vom ECDC überwachten Länder weisen derzeit eine 14-Tage-Inzidenzrate von unter 20 Fällen pro 100.000 Einwohner auf, während in Großbritannien und in Portugal die Raten zwischen 20 und 100 Fällen pro 100.000 Einwohner liegen.

Schweden war das einzige Land, dessen Infektionsrate bei über 100 Fällen pro 100.000 Einwohner liegt.

"Die Zunahme der Tests in Schweden könnte diesen Anstieg teilweise erklären", sagte das ECDC.

Die schwedischen Gesundheitsbehörden haben bis zum 11. Juni 48.288 bestätigte Fälle der Krankheit sowie 4.814 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 registriert. Nahezu zwei Drittel der Infektionen des Landes - 29.811 - wurden nach dem 23. April gemeldet, was 6% der Gesamtzahl der seither in den 31 Ländern beobachteten Fälle entspricht.

Nur Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich - die am stärksten betroffenen Länder Europas - sowie Deutschland wiesen höhere Fallzahlen auf.

Eine rasche Beschleunigung der Fallzahlen wurde in den letzten Tagen auch in Polen beobachtet, nachdem mehrere Cluster in Kohlebergwerken gemeldet wurden.

Das osteuropäische Land hat 28.201 bestätigte Infektionen erfasst, wobei allein am vergangenen Wochenende mehr als 1.150 Fälle registriert wurden. Mindestens die Hälfte wurde bei Arbeitern in Kohlebergwerken festgestellt.

Langsam zurück zum Alltag

Die meisten EU-Länder haben damit begonnen, die Mitte März verhängten Sperrmaßnahmen aufzuheben, um die Ausbreitung des tödlichen Virus einzudämmen. Große Versammlungen und Reisen innerhalb und außerhalb der EU sind aber weiterhin stark eingeschränkt.

Mehrere EU-Länder haben ihre Grenzen zu Nachbarländern mit ähnlichen Infektionsraten bereits wieder geöffnet. Eine umfassendere Wiederöffnung wird für den 15. Juni erwartet.

In Polen wurde wegen der Pandemie die Präsidentschaftswahlen verschoben. Die Regierung in Warschau begann Mitte Mai mit der Aufhebung der Sperrmaßnahmen. Die meisten Geschäfte, darunter Bars und Restaurants, haben wieder geöffnet. Das Land kündigte am Mittwoch auch an, dass es seine Grenzen zu anderen EU-Mitgliedsstaaten am 13. Juni wieder öffnen werde.

Polen will nur Stichprobenkontrollen durchführen "genau wie vor der Coronavirus-Pandemie", wie das Büro des Premierministers mitteilte.

"Reisende werden wieder das Recht auf freie Ein- und Ausreise und freien Transit durch das Gebiet Polens erhalten. Sie werden nicht unter Quarantäne gestellt", fügte die Erklärung hinzu.

Schweden hat in der Pandemie ein anderes Management als die übrigen EU-Länder gewählt, indem es keine strenge Abriegelung verhängte und die Bevölkerung aufforderte, freiwillig soziale Distanzmaßnahmen zu ergreifen - eine Strategie, die als Schwedens "Sonderweg" viel von sich reden machte.

Das ECDC stellte jedoch fest, dass "die Mobilitätsdaten von Google zeigten, dass in der Woche vom 6. April 2020 in der Region Stockholm im Vergleich zum Ausgangsniveau eine 49%ige Verringerung des Personenflusses durch Verkehrsknotenpunkte, eine 48%ige Verringerung der Zahl der Personen, die an ihrem üblichen Arbeitsplatz arbeiten, sowie eine 30%ige Verringerung der Präsenz in Einzelhandels- und Freizeiträumen verzeichnet wurde".