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Wunderstrom oder milliardenschweres Hirngespinst? Jahrhundertprojekt Iter

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Wunderstrom oder milliardenschweres Hirngespinst? Jahrhundertprojekt Iter
Copyright  CLEMENT MAHOUDEAU / AFP
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Im Süden Frankreichs, in der Nähe von Aix-en-Provence, steht eine Anlage, von der sich die Wissenschaft erhofft, dass sie eines Tages die Stromerzeugung neu erfinden wird. Der Tokamak ist eine Fusionsanlage, in der mit Hilfe der Kernschmelzung, also der Energiequelle von Sternen und der Sonne, Elektrizität gewonnen wird.

35 Länder sind an diesem Projekt beteiligt, das Iter getauft wurde, lateinisch: Der Weg.

Erste Versuche in der Sowjetunion

Schon in den 1950er Jahren wurden in der Sowjetunion erste Versuche in der Fusionsforschung unternommen. Aus dem Russischen stammt auch die Abkürzung für diesen Typ Fusionsreaktor. Gleichzeitig ist es ein Wortspiel, denn die ersten drei Buchstaben von Tokamak - Tok - bilden die russische Bezeichnung für Strom. 1985 stieß die Sowjetunion die internationale Zusammenarbeit an, um Kernschmelzung zur Energiegewinnung zu nutzen. 35 Jahre später ist der Weg für das Projekt Iter noch lang.

„Zu Beginn meint man immer, die Hindernisse seien größer als der Wille, es zu schaffen. Iter sorgt für die Wiederverknüpfung mit einem ehrgeizigen Erfindergeist“, so Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Eine Tokamak-Anlage erzeugt jeweils nur in kurzen Zeiträumen Strom. In der Forschung bemüht man sich deshalb um die Entwicklung einer Methode, um derartige Anlagen für einen dauerhaften Betrieb nutzbar zu machen. Wie steht es um mögliche Gefahren?

Erneuerbare Energieformen haben ihren Grenzen.
Bernard Bigot
Geschäftsführer des Iter-Projektes

„Niedrige bis mittlere Radioaktivität"

Der Physiker Akko Maas klärt auf: „Treibstoff und Abfall sind bei uns nicht radioaktiv. Da es sich aber um einen atomaren Vorgang handelt, wird die Anlage während der Abläufe radioaktiv. Doch diese Vorgänge kann man steuern, es geht hier nur um niedrige bis mittlere Radioaktivität."

„Erneuerbare Energieformen haben ihren Grenzen, weil sie nur phasenweise zur Verfügung stehen und die Frage der Speicherung unklar ist", sagt der Geschäftsführer des Iter-Projektes, Bernard Bigot. „Wie immer der Fortschritt bei der Stromspeicherung und beim Stromsparen auch aussehen wird: Angesichts einer Weltbevölkerung von bald zehn Milliarden brauchen wir eine angemessene Ergänzung."

euronews-Reporter Guillaume Petit kommentiert: „Um Strom in großen Mengen und ohne Kohlenstoffdioxid herzustellen, verspricht dieses Vorhaben viel, hat aber Rückstand. Die aus fossilen Brennstoffen erzeugte Energie zu vermindern, ist für viele Regierungen sehr wichtig. Man muss aber noch mindestens 20 Jahre warten, ehe sich das Vorhaben hier umsetzen lässt und Haushalte damit mit Strom versorgt werden können."