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Mit Kurden gegen IS gekämpft: Italienerin als "sozial gefährlich" verurteilt

Eddi Marcucci
Eddi Marcucci   -   Copyright  Privat: Marra Edgarda Marcucci
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Maria Edgarda Marcucci, die auch Eddi genannt wird, hat fast ein Jahr lang in Rojava, dem Kurdengebiet in Syrien, in einer Fraueneinheit gegen die Dschihadisten des sogenannten IS gekämpft. Zurück in Italien wurde die 29-Jährige von einem Gericht in Turin als "sozial gefährlich" verurteilt.

Um sie von möglichen bevorstehenden Straftaten abzuhalten, musste sie ihren Pass abgeben und darf ihre Wohnung zwischen 21 Uhr abends und 7 Uhr morgens nicht verlassen. Nach 18 Uhr darf sie keine öffentlchen Veranstaltngen mehr besuchen. Wenn Maria Edgarda Marcucci Turin verlassen will, muss sie vorher eine Erlaubnis beantragen. Auch ihr Führerschein wurde eingezogen.

Marcucci stand im vergangenen März zusammen mit fünf weiteren Italienerinnen, die in Syrien waren, in Turin vor Gericht, aber sie wurde als einzige verurteilt. Nach ihrer Rückkehr hatte Marcucci in Italien über ihre Erfahrungen Vorträge gehalten.

"Gefährlicher Präzedenzfall"

Das Gericht in Turin verurteilte Maria Edgarda Marcuccu zu einer Sonderüberwachung - als Präventivmaßnahme. In der Urteilsbegründung steht, Marcucci habe sich "den Kampf gegen das kapitalistische System zur Lebensgrundlage" gemacht. Die Strafe besteht aus einem zwei Jahre dauernden Entzug ihrer bürgerlichen Rechte.

Wegen Protest gegen die Türkei verurteilt?

Gegen das Urteil will die 29-Jährige im Herbst Berufung einlegen. Im Gespräch mit euronews nennt sie den Prozess "einen gefährlichen Präzedenzfall und eine Ungeheuerlichkeit". Eddi Marcucci meint, es gebe in Italien eine "Bestrafung von sozialem Dissens".

Offenbar haben die drei Richter vor allem eine Protestaktion, an der Maria Edgarda Marcucci teilgenommen hatte, zur Verurteilung bewegt. Sie hatte im November 2019 bei einer Luftfahrt-Konferenz der Turiner Handelskammer gegen Waffenverkäufe an die Türkei protestiert.

"Das war eine friedliche Aktion", so Marcucci, in der "mit Transparenten und Flugblättern die Lieferung von Kriegsmaterial an die Türkei" angeprangert wurde,

Als Aktivistin engagiert sich Marcucci auch in den Bewegungen "Non Una di Meno" für Feminismus und "No Tav" gegen die Schnellzugverbindung zwischen Turin und Lyon.

PRIVAT Maria Edgarda Marcucci
Eddi MarcucciPRIVAT Maria Edgarda Marcucci

Was Eddi Marcucci im Kurdengebiet gelernt hat

Nach ihrer Rückkehr aus Syrien im Juni 2018 hielt Eddi Marcucci in ganz Italien Vorträge, um über die revolutionäre Erfahrung zu berichten, bei der "das Element der Autonomie der Frauen im Mittelpunkt steht".

"Was wir dort gelernt haben, ist eine andere Lebensweise, eine andere Möglichkeit auch für die italienische Gesellschaft.", meint die Italienerin.

Eddi Marcucci erklärt, was an der Fraueneinheit YPJ - einer Untergruppe der kurdischen YPG - besonders ist: "Das System der kurdischen demokratischen Selbstorganisation basiert auf den Prinzipien des liber der direkten Demokratie, des Ökologie, des Feminismus, des Multikulturalismus und der Ökonomie des Teilens."

Die Türkei stuft die YPG - weil sie der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahesteht - als terroristische Vereinigung ein. Viele westliche Staaten - darunter Deutschland - arbeiten aber im Kampf gegen die IS-Dschihadisten mit den Kurden der YPG zusammen.

Marcucci meint, das Anklageverfahren der Staatsanwaltschaft kümmere sich nicht "um die Schuld oder Unschuld einer Person". Es beruhe "auf einer Vorhersage des Verhaltens"

Die junge Frau hat keinen Zweifel an ihrem Engagement: "Isis ist ein Feind der Menschheit, und seit der Invasion der Türkei im Oktober 2019 gewinnt der islamische Staat wieder an Stärke."

Und sie hofft, dass die Beschränkungen, mit denen Maria Edgarda Marcucci in Turin leben muss, durch das Berufungsverfahren aufgehoben werden.