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Knie auf Hals: Hat jetzt auch Deutschland seinen Fall Floyd?

Symbolfoto (Archiv)
Symbolfoto (Archiv)   -   Copyright  Michael Probst/Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved
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Hat jetzt auch Deutschland seinen "Fall Floyd", wenn auch ohne Todesfolge? Der Innenminister des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, hat Aufklärung über einen Polizeieinsatz gefordert, der seit dem vergangenen Wochenende für Aufregung in den sogenannten sozialen Medien sorgt.

Auf einem über Instagram und Twitter verbreiteten kurzen Video ist zu sehen, wie Beamte der Düsseldorfer Polizei einen 15-jährigen Jugendlichen festnehmen. Während der Festnahme kniet einer der Beamten augenscheinlich auf Hals oder Kopf des am Boden liegenden Menschen. Es sind Stimmen von Passanten zu hören. "Nimm' Dein Knie 'runter, Bruder`!", wird der Polizist im Einsatz aufgefordert. Und: "Ey, das ist nicht lustig!"

Der Zwischenfall hatte sich bereits am Samstagabend in der Düsseldorfer Altstadt ereignet. Die Ordnungskräfte waren zu einem Schnellimbiss in der Neustraße gerufen worden. Dort randalierte eine Gruppe von etwa zehn Personen. Nach dem Eintreffen der Polizei hatte sich laut Behördenangaben ein an der Randale selbst nicht direkt beteiligter Jugendlicher in das Geschehen eingemischt. Dabei sei einer der Polizeibeamten tätlich angegriffen worden, so NRW-Innenminister Reul bei einer Pressekonferenz am Montag.

Knien auf Hals: nicht erlaubt

Das Fixieren mit dem Knie am Kopf werde bei der Polizei trainiert, erklärte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Nordrhein-Westfalen, Michael Mertens, gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk. Das Knien auf Hals- und Nackenbereich sei aber ausdrücklich nicht erlaubt, so Mertens.

Gegenüber Euronews bestätigte ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei, dass eine interne Untersuchung in Gang gesetzt worden sei. Zwar könne man derzeit nicht sagen, wann ein Ergebnis vorliegen werde, "doch ist es in diesem Fall bestimmt besser, dass gründlich gearbeitet wird". Und so etwas kann durchaus dauern: "Wie viele Zeugen standen herum? Gibt es noch mehr Videomaterial, das die Vorgänge aus anderen Blickwinkeln zeigt? Das sind Fragen, die jetzt als nächstes geklärt werden müssen."

NRW-Innenminister: erschrocken

Nach Angaben von NRW-Innenminister Reul dauerte der gesamte Zwischenfall etwa zwei bis drei Minuten. "Auch ich habe mich erschrocken", kommentierte Reul das Social-Media-Video der Festnahme.

Aus Polizeikreisen brachte Euronews in Erfahrung, dass damit wohl die gesamte Dauer von Festnahme, Fixierung und Abführen zum Polizeiwagen gemeint sei. Im Falle des in den USA bei einer Festnahme getöteten George Floyd hatte ein Polizist dem am Boden liegenden etwa acht Minuten lang die Luftzufuhr abgeschnürt.

"Zwischendurch" am Boden

Die Düsseldorfer Polizei betonte gegenüber Euronews, dass während der Polizeiaktion am Wochenende "ein Kollege angegriffen wurde". Während der Festnahme des Jugendlichen sei dieser "zwischendurch" kurzzeitig am Boden gewesen und habe fixiert werden müssen. Die Polizei Duisburg ermittelt nun wegen Verdachts eines Beamtendelilkts, auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wurde eingeschaltet.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel, SPD, bezeichnete die Bilder der Festnahme gegenüber dem WDR als "verstörend" und forderte "eine unverzügliche Aufklärung".

Insgesamt waren offenbar drei Polizisten an dem "harten Einsatz" beteiligt. Einer der Männer fixierte den Arm des Jugendlichen, ein zweiter Beamter kniete auf seinem Hals, ein dritter schirmte seine Kollegen gegen filmende Passanten ab. Das erinnert an das Vorgehen im Falle George Floyd in den USA, auch wenn die Folgen durchaus nicht verlgeichbar sind. Der 15-Jährige wurde nach Feststellung seiner Personalien auf der Düsseldorfer Polizeiwache Stadtmitte seinen Eltern übergeben. Lebend.