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WC gesucht? Werbung für Toiletten-Sharing-App "Airpnp" sorgt für Wirbel in Warschau

Werbeanzeige für Airpnp von Miasto Jest Nasze
Werbeanzeige für Airpnp von Miasto Jest Nasze   -   Copyright  Miasto Jest Nasze
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In Warschau hat eine Reklame jüngst für Schlagzeilen gesorgt. Sie bewirbt eine neue App, deren Nutzer ihre eigenen Toiletten gegen eine Gebühr vermieten können.

"Wir alle haben die gleichen, grundlegenden Bedürfnisse", heißt es in der Werbeanzeige für "Airpnp", eine Abkürzung für "Air Poo and Pee".

"Viele von uns haben Probleme mit öffentlichen Toiletten. Es ist schwierig, schnell ein Klo zu finden, das in der Nähe ist oder sauber genug, um es zu benutzen. Doch jetzt brauchen Sie sich darüber keine Sorgen mehr zu machen", heisst es weiter.

Airpnp - die App für grundlegendste Bedürfnisse

Es ist unklar, wie viele Menschen sich die App heruntergeladen haben - oder durch etwaige Hygiene-Probleme, die das Konzept aufwirft, abgeschreckt wurden.

Die App entpuppte sich als eine Fälschung - in einem Versuch, auf den Mangel an öffentlichen Toiletten in der polnischen Hauptstadt hinzuweisen.

"Wir haben darüber nachgedacht, wie wir das Problem der fehlenden öffentlichen Toiletten in der Stadt zur Sprache bringen können. Wir dachten, wenn wir dieses Thema auf gewohnte Weise ansprechen, würden wir vielleicht nicht viel Aufmerksamkeit bekommen", erklärte Jan Mencwel, Chef von Miasto Jest Nasze, gegenüber Euronews.

Die gefakte Anzeige erinnert an eine App, die beim New Orleans Mardi Gras 2014 getestet wurde. Sie erlaubte es den Nutzern, Menschen die Benutzung ihrer privaten Toilette in Rechnung zu stellen.

Innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Veröffentlichung wurde die polnische Werbung von Hunderten von Nutzern auf Facebook und Twitter geteilt und von einigen nationalen Medien wie _Polsat New_s und Business Insider aufgegriffen.

Fake App: Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in den Sozialen Netzwerken

Nicht alle erkannten, dass es sich dabei um einen Scherz handelte.

"In den 1980er Jahren dachten die Leute, dass wir bald fliegende Autos haben würden...und was haben wir? Eine App, mit der man Geld verdienen kann, wenn man sein Klo zur Verfügung stellt", schrieb ein Twitter-Nutzer, ein anderer witzelte "Ich kann ein Katzenklo zur Verfügung stellen."

Mencwel erklärte, dass die Idee, sich für mehr öffentliche Toiletten einzusetzen, entstand, nachdem Miasto Jest Nasze herausgefand, dass Warschau wesentlich weniger öffentliche Toiletten habe als einige benachbarte Hauptstädte.

Anliegen: Zustand von Warschaus öffentlichen Toiletten verbessern

In Warschau gibt es 153 Toiletten, eine Zahl, die "nicht drastisch ist, aber auch nicht besonders gut im Vergleich mit Berlin und Prag, die 653 und 243 öffentliche Toiletten haben."

Mencwel wies nicht nur auf den Mangel an öffentlichen Toiletten in Warschau hin. Man wollte auch der Frage nachgehen, ob das von Uber und AirBnB verwendete Peer-to-Peer-Modell Mängel aufweist, die zunächst nicht offensichtlich sind.

"Die Modelle basieren auf Interaktionen zwischen Menschen, aber gleichzeitig wird daraus Geld gemacht und sie entstehen aus der Not, also basierend auf einem Mangel an öffentlichen Dienstleistungen, und auch auf einem Mangel an Regulierungen und einem Mangel an Kontrolle", führt Mencwel aus.

Geschäftsmodelle aus der Not geboren

Euronews hat Airbnb um Stellungnahme gebeten, allerdings zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine Antwort erhalten. Uber lehnte einen Kommentar ab.

Miasto Jest Nasze, der größte Verband seiner Art in Polen, dessen Mitglieder schon in in den Stadtrat gewählt wurden, will Unterstützung bei der nachhaltigen Entwicklung und Modernisierung der Stadt erreichen.

Die Organisation hat - durch die Erkenntnisse über öffentliche Toiletten in Warschau - eine App entwickelt, die Daten über deren Standorte von der Website der Stadtverwaltung übernimmt und in einem mobiltauglichen Format präsentiert. Damit würden Menschen ermutigt, die auf der Karte markierten Toiletten auf ihren Zustand hin zu überprüfen und sie per Email zu übermitteln, so Mencwel.

Später sollen dann zusätzliche Informationen ergänzt werden, etwa, ob das WC behindertenfreundlich ist oder sich für Schwangere oder Kinder eignet.

Euronews setzte sich diesbezüglich mit dem Büro des Warschauer Bürgermeisters in Verbindung, hatte aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine Antwort erhalten.