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Das Geheimnis Schwarzer Löcher gelüftet: Penrose, Genzel und Ghez

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1936 Nobel Peace Prize medal, 27.03.2014
1936 Nobel Peace Prize medal, 27.03.2014   -   Copyright  Patrick Semansky/AP
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Mit dem Nobelpreis für Physik werden in diesem Jahr drei Forscher ausgezeichnet, die maßgeblich dazu beigetragen haben, das Geheimnis der Schwarzen Löcher zu lüften.

Die Auszeichnung geht zur einen Hälfte an den Briten Roger Penrose, der mit seinen Vorhersagen zu den Eigenschaften von Schwarzen Löchern gewissermaßen die theoretische Vorarbeit leistete.

Er habe "geniale mathematische Methoden erfunden", um zu beweisen, das Schwarze Löcher eine Folge von Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie seien, wie das Nobelkomitee mitteilte.

Unsichtbar und extrem schwer

Die andere Hälfte des Nobelpreises geht zu gleichen Teilen an den deutschen Astrophysiker Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching und die US-Forscherin Andrea Ghez.

Beide haben unabhängig von einander viele Jahre lang das Zentrum unser Galaxie beobachteten und dort schließlich - dank neuester Instrumente - erstmals ein unsichtbares und extrem schweres Objekt ausgemacht: ein Schwarzes Loch mit der Masse von mehr als vier Millionen Sonnen.

Genzel: Freude und ein paar Tränen

Der Astrophysiker wurde in seinem Büro in Garching mitten in einer Videokonferenz vom Telefonanruf überrascht. "Da sprach diese Stimme und sagte, 'This is Stockholm'," erzählte der 68-Jährige. Was für eine Situation. "Viele Nobelpreisträger erzählen einem diese Geschichte und man glaubt es nicht, wenn es kommt." Seine Gefühlslage in dem Moment: sehr emotional. "Ein paar Tränen waren auch dabei."

Den Nobelpreis sieht Genzel auch als Ehre für sein ganzes Team. Jetzt dürfe man sich aber nicht darauf ausruhen und einschlafen. "Von nix kommt nix."

Ghez: Wollte als Kind Astronautin werden

Andrea Ghez von der Universität von Kalifornien in Los Angeles ist erst die vierte Frau, die einen Physik-Nobelpreis erhält. "Es gebe noch so viel mehr als Schwarze Löcher zu erforschen, erläuterte sie, als sie nach der Verkündung von der Königlich-Schwedischen Akademie telefonisch zugeschaltet wurde.

"Wir haben keine Ahnung, was im Innern eines Schwarzen Lochs ist. Und das ist es, was diese Objekte so exotisch macht." In ihnen breche das Verständnis der physikalischen Gesetze zusammen. "Das ist Teil der Faszination. In jedem Fall ist die Masse in einem Schwarzen Loch unvorstellbar dicht. Wollte man die Erde in ein Schwarzes Loch verwandeln, müsste man sie auf die Größe einer Erbse schrumpfen."

Penrose: Mit Hawking auf der Spur Schwarzer Löcher

Sogar das Astrophysik-Genie Stephen Hawking hat als Doktorand bei ihm gearbeitet: Der Brite Roger Penrose bekommt im hohen Alter von 89 Jahren eine Hälfte des Physik-Nobelpreises für die Erforschung von Schwarzen Löchern. Wie Hawking ("Eine kurze Geschichte der Zeit") hat auch Penrose versucht, komplizierte Erkenntnisse der Forschung in mehreren populärwissenschaftlichen Büchern Laien zu erklären.

10 Millionen Kronen

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 950 000 Euro) dotiert - eine Million Kronen mehr als im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr hatte James Peebles (Kanada/USA) für seine grundlegenden Erkenntnisse zur Entwicklung des Universums die eine Hälfte des Physik-Nobelpreises erhalten. Die zweite ging an die Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz, die den ersten Exoplaneten entdeckt hatten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

Der erste Physik Nobelpreis ging 1901 an den Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der inzwischen nach ihm benannten Strahlen, den X-Strahlen.

Am Montag waren bereits Harvey J. Alter (USA), Michael Houghton (Großbritannien) und Charles M. Rice (USA) für den Nobelpreis in der Kategorie Medizin für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus ernannt worden.