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Corona in Belgien: In 15 Tagen keine Intensivbetten mehr

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Corona in Belgien: In 15 Tagen keine Intensivbetten mehr
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Belgien könnte schon in 15 Tagen an seine Auslastungskapazitäten auf der Intensivstation (ITS) erreichen. Das hat ein für Corona-Fragen zuständiger Sprecher aus Belgien erklärt.

Bei der wöchentlichen Corona-Pressekonferenz am Montag sagte Sprecher Yves Van Laethem:

"Innerhalb von 4 Tagen, bis zum Ende der Woche, werden wir die Marke von 1.000 Patienten auf der Intensivstation überschreiten. Wenn wir durch unser Verhaltens nichts ändern, werden wir in zwei Wochen 2.000 Patienten auf der Intensivstation erreichen, das heißt unsere maximale Kapazität."

Diese Warnung folgt kurz nach der Ankündigung neuer landesweiter Restriktionen der belgischen Regierung. Einige Maßnahmen gelten nur in der Region Brüssel, die besonders stark betroffen ist. Einige Mannschaftssportarten dürfen derzeit nicht praktiziert werden. Turnhallen und Museen bleiben geschlossen, es besteht eine Maskenpflicht an allen öffentlichen Orten.

Durchschnittlich wurden zwischen dem 16. und 22. Oktober 12.491 Personen pro Tag positiv auf das Corona-Virus getestet. Das ist im Vergleich zur Vorwoche ein Anstieg um 44 Prozent. Auch die Zahl der im Krankenhaus aufgenommenen Patienten stieg um 85 Prozent, an einem durchschnittlichen Tag sind es nun 468 Corona-Patienten. Derzeit werden in Belgien 4.827 Menschen wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt, 757 davon liegen auf der Intensivstation.

Medizinisches Personal muss weiterarbeiten, auch mit Covid

Die Provinz Liège ist zum Coronavirus-Hotspot des Landes geworden.

Das Universitätskrankenhaus von Liège ist überfordert mit Neuaufnahmen von Patienten, die an COVID-19 erkrankt sind. Einige Krankenschwestern, die positiv auf das Virus getestet wurden, mussten denoch weiter arbeiten.

Auch Thomas, ein Pflger hatte sich vor drei Wochen infiziert. Er sagt, er sei einer von vieren aus dem Pflegeteam, die positiv getestet wurden, aber dennoch weiterarbeiten mussten. Insgesamt gibt es 23 Pfleger und Krankenschwestern auf der Station.

"Ich habe keine große Wahl. Ich hatte kaum Symptome. Ich wurde von meinem Vorgesetzten gewarnt. Er sagte zu mir: "Wir können Sie nicht ersetzen, Sie müssen reinkommen". Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Patienten können auch keine Pause machen, auch ich bleibe bei meinem Team. Wir haben Angst, die Kranken zu infizieren. Wir sind noch vorsichtiger", sagt der 33-Jährige.

In Bezug auf die Zahlen stellte Sprecher Yves Van Laethem fest, dass Krankenhausaufenthalte und Todesfälle weiter zunehmen, "aber die Zahlen der Ansteckungen sinken, allerdings bildet das nicht die Wirklichkeit ab, da wir keine asymptomatischen Personen mehr testen."

Die Zahl der Test bleibt hingegen gleich. "Wir erreichen noch immer den Höchststand von 80.000 Tests pro Tag." Einer von fünf Tests kommt positiv zurück. Einer von dreien kommt aus Liège. Am stärksten betroffen sind die über 90-Jährigen.

Die belgische Außenministerin Sophie Wilmes liegt weiterhin mit COVID-19 auf der Intensivstation, aber ihr Zustand bessert sich, nach Angaben ihrer Sprecherin. Elke Pattyn erklärte, dass es der früheren Ministerpräsidentin "jeden Tag etwas besser gehe."

Situation wie im Frühjahr

Die Situation in Belgien erinnert viele an die erste Corona-Welle im Frühjahr. Auch damals drängten sich Patienten auf den Gängen, zuviele Kranke, zu wenig Betten.

Ärzte und Krankenschwestern dieser Intensivstation gelangen an ihre Grenzen, es gibt kaum Betten mehr für die schwer an Covid-19 Erkrankten.

Joséphine Casano, Krankenschwester auf der Intensivstation, sagt unter Tränen:

"Die Reaktion der Familien zu sehen, weil sie nicht ins Krankenhaus kommen können, ist psychisch sehr schwer. Ich kann kaum schlafen, und ich bin nicht die einzige, ich habe Probleme zu schlafen."

Ein 55-jähriger Patient, der die Intensivstation verlassen darf, meint:

"Es ist eine wirklich schlimme Krankheit. Ich habe sie auch nicht ernst genommen, und ich weiß jetzt, dass ich sie sehr, sehr ernst nehmen werde."

Belgien erlebt eine der schwersten zweiten Wellen der Welt, und Ärzte und Krankenschwestern sagen, sie können nicht mehr. Joséphine Casano graut es vor der Zukunft:

"Ich habe Angst, was ist wenn wir Entscheidungen treffen müssen, weil wir sie nicht alle retten können. Also, wen werden wir retten? Den 30-Jährigen oder den, der 60 Jahre alt ist? Ich weiß es nicht. Damit zu leben, ... ich weiß es nicht. "

Derzeit gibt es im Land mehr als 270.000 bestätigte Fälle, und seit Beginn der Pandemie sind mehr als zehntausend Menschen an Covid-19 gestorben.

Doktor Marc Vranckx, Leiter der Notfallmedizin, sagt:

"Die Gesellschaft muss sich entscheiden - akzeptieren wir weiterhin, dass Menschen sterben oder ergreifen wir unpopuläre Maßnahmen, - ich sehe keine andere Möglichkeit."