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Zwischen Wut und Einheit - Frankreich nach der Attacke in Notre Dame in Nizza

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Zwischen Wut und Einheit - Frankreich nach der Attacke in Notre Dame in Nizza
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Die mörderische Attacke auf zwei Frauen und einen Mann in einer Kirche in Nizza reißt in Frankreich neue Wunden auf. Wie kam der mutmaßliche Attentäter nach Südfrankreich? War er allein? Anti-Terror-Staatsanwälte untersuchen, das Land hat seine Sicherheitswarnstufe auf dringend - die höchste Stufe - angehoben, Präsident Emmanuel Macron mahnte am Tatort zur Einheit.

Ein Augenzeuge:

„Ich habe erst nur Schüsse gehört. Und dann kriegte ich mit, dass er den Menschen dort was Schreckliches angetan hat.“

Am Donnerstag morgen hatte ein 21-jähriger tunesischer Staatsbürger offenbar mit einem Messer in der Kirche Notre-Dame im Zentrum von Nizza drei Menschen getötet - einer 60-jährigen Frau wurde laut Staatsanwaltschaft die Kehle durchgeschnitten, auch der getötete 55-jährige Küster wurde demnach schwer am Hals verletzt. Ein drittes, schwer verletztes Opfer (44) sei noch geflüchtet. Die Frau sei außerhalb der Kirche ihren Verletzungen erlegen.

EMMANUEL MACRON AM TATORT

Während Polizeieinsätze in der ganzen Stadt liefen, eilte Frankreichs Präsident zum Tatort und erklärte, man habe er die Anzahl der Soldaten auf den Straßen im ganzen Land mehr als verdoppelt. Und forderte die Franzosen auf, zusammenzustehen.

Emmanuel Macron. französischer Präsident:

"In Frankreich gibt es nur eine Gemeinschaft, die nationale Gemeinschaft. Und ich möchte allen unseren Mitbürgern, unabhängig von ihrer Religion, ob sie gläubig sind oder nicht, sagen, dass wir in diesen Zeiten vereint sein müssen und nicht dem Geist der Spaltung nachgeben dürfen."

Anelise Borges. Euronews:

"Während Macron angesichts der Bedrohung durch den Terrorismus die nationale Einheit beschwor, sprachen die Einwohner der Stadt Nizza - besonders in der katholischen Gemeinde - über Wut und über die Hoffnung, dass die Regierung mehr unternimmt, um sie zu schützen."

Gil Florini. Pfarrer von Saint-Pierre d'Arène/Nizza:

"Meine erste Reaktion ist Wut, denn wenn wir wissen, dass ein schreckliches Ereignis bevorsteht, ist es am besten, es zu verhindern, anstatt danach über das erwartete Drama zu diskutieren. Seit einigen Tagen lag ja etwas in der Luft – Frankreich, Erdogan, eine Fatwa der Al Kaida gegen Frankreich…wir müssen aufhören zu denken, dass alle nett sind, weil das nicht stimmt."

TRAUMATA

Frankreich versucht, mit mehreren Angriffen fertigzuwerden, wie der Enthauptung eines Lehrers Samuel Paty in der Nähe von Paris, der seinen Schülern Redefreiheit am Beispiel von Mohammed-Karikaturen erklärt hatte. Schon nach diesem mutmaßlich terroristischen Anschlag hatten Macron und die Mitte-Regierung ein hartes Durchgreifen gegen den radikalen Islamismus angekündigt.

Viele in Nizza sind traumatisiert, seit am 1.Juli 2016 der Attentäter Mohamed Lahoualej Bouhlel mit einem Laster in eine feiernde Menschenmenge fuhr. Mindestens 86 Menschen starben, mehr als 400 wurden verletzt.

Jetzt hoffen viele, dass der von Polizisten schwer verletzte Terrorverdächtige überlebt, um auszusagen – er ist laut Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard im Krankenhaus und schwebt in Lebensgefahr.

Anelise Borges, su mit dpa, AFP