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"Unsensibel": Empörung in der Schweiz über vorzeitige Impfung für südafrikanischen Milliardär

Symbolbild: Gesundheitsmitarbeiter bereitet Corona-Impfung mit Biontech/Pfizer-Vakzin vor.
Symbolbild: Gesundheitsmitarbeiter bereitet Corona-Impfung mit Biontech/Pfizer-Vakzin vor.   -   Copyright  Manu Fernandez/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Vorfall löst Empörung aus

Eine Corona-Impfung sorgt in der Schweiz für Empörung. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, ist der südafrikanische Milliardär Johann Rupert (70) eigens vergangenen Dezember in die Schweiz geflogen, um sich hier mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer impfen zu lassen.

In Frauenfeld im Kanton Thurgau erhielt er demnach eine erste Dosis, und das noch vor dem Start der eigentlichen Impfkampagne. Außerdem wäre Rupert, der das Schweizer Luxusunternehmen Richemont leitet, ohnehin wegen seines Alters nicht in der Gruppe derer gewesen, die zuerst geimpft werden: dafür ist er fünf Jahre zu jung.

Die Präsidentin der Thurgauer Sozialdemokraten, Nina Schläfli sprach von einem "Affront für alle Thurgauerinnen und Thurgauer, die seit Wochen auf einen Impftermin warten". Und auch andere Politiker kritisierten die Impfaktion.

Klinik-Unternehmen Hirslanden entschuldigt sich

Der Kanton Thurgau hatte das Privatklinik-Unternehmen Hirslanden mit den Impfungen beauftragt. Die Klinik-Gruppe hatte außerdem die Erlaubnis erhalten, schon vor Beginn der offiziellen Impfaktion am 12. Januar Testpersonen ihrer Wahl zu impfen.

Laut Hirslanden stand Rupert als Testimpfling zur Verfügung. Allerdings ist der Milliardär auch über ein Geflecht an Firmen an Hirslanden beteiligt - kein Beweis für ein Fehlverhalten, aber in den Augen vieler eine Angelegenheit mit unschönem Beigeschmack.

Inzwischen reagierte Hirslanden auf die Kritik. Unternehmens-Chef Daniel Liedtke wandte sich in einem Schreiben an die Bürger des Kantons Thurgau. Darin entschuldigte er sich und sagte, Hirslanden habe Fehler begangen, für die er persönlich als CEO der Hirslanden-Gruppe geradestehe.

"Symbolkraft unterschätzt"

So habe man unterschätzt, "welche Symbolkraft mit der Impfung eines vermögenden Patienten verbunden ist, auch wenn dieser aufgrund seiner schweren Herzkrankheit, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht zur Risikokategorie zählt und damit Anrecht auf eine sofortige Impfung hat. Der Überlegungsfehler wiegt umso schwerer, als Herr Rupert Miteigentümer unserer Gruppe ist und damit unweigerlich der Eindruck entstand, wir hätten ihn privilegiert behandelt."

Weiter schrieb Liedtke: "Auch wenn Herr Rupert zweifelsfrei zur Risikokategorie zählt, wohnt er im Kanton Genf und nicht im Kanton Thurgau. Es wäre deshalb rückblickend betrachtet klüger gewesen, Herrn Rupert zu empfehlen, sich über seinen Arzt für die ordentliche Impfung im Kanton Genf anzumelden." Er akzeptiere den Vorwurf, dass die Hirslanden-Gruppe mit der Wahl Herrn Ruperts unsensibel gewesen sei.

Rupert selbst hatte gegenüber der Agentur Bloomberg gesagt, sein Arzt habe den Termin für ihn organisiert. Grund seien sein Alter und Gesundheitszustand gewesen. Er selbst sei zudem seit der Gründung von Richemont vor 31 Jahren Schweizer Steuerzahler. Nun sei es wichtig, so schnell wie möglich eine "kollektive Immunität zu erreichen, um Massenarbeitslosigkeit und Chaos zu vermeiden."

Weitere Quellen • Tages-Anzeiger, Blick, Tagblatt,