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Österreicher vor Deportation bewahrt - Geldsegen für französisches Dorf

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Ein Ausweis des verstorbenen Erich Schwam, der einem Dorf seine Millionen vermachte
Ein Ausweis des verstorbenen Erich Schwam, der einem Dorf seine Millionen vermachte   -   Copyright  Cleared
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Ein abgelegenes Dorf im französischen Département La Haute-Loire zieht derzeit viele Blicke der Nation auf sich.

Chambon-sur-Lignon erhielt aus heiterem Himmel einen Geldsegen von zwei Millionen Euro. Ein Vernögen für die 2.500 Einwohner und Einwohnerinnen zählende Gemeinde.

Ein österreichischer Jude vermachte dem Dorf sein Erbe, das er als Kind während des Zweiten Weltkriegs versteckt hatte. Erich Schwam starb ohne Nachkommen Ende Dezember im Alter von 90 Jahren in Lyon.

Denise Vallat ist Kulturreferentin und stellvertretende Bürgermeisterin von Chambon-sur-Lignon: "Das ist eine Geste, die uns sehr berührt hat. Die andere Sache, die Sie wissen müssen, ist, dass es ein Lebenswerk ist. Es ist kein Vermögen, einfach irgendwoher gekommen ist. Und das ist sehr wichtig für uns."

"Er sah sehr traurig aus"

Die ehemalige Geschichtsprofessorin Vallat versucht, das Leben von Erich Schwam zu rekonstruieren, der nach dem Krieg nach Lyon zog, um dort Pharmazie zu studieren - und zu heiraten. In Chambon-sur-Lignon erinnerte sich nur ein Zeitzeuge an ihn.

Denise Vallat erläuterte: "Er ging zuerst in die Dorfschule. Wir haben die Aussage eines alten Mannes, der zu dieser Zeit bei ihm war. Dieser Zeuge war der Sohn eines Lehrerehepaares. Und der junge Erich, so sagte er, kam oft zu früh. Er war dann allein auf dem Schulhof. Und die Eltern dieses Jungen sagten ihm, er solle nach unten gehen und mit ihm spielen, weil er sehr, sehr traurig aussah."

Euronews-Reporterin Laurence Alexandrowicz kommentierte vor dem ehemaligen Domizil der Familie Schwarm: "G__enau hier, in diesem Haus hinter mir, konnte Erich Schwam dank der Solidarität der Bewohner von Chambon-sur-Lignon vor den Nazis fliehen und der Deportation entgehen."

Protestantismus und die Geografie machten es möglich

Zwischen 1.500 und 4.000 Menschen, Juden und Nicht-Juden, davon 30 Prozent Kinder, fanden in dieser abgelegenen und bewaldeten Region von 500 Quadratkilometern, das "Plateau" genannt wird, Zuflucht. Ein Gebiet, in der die Tradition der Gastfreundschaft stark verankert war. Zwischen den beiden Kriegen entstanden dort viele Ferienheime für Stadtkinder.

Floriane Barbier leitet die "Stätte der Erinnerung" in Chambon sur Lignon und klärt über die damaligen Umstände auf, die die Gegend als Zufluchtsort begünstigten: "Es gibt mehrere Elemente, die beiden wichtigsten sind vor allem eine schützende Geographie - die Landschaft, die Berge, die Ferne der großen Städte - und dann auch noch die Präsenz des Protestantismus, einer Religion mit einer Geschichte der Verfolgung in Frankreich, und die daher verstand, was die Juden Ende der 30er und in den 40er Jahren durchmachten."

Auszeichnung aus Israel

Das gesamte Gebiet des Plateaus erhielt 1990 ein äußerst seltenes Diplom aus Israel, das von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verliehen wurde und das es mit einem anderen Dorf in den Niederlanden teilt.

Das Millionen-Erbe von Erich Schwam, das zwei Drittel des Jahresbudgets der Gemeinde ausmacht, wird für die Jugend des Dorfes verwendet. Genau so, wie es sich das österreichische jüdische Kind von Chambon-sur-Lignon gewünscht hat.