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Andenkondor vom Aussterben bedroht - Zählung in Kolumbien

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Andenkondor vom Aussterben bedroht - Zählung in Kolumbien
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Auf einem Berg in 3.200 Metern Höhe winkt der Heiler Rosendo Quira mit einem Salbeizweig, um den "Boten der Sonne" anzurufen. Kurz darauf erscheint ein Kondor. Er ist ein bedrohtes Tier.

Der Kondor hat eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern und ist weltweit eine der größten fliegenden Vogelarten. In den Andenländern hat er eine besondere Bedeutung und kommt in den Wappen verschiedener Länder vor.

Rosendo Quira hat ein Stück Fleisch für ihn auf einem Felsen hinterlassen. Wir sind in Kolumbien, wo die Coconukos-Indianer sowohl den Kondor als auch den Felsen, auf dem er rastet, als heilig betrachten.

"Wenn der Kondor über diese Orte fliegt, bringt er uns eine Botschaft. Wenn er sich uns nähert, geht es uns spirituell gut. Wenn er wegbleibt, bedeutet das, dass wir in irgendeiner Weise versagen."

Das Ritual hat einen Zweck. Die Ankunft der Raubvögel wird von Biologen registriert, die die erste Kondor-Zählung in Kolumbien durchführen. Experten schätzen, dass es nur noch etwa 130 Kondore gibt.

Dazu die Biologin Adriana Collazos:

"Es ist wichtig, diese Zählung des Andenkondors in Kolumbien durchzuführen, um etwas über seine Population zu erfahren. Wir müssen wissen, wie viele Kondore es im Land gibt und wie ihr Zustand ist."

Die Weltnaturschutzunion IUCN ist der Ansicht, dass der Kondor vom Aussterben bedroht ist. Er ist Opfer der Ausdehnung der Landwirtschaft und der Viehzucht in den Hochgebirgsregionen. Landwirte vergiften die Vögel, da sie Angst vor Angriffen auf die Tiere haben.

Rosendo Quira bekräftigt, dass ihm einmal ein Kondor im Traum erschien, um ihm zu zeigen, wie er Kranke heilen kann. Für die indigene Bevölkerung, vor allem in den südlichen Anden, ist er ein mythisches Tier.

Nicht nur für sie wäre das verschwinden des Kondors eine Tragödie.