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Türkei startet Säuberungskampagne gegen "Meeresrotz" im Marmarameer

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Türkei startet Säuberungskampagne gegen "Meeresrotz" im Marmarameer
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Die Türkei hat eine Säuberungsaktion im Marmarameer begonnen, das von einer durch Algen ausgelösten Schleimplage befallen ist. Die Reinigungskampagne begann am Istanbuler Strand Caddebostan in Anwesenheit von Umwelt- und Urbanisierungsminister Murat Kurum.

"Meeresrotz" verbeitet sich seit 6 Monaten extrem

Der auch "Meeres- oder Seerotz" genannte Schleim ist Ausscheidungsprodukt mancher Algen und treibt an der Meeresoberfläche, aber auch darunter. Er setzt sich über kurz oder lang am Meeresboden ab und tötet Korallen, Muscheln und andere Meereslebewesen.

Begünstigt wird die Schleimbildung durch höhere Temperaturen wegen des Klimawandels, aber auch durch Schadstoffe aus unbehandeltem Abwasser, das direkt ins Meer abgelassen wird.

Der organische Schlamm ist in den vergangenen sechs Monaten regelrecht aufgeblüht.

Plan des Umweltministeriums um Schleim zu beseitigen

Der graue Schleim wurde erstmals 2007 in türkischen Gewässern dokumentiert und breitet sich mittlerweile auch im angrenzenden Schwarzen Meer und in der Ägäis aus. Meeresbiologen und Umweltschützer reagierten alarmiert und forderten schnelles Handeln.

Das türkische Umweltministerium hat einen 22-Punkte-Plan skizziert, ab sofort sollen Boote zur Oberflächenreinigung eingesetzt werden, um "den Schleim im Marmarameer mit wissenschaftlich fundierten Methoden rund um die Uhr vollständig zu beseitigen", heißt es von Umwelt- und Urbanisierungsminister Murat Kurum.

Erdogan verspricht zu handeln

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan versprach höchstpersönlich: "Wir werden unsere Meere vor dieser Schleimkatastrophe retten, allen voran das Marmarameer".

Außerdem plant die Regierung das gesamte Meer bis zum Ende des Jahres als Schutzgebiet auszuweisen. So soll die Verschmutzung reduziert und durchgesetzt werden, dass Abwässer der Küstenstädte und Schiffe ordnungsgemäß entsorgt und behandelt werden .

Alle sieben Städte an der Küste des Marmarameeres beteiligen sich an den Reinigungsarbeiten. Die Teams errichteten eine Barriere auf dem Meer, damit sich der Schleim an einer Stelle ansammeln konnte, bevor er in Lagertanks zur späteren Entsorgung überführt wurde.

Die Küste des türkischen Binnenmeeres ist dicht besiedelt. An ihr liegen neben der 16-Millionen-Metropole Istanbul etwa Großstädte wie Bursa.

Experten warnen vor Massensterben der Meereslebewesen

Durch den Schleim fällt nicht nur das Baden aus. Fischer können ihre Netze nicht auswerfen, weil die entweder kaputt gehen oder zumindest stark verschmutzt und unbrauchbar werden.

Negative Folgen hat der Schleim laut Meeresbiologen vor allem für Organismen, die auf dem Meeresboden leben, wie etwa Muscheln, deren Wachstum verlangsamt wird, wenn sie unter einer Schleimschicht liegen. Auch weiche Korallen könnten von Schleim bedeckt nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, nämlich das Wasser zu filtern, sagte Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der türkischen Odtü-Universität.

Auf lange Sicht sei besonders der negative Einfluss auf das Zooplankton, von dem sich viele Fische ernähren, fatal. Nimmt dessen Menge ab, würden auch die Fischpopulationen weniger. Bayram Öztürk, Biologe bei der Türkischen Stiftung für Meeresforschung und Professor an der Universität Istanbul, warnt sogar vor einem Massensterben der Meereslebewesen.