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Massaker an Algeriern 1961: Macron spricht von "unverzeihlichen Verbrechen"

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Von Euronews  mit AFP / DPA
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Massaker an Algeriern 1961: Macron spricht von "unverzeihlichen Verbrechen"
Copyright  Rafael Yaghobzadeh/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

60 Jahre nach dem blutigen Massaker an Algeriern in Paris hat Emmanuel Macron als erster französischer Präsident an einer Gedenkveranstaltung teilgenommen - und die Taten als "unentschuldbar verurteilt".

"Die Verbrechen, die in dieser Nacht (...) begangen wurden, sind für die Republik unverzeihlich", hieß es in einem Schreiben des Élyséepalasts vom Samstag. Für Historiker und Opferverbände ein längst fälliger Schritt.

"Sie fingen an, die Menschen mit Schlagstöcken zu massakrieren"

Am 17. Oktober 1961 - gen Ende des Algerienkrieges - hatten Zehntausende Algerier in Paris für die Unabhängigkeit demonstriert. Die Polizei knüppelte sie brutal nieder und warf die Toten in die Seine.

Said Abtout war damals dabei und erinnert sich: "Sie fingen an, die Menschen mit Schlagstöcken zu massakrieren, traten mit Schuhen gegen ihre Köpfe. Etwas Derartiges hatte ich noch nie erlebt".

Brutalste Repression in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg

Jahrzehntelang wurde das Blutbad unter der Verantwortung des damaligen Polizeipräfekten (und ehemaligen Nazi-Kollaborateur) Maurice Papon (der 1987 wegen Kriegsverbrechen zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde) verschweigen, die genaue Zahl der Opfer ist bis heute unbekannt.

"Die Frage der Opferzahlen ist sehr komplex," erklärt der Historiker Emmanuel Blanchard. ""s waren mehrere Dutzend Tote am 17., 18. und 19. Oktober 1961, mindestens einhundert, wenn nicht mehr im Zeitraum September und Oktober 1961.

Dies macht das Massaker zur brutalsten Repression in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg, auch wenn wenn wir von Minimalschätzungen ausgehen."

Kolonialvergangenheit lastet bis heute auf den französisch-algerischen Beziehungen

Weder Polizei noch Staatsvertreter wurden je zur Verantwortung gezogen. Sechzig Jahre später wird das Massaker zwar nicht mehr verschwiegen. Dennoch tut sich Frankreich schwer mit der Aufarbeitung einer dunklen Kolonialvergangenheit, die bis heute auf den französisch-algerischen Beziehungen lastet.

Erst Anfang Oktober kam es zu neuen Spannungen, nach der kritischen Bemerkung Emmanuel Macrons, die neue Geschichtsschreibung Algeriens seit der Unabhängigkeit stütze sich nicht auf Wahrheiten, sondern auf einen Diskurs des Hasses auf Frankreich.