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Inzidenz 3.000 wegen Omikron: Gestresste Eltern, streikende Lehrer

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Von Euronews  mit AFP, AP
Kinder in einem Impfzentrum in Frankreich
Kinder in einem Impfzentrum in Frankreich   -   Copyright  Jean-Francois Badias/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Viele Eltern in Frankreich sind derzeit extrem gestresst - und kommen mit dem Testen ihrer Kinder kaum noch nach. Es wird auch immer schwieriger - angesichts dramatisch hoher Infektionszahlen -, die Tests zu organisieren, weil die Labore und Apotheken überlastet sind.

Doch nicht nur die Eltern leiden mit den Kleinen und sind genervt, 10 Tage nach dem Ende der Weihnachtsferien treten Lehrerinnen und Lehrer in den Streik. Die erste Schulwoche des Jahres fühle sich an wie drei Monate Unterricht, erklärt ein Gewerkschaftsvertreter gegenüber France Info.

Nicht alle Fünfjährigen lassen sich gern ein Stäbchen tief in die Nase stecken - und das mehrmals pro Woche. Eine Mutter berichtet davon, dass mehrere Personen ihre weinende kleine Tochter festhalten mussten, die sich partout nicht testen lassen wollte. Aber das negative Testergebnis war die Bedingung dafür, dass das Mädchen wieder in die Vorschule gehen durfte.

Für ihre drei Kinder hatte eine andere Mutter seit dem Schulanfang am 3. Januar für jeden Tag provisorisch einen Testtermin organisiert - und sie hat dann fast alle Termine gebraucht.

Dabei sind sich in Frankreich so gut wie alle einig, dass die Kinder weiter in die Schule gehen sollen.

Die Regierung in Paris hat jetzt zwar die Coronaregeln an den Schulen erleichtert - und Schnelltests für zu Hause können den Weg zum Testtermin sowie die langen Schlangen dort ersetzen. Aber viele Lehrerinnen und Eltern beklagen die Komplexität der ständig wechselnden Regeln - und viele Eltern leiden weiter mit den Kleinen.

Die 7-Tage-Inzidenz der Ansteckungen liegt in Frankreich schon seit Tagen bei fast 3.000, in Paris über 4.000 pro 100.000 Menschen. Trotz mehr als 360.000 bestätigten Neuinfektionen, die jeweils am Dienstag und am Mittwoch gemeldet wurden, bleiben die Schulen, Vorschulen und Kitas in Frankreich offen. Allerdings müssen Kinder, in deren Klassen oder Gruppen sich ein Kind infiziert hat, getestet werden.

Es werden derzeit insgesamt mehr als 10 Millionen Tests pro Woche in Laboren analysiert. Das sind deutlich mehr als in Deutschland.

Lehrerinnen und Lehrer streiken an diesem 13. Januar

Die größte Gewerkschaft von Lehrkräften an Grundschulen rechnet damit, dass sich an diesem Donnerstag 75% der Lehrkräfte am Streik gegen die in den Schulen geltenden Coronaregeln beteiligen. Sie prangern den Umgang der Regierung mit der Epidemie an, kritisieren ein unbeschreibliches Chaos und fordern einen besseren Schutz vor Covid-19.

Der Streik wird vom Elternverband FCPE unterstützt, der die Eltern dazu auffordert, ihre Kinder aus Solidarität mit den Lehrerinnen und Lehrern am 13. Januar nicht in die Schule zu schicken.

Das zuvor geltende Protokoll sah vor, dass bei jedem Covid-19-Fall in einer Grundschulklasse die anderen Kinder sofort einen PCR- oder Antigen-Test machen mussten, bevor zwei Selbsttests durchgeführt wurden.

Dem vereinfachten, seit Dienstag (den 11. Januar) geltenden Protokoll zufolge kann ein einfacher Selbsttest durchgeführt werden, der nach zwei und nach vier Tagen wiederholt werden muss. Diese drei Tests sind sieben Tage lang gültig. Außerdem müssen die Eltern ihr Kind nicht mehr sofort nach dem Kontakt abholen, sondern erst am Ende des Unterrichts.

Einige Gewerkschaften halten das neue Protokoll für "eine kleine Verbesserung", andere verlangen eine Rückkehr zum alten Protokoll mit der Schließung einer Klasse bei einem positiv getesteten Kind, Isolierung von Kontaktpersonen in den Familien und systematischen Speicheltests einmal pro Woche.

Der Druck auf die Regierung wächst

Frankreichs Regierung - allen voran Präsident Emmanuel Macron und sein Bildungsminister Jean-Michel Blanquer - sind stolz darauf, dass die Schulen in der Pandemie weniger lange geschlossen waren als in vielen anderen EU-Staaten.

Im Parlament hat Jean-Michel Blanquer das vereinfachte Protokoll verteidigt, das an die spezifischen Probleme mit der Omikron-Variante angepasst sei.

Doch die Kritik am Corona-Management wird in der massiven Omikron-Welle lauter. Der grüne Präsidentschaftskandidat Yannick Jadot sprach von kafkaesken Zuständen und forderte den Rücktritt des Bildungsministers.

Die Präsidentschaftswahlen im April werfen einen Schatten auf die Arbeit der Regierung. Vor der Kabinettssitzung haben sich Bildungsminister Jean-Michel Blanquer und Gesundheitsminister Olivier Véran ein Wortgefecht geliefert, wie LE PARISIEN berichtet. Offenbar machen sich die beiden gegenseitig für die umstrittenen Test-Protokolle an den Schulen verantwortlich. Blanquer und Véran geht es wohl auch darum, ihren Position in der Regierung nach den Wahlen zu sichern.

In der vergangenen Wochen waren mehr als 10.000 Klassen in Frankreich wegen Covid-19-Fällen geschlossen, das sind laut Premierminister Jean Castex zwar viele, aber nur etwa zwei Prozent aller Klassen.

Derzeit fehlen an französischen Schulen etwa acht Prozent der Lehrerinnen und Lehrer krankheitsbedingt. Schon seit Monaten sind gerade in die Rente gegangene Lehrkräfte dazu aufgefordert worden, den Dienst vorübergehend wieder aufzunehmen.