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Nocebo und Covid-19: Bei Placebo-Impfungen berichten mehr als 30 % über Nebenwirkungen

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Von Euronews  mit JAMA, Ärzteblatt
Impfung gegen Covid-19 in den USA - Symbolbild
Impfung gegen Covid-19 in den USA - Symbolbild   -   Copyright  Nam Y. Huh/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

In einer neuen Studie haben Julia W. Haas vom Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) in Boston und ihr Team herausgefunden, dass mehr als 30 Prozent der Probandinnen und Probanden, denen statt eines Covid-19-Impfstoffs ein Placebo verabreicht worden war, Nebenwirkungen meldeten. Placebo bedeutet, dass kein wirksames Arzneimittel gespritzt wurde. In der vom JAMA Network veröffentlichten Analyse von Untersuchungen mit 45.000 Teilnehmenden traten Nebenwirkungen bei 35 % der Placebo-Patientinnen und -Patienten nach der ersten Dosis und bei 32 % nach der zweiten Dosis auf. Placebo-Impfungen werden zum Test der Wirksamkeit der Vakzine eingesetzt.

Allerdings wurden bei den Teilnehmenden, die die Impfstoffe erhalten hatten, signifikant mehr Nebenwirkungen gemeldet. Bei 46,3 Prozent trat laut Studie mindestens eine unerwünschte Arzneimittelwirkung auf, bei kleineren Beeinträchtigungen wie Rötung an der Anstichstelle waren es sogar 66,7 Prozent. Darüber berichtet auch das deutsche Ärzteblatt.

Nocebo-Effekt auch bei echten Impfungen

Der negative Placebo-Effekt wird auch als Nocebo-Effekt bezeichnet, der bedeutet, dass ein "Scheinmedikament" negative Reaktionen auslöst. Julia W. Haas und ihr Team gehen davon aus, dass es auch in der Gruppe der mit dem wirksamen Impfstoff Geimpften Nocebo-Effekte gibt. Bei Impfkampagnen ist es laut Forschenden wichtig, dieses Phänomen zu berücksichtigen.

Kopfschmerzen und Müdigkeit sind als Nebenwirkungen von Impfungen gegen Covid-19 bekannt und werden auch in den Beipackzetteln der Impfstoffe genannt. Der Professor für Medizin an der Harvard Medical School Ted J. Kaptchuk geht davon aus, dass die Menschen alltägliche Empfindungen dann fälschlicherweise dem Impfstoff zuschrei­ben. Kaptchuk erforscht seit mehr als 20 Jahren die Wirkung von Placebos. Er hatte zuvor herausgefunden, dass auch bei Patientinnen und Patienten, die wissen, dass sie mit einem Placebo - also einem Scheinmedikament - behandelt werden, dennoch eine Verbesserung im Krankheitsverlauf spürbar sein kann. Der positive Placebo-Effekt beruht also nicht unbedingt auf einer Täuschung.