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Wir haben Mikroplastik im Blut - und 5 g pro Woche in Magen und Darm

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Von Euronews  mit AP, The Guardian, Der Standard
Kinder spielen im Plastikmüll - ARCHIV
Kinder spielen im Plastikmüll - ARCHIV   -   Copyright  Ben Curtis/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.

Wie gefährlich sind Babyflaschen aus Plastik oder andere Mikropartikel?

Eine neue Studie hat erstmals Mikroplastik im menschlichen Blut nachgewiesen. Drei Viertel der Getesteten hatten laut der Studie der Freien Universität Amsterdam offenbar Kunststoff im Blut. Die Untersuchung war der erste Beweis dafür, dass Kunststoffpartikel in den menschlichen Blutkreislauf gelangen können. Frühere Hinweise darauf stammten aus Laborexperimenten. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass Menschen im Alltag Mikroplastik aus ihrer Umwelt aufnehmen und dass diese Mengen im Blut messbar sind.

Die Gesamtkonzentration von Kunststoffpartikeln im Blut der 22 Probandinnen und Probanden betrug durchschnittlich 1,6 µg/ml, was einem Teelöffel Kunststoff in 1.000 Litern Wasser (zehn große Badewannen) entspricht.

Ein Viertel der Getesteten hatte keine nachweisbaren Mengen an Kunststoffpartikeln irgendeiner Art im Blut.

Polyethylenterephthalat (PET), Polyethylen und Polymere von Styrol waren die häufigsten Kunststoffarten, die in den Blutproben gefunden wurden, gefolgt von Poly(methylmethacrylat). Auch Polypropylen wurde analysiert, aber die Konzentrationen waren zu gering für eine genaue Messung.

Die Forscherinnen und Forscher stellen jetzt die Frage, inwieweit die Plastikpartikel in Organe wie das Gehirn, gelangen können.

Wie gefährlich ist das Mikroplastik im Körper?

Eine der Autorinnen, Heather Leslie, erklärt: "Wir haben jetzt bewiesen, dass unser Blutkreislauf, sozusagen unser Lebensfluss, Plastik enthält."

Und ihre Kollegin Marja Lamoree fügt hinzu: "Dieser Datensatz ist der erste seiner Art und muss erweitert werden, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie weit verbreitet die Plastikverschmutzung im Körper des Menschen ist und wie schädlich sie sein kann. Mit diesen Erkenntnissen können wir feststellen, ob die Exposition gegenüber Plastikpartikeln eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt."

Zusammenfassend heißt es in der in SCIENCE DIRECT veröffentlichten Studie: Um festzustellen, ob die Exposition gegenüber Kunststoffpartikeln ein Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellt, ist ein Verständnis der Exposition dieser Stoffe beim Menschen und der damit verbundenen Gefahren erforderlich.

Sorge um Babys

Gegenüber THE GUARDIAN warnen die Forschenden. "Unsere Studie ist der erste Hinweis darauf, dass wir Polymerpartikel in unserem Blut haben - das ist ein bahnbrechendes Ergebnis", sagt Prof. Dick Vethaak, Ökotoxikologe an der Vrije Universiteit Amsterdam in den Niederlanden. "Aber wir müssen die Forschung ausweiten und die Stichprobengröße, die Anzahl der untersuchten Polymere usw. erhöhen. Weitere Studien verschiedener Gruppen seien bereits im Gange.

"Es ist sicher vernünftig, besorgt zu sein. Die Partikel sind da und werden durch den Körper transportiert". Frühere Arbeiten hätten gezeigt, dass der Anteil von Mikroplastik in den Fäkalien von Säuglingen zehnmal höher sei als bei Erwachsenen und dass Säuglinge, die mit Plastikflaschen gefüttert werden, täglich Millionen von Mikroplastikpartikeln verschlucken.

"Wir wissen auch, dass Säuglinge und Kleinkinder im Allgemeinen anfälliger für die Belastung durch Chemikalien und Partikel sind", sagte er. "Das macht mir große Sorgen."

"Ein Mensch isst pro Woche eine Kreditkarte"

Welche Unmengen an Plastik Menschen aufnehmen, erklärt der STANDARD mit einer eindringlichen Schlagzeile "Ein Mensch isst pro Woche eine Kreditkarte". Denn laut einer Studie der Med Uni Wien gelangen durchschnittlich pro Person und Woche 5 Gramm Plastik in den menschlichen Magen-Darm-Trakt - und so viel wiegt eine Kreditkarte!

Zu ähnlichen Ergebnissen waren Forscher in Asien im vergangenen Jahr gekommen.

Offenbar empfiehlt es sich, auf Plastikflaschen zu verzichten. Der STANDARD schreibt: "Wer die empfohlenen 1,5 bis zwei Liter Wasser pro Tag aus Plastikflaschen trinkt, nimmt einer Studie zufolge allein auf diese Weise rund 90.000 Plastikpartikel pro Jahr zu sich. Wer zu Leitungswasser greift, kann – je nach geografischer Lage – die Menge auf 40.000 reduzieren."

Außerdem wiesen Forschende eine weit verbreitete Kontamination von Mineralwasser mit Xenohormonen nach, die aus PET-Flaschen (Polyethylenterephthalat) ausgewaschen werden. "Xenohormone weisen eine starke östrogene Aktivität auf, die im Körper krebserregend wirken kann."