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Schickt Russland 1.000 Wagner-Söldner in die Ostukraine?

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Von Euronews  mit AP
Ein Anwohner fährt mit seinem Fahrrad vor beschädigten Gebäuden und einem Panzer in der Stadt Trostianets vorbei, 28. März 2022 .
Ein Anwohner fährt mit seinem Fahrrad vor beschädigten Gebäuden und einem Panzer in der Stadt Trostianets vorbei, 28. März 2022 .   -   Copyright  AP Photo

Ein privates russisches Militärunternehmen, dem Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, ist nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums in die Ostukraine entsandt worden.

Nach Angaben des Ministeriums wird die Wagner-Gruppe voraussichtlich bis zu 1.000 Söldner in die Ukraine entsenden, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen. Zuletzt hatte das reguläre russische Militär schwere Verluste erlitten.

Vize-Luftmarschall Mick Smeath, Verteidigungsattaché an der britischen Botschaft in Washington, sagte gegenüber Reporter:innen, dass Russland möglicherweise gezwungen sei, Wagner-Söldner für die Ukraine auf Kosten seiner Operationen in Afrika und Syrien neu zu priorisieren.

Gerade erst hatten US-Verteidigungsexpert:innen gemutmaßt, Russland suche nach Möglichkeiten, seine Kampfverluste durch russische Truppen in anderen Ländern zu ersetzen. Am vergangenen Freitag teilte das Pentagon mit, dass Moskau offenbar auf die in Georgien stationierten russischen Truppen zurückgreife. Einzelheiten über deren Anzahl oder den Zeitpunkt ihres voraussichtlichen Einsatzes sind allerdings nicht bekannt.

Tausende von Söldnern der Wagner-Gruppe sind seit 2015 in Syrien im Einsatz. Die USA und die EU sehen die Gruppe als Stellvertreter des russischen Militärs,- doch der Kreml bestreitet ihre Existenz.

Im Dezember verhängte die EU Sanktionen gegen die Wagner-Gruppe und ihren Gründer, Dmitri Utkin, weil sie im Nahen Osten, in Afrika und in der Ukraine Gewalt schüren und Menschenrechtsverletzungen begehen.

Was ist die Wagner-Gruppe?

Die Wagner-Gruppe ist eine von mehreren privaten Militärgruppen aus Russland, die aus dem Konflikt im Donbas in der Ostukraine hervorgegangen sind, als sich die prorussischen Kräfte nach der Annexion der Krim 2014 gegen die ukrainische Regierung erhoben.

Berichten zufolge hat die Wagner-Gruppe im Auftrag des Kremls geheime Kampfeinsätze in der Ukraine und in Syrien durchgeführt. Auch das bestreiten die russischen Behörden.

Drei russische Journalisten, die die Präsenz von Wagner in der Zentralafrikanischen Republik untersuchten, wurden im Sommer 2018 ermordet.

Im Jahr 2019 behauptete die libysche Regierung der Nationalen Eintracht (GNA), dass russische Söldner der Wagner-Gruppe an den Kämpfen an der Seite der regierungsfeindlichen Kräfte beteiligt waren.

Und 2020 verhaftete die belarussische Regierung 33 russische Staatsbürger und beschuldigte sie, kurz vor den Präsidentschaftswahlen "Massenunruhen" inszenieren zu wollen. Die Behörden in Belarus erklärten, die Männer seien Söldner der Wagner-Gruppe.

AP Photo
Ein Mann läuft an einem von einer Bombe hinterlassenen Krater in der Nähe der Stadt Mikolajew vorbei.AP Photo

Auch der Oligarch, der als Chef der Wagner-Gruppe gilt - Jewgeni Prigoschin, ein Geschäftsmann mit Verbindungen zu Putin - hat wiederholt jegliche Verbindung zu der Gruppe bestritten.

Die USA haben Sanktionen gegen ihn verhängt, nachdem sie ihn beschuldigt hatten, versucht zu haben, sich in die Präsidentschaftswahlen 2016 und die Kongresswahlen 2018 einzumischen.

Prigoschin hat jegliche Verbindungen zu Wagner bestritten und lehnte es ab, sich zu den US-Vorwürfen zu äußern, und bezeichnete sie als "Privatangelegenheit" des US-Finanzministeriums.

Paramilitärische Rekruten

Offiziell sind in Russland keine privaten Militärfirmen erlaubt, die Tätigkeit als Söldner ist eine Straftat. Militärexpert:innen zufolge arbeiten Unternehmen wie Wagner jedoch unter der Kontrolle der russischen Sicherheitsdienste und des Militärs.

"Ohne das Einverständnis des Kremls ziehen sie nicht in den Krieg, auch wenn der Kreml das leugnet und sagt, sie wüssten von nichts", so Pavel Felgenhauer, ein russischer Verteidigungsanalyst, gegenüber Euronews.

Es heißt, dass die Rekruten der Wagner-Gruppe ein paar tausend Dollar im Monat verdienen - wenig im Vergleich zu internationalen Standards für die Rekrutierung ehemaliger Militärangehöriger für private Sicherheitsfirmen. Die Familien erhalten im Falle ihres Todes angeblich weniger als 50.000 Euro.

Im Gegensatz zu US-amerikanischen oder britischen Sicherheitsfirmen werden die Wagner-Rekruten oft als Elitetruppen in Konfliktgebieten eingesetzt - oder als spezialisierte Scharfschützen.