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Doch Angst vor Marine Le Pen? Frankreich am Tag der entscheidenden Wahl

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit AFP, AP, Liberation, SZ
Französinnen und Franzosen stehen Schlange zur Präsidentschaftswahl in Montreal in Kanada
Französinnen und Franzosen stehen Schlange zur Präsidentschaftswahl in Montreal in Kanada   -   Copyright  Graham Hughes/Copyrighted

In Kanada haben viel mehr Wahlberechtigte aus Frankreich ihre Stimme bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl abgegeben als vor zwei Wochen bei der ersten Runde. Bilder von langen Schlangen im französischsprachigen Montréal machen im Internet und in den Medien die Runde. 67.000 wahlberechtige Expats aus Frankreich leben in der größten Stadt der kanadischen Provinz Quebec, in ganz Kanada sind es etwa 100.000.

130.000 Französinnen und Franzosen haben sich in den USA in die Wahllisten für die Präsidentschaftswahl 2022 eintragen lassen. In der ersten Runde hatten 58 Prozent für Emmanuel Macron gestimmt und nur 3 Prozent für Marine Le Pen.

Die letzte Umfrage aus Frankreich

Laut einer letzten Umfrage von Ipsos-Sopra Steria für franceinfo und Le Parisien in Frankreich wollen 57% der Wahlberechtigten für Emmanuel Macron stimmen und 43% für Marine Le Pen. Aber 12 % der Befragten, die zur Wahl gehen wollen, sind weder für Macron noch für Le Pen - und 11 % sagen, dass sie ihre Meinung noch in den letzten Stunden oder Minuten ändern können.

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Lange Schlangen vor der Stimmabgabe zur französischen Präsidentschaftswahl in KanadaGraham Hughes/Copyrighted
Marine Le Pen ist keine 'normale' Kandidatin. Sie ist eine radikale, eine rechtsradikale Politikerin. Würde sie Präsidentin, stiege Frankreich de facto aus der Europäischen Union aus
Thomas Kirchner
In der Süddeutschen Zeitung

In der Süddeutschen Zeitung meint Thomas Kirchner, dass Emmanuel Macron stärker vor seiner Gegnerin hätte warnen müssen. "Marine Le Pen ist keine 'normale' Kandidatin. Sie ist eine radikale, eine rechtsradikale Politikerin. Würde sie Präsidentin, stiege Frankreich de facto aus der Europäischen Union aus."

Allerdings ist das Warnen vor der Gegenkandidatin für Macron ein zweischneidiges Schwert, denn nicht wenige unter den Le Pen-Wählerinnen und -Wählern tun dies aus Protest gegen den Präsidenten oder gegen das Establishment. Andere - auch ehemalige Gelbwesten - halten die Rechtsextreme für eine Vertreterin ihrer Interessen, weil Le Pen die Kaufkraft zum zentralen Thema ihrer Kampagne gemacht hat. In der TV-Debatte verglich sie sogar den Millionenkredit ihrer Partei bei einer russischen Bank mit den Krediten, die Menschen in Frankreich aufnehmen müssen.

Emmanuel Macron hat Mühe, sich vom Image als "Präsident der Reichen" zu befreien. Dabei ist Marine Le Pen in einer großbürgerlichen Villa im Pariser Vorort Saint-Cloud aufgewachsen. Doch inzwischen verweist die 53-Jährige lieber auf ihre Katzen als auf ihren wegen antisemitischer Hassrede verurteilten Vater, dem sie als Parteichefin nachgefolgt ist.

Wie sie im Interview sagte, würde Marine Le Pen im Falle ihres Wahlsieges aber als erstes an ihren Vater denken. Der 1928 geborene Jean Mari Le Pen war fünf Mal bei Präsidentschaftswahlen angetreten und hatte es gegen Jacques Chirac in die Stichwahl geschafft - mit weniger Stimmen als seine Tochter jetzt. Damals - 2002 - war ein rechtsextremer Politiker in der Endrunde ein Schock.

In der Zeitung LIBERATION schreibt der französisch-israelische Autor Dov Alfon, angesichts der Gefahr eines Siegs der extremen Rechten sei es nicht möglich, sich zu enthalten oder eine ungültige Stimme abzugeben - und fordert dazu auf, für Emmanuel Macron zu stimmen.