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Deutschland in Sorge nach dem Stopp russischer Gas-Lieferungen an Polen und Bulgarien

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Von Euronews  mit dpa, AFP
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Pipeline um Bau in Dänemark
Pipeline um Bau in Dänemark   -   Copyright  AFP

Der Stopp von russischen Gaslieferungen an Polen und Bulgarien wird in Deutschland mit Sorge aufgenommen. Beide Länder sollen ab Mittwoch kein russisches Gas mehr erhalten, weil sie sich geweigert hatten, den russischen Staatskonzern Gazprom in Rubel zu bezahlen.

Jamal-Pipeline läuft trocken

Die Gaslieferungen über die Jamal-Pipeline würden ausgesetzt. In Deutschland, das ebenfalls stark abhängig von russischem Gas ist, habe man bislang keine Unregelmäßigkeiten bei den Lieferungen festgestellt. Allerdings stellt die wichtigste Verbindung zwischen Russland und Deutschland die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 dar, die Polen und Belarus umgeht.

Erst am Dienstag war der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck nach Warschau gereist, um mit Polens Klimaministerin Anna Moskwa neue Importrouten für Öl auszuloten, die die Abhängigkeit von russischen Lieferungen reduzieren sollen. Das betrifft vor allem die Versorgung Ostdeutschlands, das bislang über die Druschba-Pipeline mit dem Rohstoff versorgt wird.

Einige Experten halten ein russisches Öl-Embargo in Deutschland für absolut machbar, auch ohne schwere, wirtschaftliche Schäden hervorzurufen. Auch Habeck hatte zuletzt betont, dass die Verringerung von russischen Ölimporten schneller als geplant vonstatten gehe.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums von Ende März ist die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Öl von 35 auf etwa 25 Prozent gesunken.

Polen erhält bereits kein russisches Gas mehr

Polens Klimaministerin bestätigte im polnischen Radio, dass die Lieferungen bereits eingestellt wurden. Gazpom hat seinerseits den Lieferstopp bestätigt, weil die Unternehmen PGNiG und Bulgargaz nicht rechtzeitig in Rubel gezahlt hätten. Sofia und Warschau betonten dagegen, ihre Verpflichtungen erfüllt zu haben. Alle Zahlungen, die der Vertrag erforderlich mache, seien rechtzeitig getätigt worden, teilte die bulgarische Regierung mit.

Bulgariens Energieminister Aleksandar Nikolow erklärte, dass noch immer Gas durch die Leitungen liefe. Man habe sich darauf eingestellt, dass die im Laufe des Tages eingestellt würden. Nikolow warf Russland vor, Gas als politische und wirtschaftliche Waffe einzusetzen. Bulgarien ist fast vollständig von russischem Gas abhängig. Allerdings erklärte das Land, bereits Schritte zur alternativen Gasversorgung unternommen zu haben. Ab Juni soll das Land an das Netz des Nachbarlandes Griechenland angeschlossen werden.

Hintergrund des Gaskonfliktes mit Russland ist ein Streit über die Zahlungsmodalitäten. Kremlchef Wladimir Putin hatte im März gefordert, dass westliche Staaten mit Wirkung zum 1. April Konten bei der Gazprombank eröffnen müssen, um Lieferungen zu bezahlen. Andernfalls würden sie für "unfreundliche" Länder eingestellt. Nach einem von Putin unterzeichneten Dekret können die Zahlungen weiter in Euro oder Dollar auf das russische Konto eingezahlt werden. Die Gazprombank konvertiert das Geld in Rubel und überweist den Betrag in der russischen Währung an Gazprom.