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Was wir über die neue #MeToo-Welle in Frankreich wissen

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Von Alexandra Leistner
28 Frauen beschuldigen den berühmten französischen Moderator und Journalisten Patrick Poivre d’Arvor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben.
28 Frauen beschuldigen den berühmten französischen Moderator und Journalisten Patrick Poivre d’Arvor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben.   -   Copyright  LOIC VENANCE/AFP

Hat Frankreich seinen ganz eigenen Harvey Weinstein? Im Zentrum einer neuen metoo-Welle, von Frauen, die erstmals von sexuellen Übergriffen erzählen, steht der Journalist und jahrzehntelange Moderator der TF1-Abendnachrichten Patrick Poivre d’Arvor.

20 mutmaßliche Opfer haben am Dienstag vor laufender Kamera des Investigativ-Mediums Médiapart von ihren Erfahrungen erzählt und mussten feststellen, dass das Vorgehen des von ihnen beschuldigten Journalisten sich in den meisten Fällen stark ähnelte.

Zudem gibt es die Vermutung, dass der meist "PPDA" genannte Journalist für sein übergriffiges Verhalten bei seinem Sender und anderen Verantwortlichen in der Medienbrache bekannt war.

Marie-Laure Eure-Delattre beschuldigt PPDA, sie im Jahr 1985 als junge Praktikantin vergewaltigt zu haben. "Ich habe es um mich herum gesagt, ich sage es auch weiterhin. Aber niemand wollte uns zuhören." Jahrelang habe sie sich vorgeworfen, selber Schuld an dem Übergriff gewesen zu sein, weil sie ihm in ein Hotelzimmer in Cannes gefolgt war. 

Zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat war Marie-Laure 23 Jahre alt: "Ich habe 36 Jahre gebraucht, um Klage einzureichen", erzählt sie.

Eine andere Frau sagte, sie sei mit 17 Jahren von PPDA vergewaltigt und mit 24 sexuell belästigt worden. Heute sind die Anklägerinnen, die zuvor auch vor der Justiz ausgesagt haben, zwischen 28 und 63 Jahre alt -unter ihnen viele Journalistinnen, aber auch eine Hotel-Mitarbeiterin, eine Lehrerin und eine Autorin.

28 Frauen haben den TV-Star bisher öffentlich sexueller Übergriffe beschuldigt. Zum ersten Mal hatte ein mutmaßliches Opfer im Februar 2021 ihr Erlebtes publik gemacht: Die Schriftstellerin Florence Porcel brachte den Stein ins Rollen.

Eine erste Anklage wurde von der Staatsanwaltschaft in Nanterre wegen Verjährung und unzureichender Beweise eingestellt. Eine neue gerichtliche Untersuchung wird aber derzeit ausgeführt.

Patrick Poivre d'Arvor weist die Anschuldigungen von sich und hat mehrere Frauen seinerseits wegen Verleumdung verklagt. 

In der Sendung von Médiapart distanzierte sich zudem zum ersten Mal der ehemalige Direktor von TF1, Nonce Paolini, von dem Journalisten und richtete sich an die Anklägerinnen: "Ich möchte Ihnen sagen, dass Ihr Leid niemanden gleichgültig lassen kann, insbesondere mich nicht, weder als Mensch noch als ehemalige Führungskraft".

Die Leitung des Senders habe damals nichts über die Vorkommnisse gewusst. "Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir Maßnahmen eingeleitet", verspricht Paolini.

Die Anklägerinnen haben sich in einer Vereinigung mit dem Namen "Metoo médias" zusammengeschlossen und hoffen, auch andere mutmaßliche Opfer sexueller Gewalt aus der Medienwelt dazu zu bringen, ihr Schweigen zu brechen.