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Inflation in Deutschland: Tafeln fordern strukturelle Maßnahmen gegen Armut

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Von euronews
Die Tafeln in Deutschland haben immer mehr Zulauf.
Die Tafeln in Deutschland haben immer mehr Zulauf.   -   Copyright  INA FASSBENDER/AFP or licensors

Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, gestiegene Lebensmittelpreise und Energiekosten: Auch in Deutschland müssen immer mehr Menschen genau auf ihre Ausgaben schauen - seit Monaten beklagen Tafeln, dass die Nachfrage nach ihrem kostenlosen oder sehr günstigem Hilfsangebot steigt. Einige Tafeln berichten, dass sie schon Menschen abweisen mussten.

Das Problem dürfte sich verschärfen, denn die Inflationsrate geht seit Februar steil nach oben. Im Mai lag sie bei 7,9 Prozent - der höchste Stand seit fast 50 Jahren. Für viele wird der Gang zum Supermarkt zum Problem. Sie überlege sich gut, ob sie ein Produkt wirklich jetzt brauche oder nicht oder ob sie auf eine Rabattaktion warte, so Léonie, die in einem Netto-Markt in Bernau bei Berlin einkauft. 

Bei der Bernauer Tafel versorgen sich Kundinnen wie Gabriele Washah mit dem Allernötigsten. Sie habe Brot gekauft, so die Rentnerin. Denn das koste mittlerweile über zwei Euro. Und Butter. Im normalen Handel sei selbst die Wurst zu teuer geworden. "Die hat früher 99 Cent gekostet und kostet jetzt über zwei Euro. Manchmal gehe ich nach Hause aus dem Laden und bin fast am Heulen, weil ich mir das nicht mehr leisten kann."

Es gebe einfach zu viele Dinge, die teurer geworden sind, so der Tafel-Kunde Peter Behme. "Das spürt man im Portemonaie."

Auch Tafeln müssen Preise anheben

Doch nicht nur der Einkauf im Supermarkt wird teurer. Auch die Tafeln müssen ihre - wenn auch niedrigen - Preise wegen der hohen Energiekosten anheben. Die Bernauer Tafel verlangt laut eigenen Angaben 20 bis 50 Prozent mehr für einige Produkte. Die Tafeln, die nur durch Ehrenamtliche funktionieren, fordern die Regierung dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen. Zum Beispiel, dass die Supermarktketten wie in Frankreich verpflichtet werden, überflüssige Lebensmittel an die Tafeln abzugeben, so Norbert Weich, Leiter der Bernauer Tafel. Die Tafeln fordern ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung.

Mindestlohnerhöhung kommt - Streit bei Hartz-IV deutet sich an

Die Ampel-Koalition in Berlin beschloss bisher zwei Entlastungspakete für die Bürger:innen mit Instrumemten wie einer Energiepreispauschale für allle Erwerbstätigen, einer Einmalzahlung für SozialhilfeempfängerInnen, dem 9-Euro-Ticket und dem Tankrabatt. Tafeln und Wohlfahrtsverbände fordern grundlegende Schritte wie die Erhöhung von Mindestlohn und Arbeitslosengeld sowie Maßnahmen gegen prekäre Jobs.

Die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde soll im Herbst kommen. Der Bundestag hat dies vor Kurzem beschlossen. Derzeit liegt der Mindestlohn bei 9,82 Euro brutto. Zum 1. Juli steigt er turnusmäßig auf 10,45 Euro, zum 1. Oktober dann auf 12 Euro je Stunde.

Zudem will die Regierung weitere Entlastungen noch vor der Sommerpause beschließen. Streit könnte es bei den Themen Schuldenbremse und Erhöhung des Hartz-IV-Satzes geben. Die FDP pocht im Gegensatz zu Grünen und SPD auf die Rückkehr zu einem ausgeglichenen Haushalt und ist gegen die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze.