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Notaufnahmen am Limit: Wie rettet man Frankreichs Gesundheitssystem?

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Von Monica Pinna
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Notaufnahmen am Limit: Wie rettet man Frankreichs Gesundheitssystem?
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Das französische Gesundheitssystem galt einst als eines der besten in Europa und in der Welt. Aktuell steckt es in einer beispiellosen Krise, die besonders zu Beginn des Sommers besorgniserregend ist, wenn die Zahl der Patienten ansteigt. Ich bin durch Frankreich gereist, um mir die Lage anzuschauen, die Ursachen zu verstehen und mögliche Lösungen zu finden.

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Überlastete Notaufnahmen in Frankreicheuronews

"Wir haben weder die geeigneten Strukturen, noch die geeigneten Bedingungen, noch die geeigneten Instrumente, noch genügend Personal. Es wird kompliziert." Das ist das Bild, das Maxime Bartolini von der Notfallversorgung zeichnet. Er ist ein junger Krankenpfleger, der im Krankenhaus von Fréjus St. Raphaël an der Côte d'Azur arbeitet. Er hat den Tonfall von jemandem, der schon viel erlebt hat.

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Der junge Krankenpfleger Maxime Bartolini schildert die katastrophale Situationeuronews

_"Seit Dezember arbeiten wir am Limit",_fügt er hinzu. "Alle umliegenden Krankenhäuser sind nachts immer wieder geschlossen. Das ist eine Gefahr für die Patienten und eine Überlastung für uns. Wir tun mehr als unsere Pflichten, wir helfen uns gegenseitig. Wir tun, was wir können, aber jetzt haben wir nicht mehr viele Lösungen übrig, sodass die Situation katastrophal wird."

Fréjus St. Raphaël ist das wichtigste Krankenhaus in der Region Var in Südfrankreich. Es verfügt über fünf fest angestellte Ärzte, was im Vergleich zu anderen Notaufnahmen in der Region zu wenig ist. Im etwa 30 Kilometer entfernten Draguignan ist die Notaufnahme seit Oktober nachts immer wieder geschlossen. Für den Betrieb des Dienstes wären etwa zwanzig ständige Ärzte erforderlich. Es sind sieben. Die 100.000 Einwohner der Region müssen 40 Minuten mehr Fahrzeit in Kauf nehmen, um das nächstgelegene Krankenhaus in Fréjus zu erreichen.

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Der Leiter der Notaufnahme im Interview mit euronews-Reporterin Monica Pinnaeuronews

Der Leiter der Notaufnahme in Fréjus St. Raphaël erzählt mir, dass die Patienten manchmal bis zu 48 Stunden mit anderen Patienten auf dem Flur stehen müssen.

Dieser akute Ärztemangel betrifft nicht nur Südfrankreich im Sommer, sondern das ganze Land das ganze Jahr über. Die Pandemie hat das seit langem bestehende Dilemma der europäischen Gesundheitssysteme offengelegt. Die Erschöpfung aufgrund von Covid hat die Abwanderung von Fachkräften im Gesundheitswesen beschleunigt. Es gibt einfach mehr Menschen, die gehen, als junge Ärzte und Krankenschwestern hinzukommen.

Schwere Krise

Diese tiefe Krise hat die politische Debatte im Vorfeld der französischen Parlamentswahlen im Juni beherrscht. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat bereits in diesem Sommer eine einmonatige Mission zur Suche nach Lösungen gestartet. Ich habe den Mann, der Macrons "Blitzmission" leitet, in Paris getroffen. François Braun, ein Notarzt und Vorsitzender der Gewerkschaft Samu-Urgences de France, wurde kurz nach den Dreharbeiten zu diesem Bericht zum Gesundheitsminister ernannt.

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Vom Notarzt zum Gesundheitsminister: François Brauneuronews

Er ist überzeugt, dass die Krise der Notfallstationen nur die Spitze des Eisbergs ist. Damit die Notaufnahmen funktionieren, muss das gesamte Gesundheitssystem grundlegend umgestaltet werden. Er ist bereit, das zu tun.

Das medizinische Personal, das an vorderster Front gegen die Pandemie kämpft, verlangt heute mehr als nur Beifall. Sie wollen die Mittel, um ihre Arbeit zu machen. Und dabei geht es buchstäblich um Leben und Tod.