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Shinzo Abe - der unvollendete Erzkonservative

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Von su  mit dpa
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Am Ende brachte Shinzo Abe sogar Russen und Amerikanernoch auf einen Nenner. «Die Hand eines Verbrechers hat das Leben eines herausragenden Staatsmannes beendet», so Russlands Präsident****Wladimir Putin in einem vom Kreml veröffentlichten Telegramm. «Ich bin fassungslos, empört und zutiefst traurig», bedauerte US-Präsident Joe Biden.

"SCHÖNES LAND"

Zu Lebzeiten galt der Erzkonservative dagegen eher als Spalter. Sein roter Faden als am längsten amtierender Ministerpräsident der japanischen Geschichte ab 2006 – mit Unterbrechungen: Nach seinem Verständnis war Japan während des Zweiten Weltkrieges nicht im Unrecht. Und er wollte es in ein nach eigenen Worten «schönes Land» verwandeln. Das hieß für ihn: Eine Abkehr von der pazifistischen Nachkriegspolitik. Die Rolle des Militärs an der Seite der heutigen Schutzmacht USA weitete er aus. Gegen großen Widerstand im Volk ließ er Sicherheitsgesetze in Kraft setzen, die Kampfeinsätze im Ausland ermöglichen.

Abe kommt aus einer streng nationalistischen Politikerfamilie. Sein Großvater Nobusuke Kishi wurde wegen Kriegsverbrechen angeklagt, bevor er Ministerpräsident wurde.

Die Tokioter Kriegsverbrecherprozesse stellte Abe infrage, was ihn in China und Korea unpopulär machte – wie auch der Besuch des Yasukuni-Schreins zu Ehren mancher verurteilter Kriegsverbrecher (2012).

KONFLIKTBEREIT

Mit China stritt sich Abes Japan um eine Inselgruppe im Südchinesischen Meer (Senkaku-Inseln), schaffte es aber, die Verbindung aufrechtzuerhalten.

Abes Anhänger halten ihm eine stärkere Beziehung zwischen den USA und Japan zugute, die Japans Verteidigungsfähigkeit stärken sollte. Aber Abe machte sich auch Feinde, indem er seine Verteidigungsziele und andere strittige Themen trotz starker öffentlicher Opposition durch das Parlament zwang.

"UNVOLLENDET"

Als er – aus Gesundheitsgründen – 2020 als Ministerpräsident zurücktrat, sagte Abe, dass es ihm „das Herz zerreißt“, viele seiner Ziele unvollendet zu lassen. Er sprach von seinem Versagen bei der Lösung des Problems der vor Jahren von Nordkorea entführten Japaner, eines territorialen Streits mit Russland und einer Überarbeitung der kriegsverweigernden Verfassung Japans.

Der Abschied von der bis dahin rein defensiven Ausrichtung des Staates hatte zu den größten Massenprotesten seit fünf Jahrzehnten geführt.

Abe rechtfertigte all dies mit den gestiegenen Spannungen in der Region - durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sah er sich zuletzt noch bestätigt.

su mit dpa