Was tun bei einer Massenpanik? 10 Tipps, die Leben retten können

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Von euronews
Südkoreanische Ermittler untersuchen die Gassen, in denen bei einer Halloween-Feier am Samstagabend in Seoul eine Massenpanik ausbrach.
Südkoreanische Ermittler untersuchen die Gassen, in denen bei einer Halloween-Feier am Samstagabend in Seoul eine Massenpanik ausbrach.   -   Copyright  Lee Jin-man/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

Bei einer Halloweenfeier in Seoul wurden die engen Gassen des Ausgehviertels Itaewon zu einer Todesfalle, mindestens 154 Menschen kamen ums Leben. In Deutschland weckt die Tragödie auch die Erinnerung an die Loveparade in Duisburg. Augenzeugen berichteten, dass sie feststeckten und sich nicht mehr aus der Menge befreien konnte. 

Was man in so einer Situation machen kann, darüber gibt ein aktueller Twitter Thread Auskunft.

1. Wo sind die Notausgänge?

Wenn Sie ein Konzert oder eine Großveranstaltung besuchen, halten Sie beim Ankommen schon Aussicht nach den Notausgängen. Wenn es zu voll wird, ist der Hauptausgang möglicherweise nicht mehr erreichbar. Bei einem Event, das draußen stattfindet, ist es ebenfalls hilfreich, sich zu orientieren und herauszufinden, wo sich Barrieren befinden und wo die Ausgänge liegen.

2. Wieviele Menschen sind da?

Expert:innen raten dazu, sich umzusehen und zu beobachten, wie sich die Lage entwickelt. Kommen plötzlich viele neue Menschen dazu? Kann ich mich noch frei bewegen? Wird es langsam eng? Sobald die Menschendichte 6 Personen pro Quadratmeter oder mehr erreicht, wird es sehr gefährlich, denn ab dann, stecken Sie fest und können nicht mehr aus der Menge rauskommen.

Andere raten dazu, zu evaluieren, wie eng es wird indem man den Kontakt mit Menschen um sich herum misst: Wenn kein Körperkontakt zu Nachbarn besteht, ist die Lage wahrscheinlich ruhig. Wenn man anfängt, mit einer oder zwei Personen zusammenzustoßen, besteht zwar noch keine aktute Gefahr, es ist aber ein Warnzeichen. Jetzt ist es Zeit, sich an einen ruhigeren Ort zu begeben.

Wer seine Hände und Arme nicht mehr frei bewegen kann oder etwa nicht mehr an sein eigenes Gesicht fassen kann, befindet sich eindeutig in einer gefährlichen Lage. Hier sind zu viele Menschen auf engem Raum.

3. Wo ist es am gefährlichsten?

Die meisten Todesfälle durch Gedränge ereignen sich in kleinen Räumen wie Gassen, Moshpits (ein Menschenkreis vor Bühnen bei Konzerten) oder bei den Ausgängen von Veranstaltungsorten. Deshalb ist es am besten, früh zu gehen und nicht zu warten, bis es gefährlich wird. Dann ist es möglicherweise schon schwieriger zu evakuieren, weil andere Menschen es Ihnen gleichtun.

Die meisten Menschen, die in Menschenmengen ersticken, werden gegen Böden, Absperrungen, Mauern oder Wände gedrückt. Tun Sie Ihr Bestes, um zu vermeiden,  an den Rand gedrängt oder mit dem Rücken gegen eine Wand gedrückt zu werden. 

4. Bescheid geben

Da es bei großen Menschenansammlungen meist sehr laut ist, haben die Menschen außerhalb des Gedränges oft keine Ahnung, was vor sich geht. Wenn Sie auf einer organisierten Veranstaltung sind und ein Gedränge bemerken, versuchen Sie, Sicherheitskräfte oder die Organisatoren der Veranstaltung zu erreichen, damit die Musik gestoppt wird und eingegriffen werden kann.

5. Sich Platz machen

Wenn Sie in einer Menge stecken und spüren, dass es immer enger wird, versuchen Sie sich breiter zu machen - also Ellbogen raus. Wenn die Arme eng an der Seite des Körpers anliegen oder über dem Kopf, ist die Gefahr größer, dass der Brustkorb zusammengedrückt wird.  

6. Rucksack oder Tasche nicht ablegen

Ihr erster Instinkt mag sein, mehr Platz zu schaffen, indem Sie einen sperrigen Rucksack abnehmen und ihn auf den Boden stellen. Eine Tasche oder ein Rucksack am Boden können jedoch zu einer großen Gefahr werden. Menschen könnten darüber stolpern und hinfallen und so noch mehr Panik und Unruhe auslösen. 

7. Mit dem Strom schwimmen

Sobald die Menge 8-9 Personen pro Quadratmeter erreicht, können sich die Menschen im Inneren nicht mehr frei bewegen und die Menge verhält sich wie Wasser. Sie werden spüren, wie Sie in verschiedene Richtungen bewegt werden, mitgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt ist es wichtig, sich nicht dagegen zu wehren, sondern mit dem Strom mitzugehen. Im Clip des folgenden Tweets sieht man recht anschaulich, wie solche Menschenwellen aussehen können.

8. Nicht schubsen oder schreien

Es ist völlig natürlich, in so einer Situation Panik zu bekommen. Man sollte aber dennoch versuchen, ruhig zu bleiben und sich mit der Menge mitzubewegen. Wenn Sie andere schubsen oder um sich schlagen, oder versuchen, sich rücksichtslos einen Weg zu bahnen, verschlimmern Sie die Situation. Es kann dann zu einer aggressiven Kettenreaktion kommen und damit steigt das Risiko, sich zu verletzen oder erdrückt zu werden für alle Beteiligten - auch Sie selbst.

Ein weiterer Grund, ruhig zu bleiben und nicht unnötig zu schreien ist der Sauerstoffverbrauch den man dabei aufwendet. Die überwiegende Mehrheit der Todesfälle bei Massenpaniken wird durch Erstickung verursacht - deswegen sollte man nur schreien, wenn absolut notwendig und ansonsten versuchen, eine ruhige Atmung beizubehalten.

9. Nicht fallen

Das erscheint auf den ersten Blick sehr logisch, aber es ist absolut entscheidend. Sobald ein Gedränge entsteht, sollte man unbedingt versuchen, stehen zu bleiben. Wer hinfällt, läuft Gefahr, für andere Menschen zur Stolperfalle zu werden. Besonders gefährlich ist es aber in dieser Situation, dass andere Menschen über andere am Boden drübertrampeln in ihrer Panik. Wer einmal fällt, kommt meist nicht mehr hoch.  

10. Wann sollte man helfen?

Analysieren Sie zuerst das Risiko. Wenn jemand abrutscht und Sie in der Lage sind, ihm zu helfen, sollten Sie das natürlich tun. Wenn Sie jedoch selbst nicht sicher stehen und jemand an Ihnen zerrt, um aufzustehen, könnte dies dazu führen, dass Sie beide stürzen.

Soziolog:innen sagen aber, dass "eine geeinte Gruppe eine größere Überlebenschance hat als eine Gruppe von Individualisten". Besonders wichtig ist es, nach schwächeren Menschen um sich herum Ausschau zu halten und diesen Personen zuerst zu helfen.