Erinnerung an 1963: Wie Skopje nach dem großen Beben wieder auferstand

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Von Borjan Jovanovski
Foto vom 23. Oktober 2012 mit dem Stadtplan von Skopje vor dem Denkmal "Schiffer von Thessaloniki" in der Innenstadt von Skopje
Foto vom 23. Oktober 2012 mit dem Stadtplan von Skopje vor dem Denkmal "Schiffer von Thessaloniki" in der Innenstadt von Skopje   -  Copyright  Darko Vojinovic/AP

Angesichts der Bilder aus Syrien und der Türkei erinnert sich Skopje das verheerende Erdbeben von 1963, das mit einer Stärke von 6,1 die Hauptstadt Mazedoniens dem Erdboden gleichmachte.

Mehr als 1.000 Menschen starben, rund 4.000 wurden verletzt, 200.000 Menschen waren von heute auf morgen obdachlos. Etwa 80 Prozent der Stadt wurden zerstört.

Sowjets und Amerikaner halfen Hand in Hand

Die humanitäre Katastrophe im Süden des Balkans mobilisierte eine nie da gewesene Solidarität. Hilfe kam aus aller Welt. Moskau und Washington schickten Rettungsmissionen. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs arbeiteten Sowjets und Amerikaner wieder Hand in Hand, um beim Wiederaufbau zu helfen. Ein wichtiger Moment für die internationale Staatengemeinschaft, erklärt Mishko Ralev vom nordmazedonischen Architektenverband.

"Erstmals seit ihrem Bestehen richtete die UNO einen Kanal ein. Um das politische Gleichgewicht zu wahren, brachte sie die besten Experten aus Ost und West zusammen. Wir erinnern uns natürlich an den damaligen Eisernen Vorhang."

tanj / AFP
Archivphoto vom 27. Juli 1963 in Skopjetanj / AFP
Das alte Skopje vor dem Bebem - 80% der Gebäude wurden zerstört
Hilfeauruf von 1963

Skopje wurde zu einem internationalen Experiment

Nach einem Architektur-Wettbewerb unter UNO-Schirmherrschaft wurde der Japaner Kenzo Tange mit dem Wiederaufbau Skopjes beauftragt. Aus den Ruinen des Bebens sollte im Verlauf der Jahre eine moderne Stadt mit markanten Gebäuden erwachsen, die den damaligen Architekturtrends entsprach: Eine Mischung aus europäischem Modernismus und amerikanischen Brutalismus.

Mishko Ralev: "Skopje war damals eine experimentelle Stadt. Es war nicht nur ein architektonisches Experiment, sondern in den Augen der Vereinten Nationen ein Symbol der Hoffnung für die Menschheit, der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Der Hoffnung, dass es in jeder Katastrophe Erlösung geben kann."

Mahnmal für das Leid und die Solidarität

Euronews-Reporter Borjan Jovanovski zeigt auf die Ruine des einstigen Bahnhofs von Skopje, der nach der Katastrophe so belassen wurde. Auch die zum Zeitpunkt des Erdbebens (5 Uhr 17) stehen gebliebene Bahnhofsuhr ist bis heute im Originalzustand.

"Diese Uhr, die bei der ersten Erschütterung durch das Erdbeben stehen blieb, ist ein Mahnmal für alle Menschen, die bei dieser humanitären Katastrophe ihr Leben verloren. Sie ist aber auch ein Denkmal für die weltweite Solidarität, die diese Stadt aus den Trümmern auferstehen ließ."