Globales Problem: Jeder 6. Mensch ist unfruchtbar

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die Prävalenz der Unfruchtbarkeit in den verschiedenen geografischen Regionen kaum variiert.
Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die Prävalenz der Unfruchtbarkeit in den verschiedenen geografischen Regionen kaum variiert. Copyright Catherine Gaschka/AP
Von euronews
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Ein neuer Bericht der WHO zeigt, dass es keine Untnerschiede zwischen den Kontinenten gibt und, dass jeder sechste Mensch weltweit irgendwann in seinem Leben von Unfruchtbarkeit betroffen ist.

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Für Millionen von Paaren auf der ganzen Welt kann die Zeugung eines Kindes quälend schwierig sein, wenn die Hoffnung auf die Gründung einer Familie durch einen negativen Schwangerschaftstest nach dem anderen zunichte gemacht wird.

Ein neuer Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, dass es keine Untnerschiede zwischen den Kontinenten gibt und, dass jeder sechste Mensch weltweit irgendwann in seinem Leben von Unfruchtbarkeit betroffen ist.

"Dies ist ein globales Problem, das Menschen in allen Ländern und in allen Lebensbereichen betrifft", erklärte Dr. Gitau Mburu, Fruchtbarkeitsforscher bei der WHO, gegenüber euronews.

Die Gesundheitsorganisation definiert Unfruchtbarkeit als "eine Erkrankung des männlichen oder weiblichen Fortpflanzungssystems, die dadurch gekennzeichnet ist, dass nach 12 Monaten oder mehr regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eintritt". 

Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass weltweit zwischen 48 Millionen Paare und 186 Millionen Menschen mit Unfruchtbarkeit leben. Die WHO hat erklärt, dass die von ihr analysierten Daten, die den Zeitraum von 1990 bis 2021 abdecken, keinen Trend aufzeigen können. "Auf der Grundlage der uns vorliegenden Daten können wir nicht sagen, ob die Unfruchtbarkeit zunimmt oder konstant ist. Diese Frage ist noch offen", sagte Dr. James Kiarie, Leiter der WHO-Abteilung Empfängnisverhütung und Fertilitätshilfe.

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die Prävalenz der Unfruchtbarkeit in den verschiedenen geografischen Regionen kaum variiert. Die Lebenszeitprävalenz der Unfruchtbarkeit - also der Anteil der Bevölkerung, der jemals in seinem Leben damit konfrontiert war - lag in Ländern mit hohem Einkommen bei 17,8 Prozent und in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bei 16,5 Prozent.

Der Bericht zeigt, dass Unfruchtbarkeit nicht diskriminierend ist.
Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus
WHO-Generaldirektor

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann weitreichende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben, von Angst und Depression bis hin zu sozialer Stigmatisierung und häuslicher Gewalt.

Etwa 12,6 Prozent der Weltbevölkerung haben zu irgendeinem Zeitpunkt mit Unfruchtbarkeit zu kämpfen. Dieser Anteil war in der afrikanischen WHO-Region mit 16,4 Prozent am höchsten und in der östlichen Mittelmeerregion mit 10 Prozent am niedrigsten.

In dem Bericht wird jedoch hervorgehoben, dass es aufgrund des Mangels an verfügbaren Daten in vielen Ländern schwierig ist, die Belastung durch Unfruchtbarkeit in der Welt genauer zu vergleichen. Der Bericht fordert Verbesserungen bei der Erforschung von Unfruchtbarkeit, damit die Daten in Zukunft konsistenter und leichter vergleichbar sind. 

Der Rückgang der Spermienzahl beschleunigt sich weltweit und bedroht die Zukunft der Menschheit.
WHO-Studie zur weltweiten Unfruchtbarkeit

Was sind die Ursachen für Unfruchtbarkeit?

Der WHO-Bericht enthält keine Aufschlüsselung nach männlicher und weiblicher Unfruchtbarkeit. Unfruchtbarkeit kann durch eine Reihe verschiedener Faktoren verursacht werden, die entweder das männliche oder das weibliche Fortpflanzungssystem oder beide betreffen. In einigen Fällen bleiben die Ursachen der Unfruchtbarkeit ungeklärt.

Im weiblichen Fortpflanzungssystem kann Unfruchtbarkeit durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter sexuell übertragbare Infektionen, blockierte Eileiter, Gebärmuttererkrankungen wie Endometriose, Erkrankungen der Eierstöcke wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) oder ein Ungleichgewicht der Fortpflanzungshormone.

Bei den männlichen Fortpflanzungsorganen kann die Unfruchtbarkeit durch Infektionen der Geschlechtsorgane, ein hormonelles Ungleichgewicht oder eine abnorme Spermienproduktion und -qualität verursacht werden.

Es ist bekannt, dass Umwelt- und Lebensstilfaktoren wie Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Fettleibigkeit die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, aber Wissenschaftler vermuten auch, dass die Belastung durch Umweltschadstoffe die Fortpflanzungshormone stören und Eizellen und Spermien schädigen kann.

Reproduktive Behandlungen sind für viele eine Armutsfalle

Obwohl Techniken der assistierten Reproduktion wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) seit mehr als drei Jahrzehnten zur Verfügung stehen, sind diese Technologien laut WHO in vielen Teilen der Welt unerreichbar und unerschwinglich, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, wo die hohen Kosten ein Paar in die Armut treiben kann. 

In den meisten Ländern müssen Fruchtbarkeitsbehandlungen weitgehend aus der eigenen Tasche finanziert werden. Die WHO fordert nun die Regierungen auf, die Prävention, Diagnose und Behandlung von Unfruchtbarkeit zu verbessern und einen gerechteren Zugang zu Behandlungen wie IVF zu gewährleisten.

"Millionen von Menschen sind mit katastrophalen Gesundheitskosten konfrontiert, wenn sie eine Unfruchtbarkeitsbehandlung in Anspruch nehmen. Das ist ein großes Gerechtigkeitsproblem und für die Betroffenen allzu oft eine medizinische Armutsfalle", sagte Dr. Pascale Allotey, WHO-Direktorin für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Forschung.

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