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100 Jahre nach Goldenen 20ern: "Ella" macht Berlin jazzy again!

Der neue Radiosender "Ella" will nicht nur Musik senden. Darum hat der Sender heute eine hohe Relevanz.
Der neue Radiosender "Ella" will nicht nur Musik senden. Darum hat der Sender heute eine hohe Relevanz. Copyright  AP/AP1952
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Von Diana Resnik
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Ein neuer Radiosender, der nach der Jazz-Legende Ella Fitzgerald benannt ist, will nicht nur Musik senden. Warum das mehr über unsere Zeit sagt, als man denkt.

Berlin - einst Brennpunkt der entfesselnden Lebensart und des musikalischen Rausches - drohte noch vor kurzem ohne eigenen Jazz-Sender dazustehen.

Das ändert sich nun mit einem neuen Radiosender "Ella", der gestern in Anwesenheit des Kulturministers Wolfram Weimer gelaunched wurde - benannt nach der Queen of Jazz, Ella Fitzgerald.

"Die Jazzszene in Berlin hat jetzt Chancen, aufzublühen", sagt Ella-Chef Oliver Dunk. "Es war schon immer ein Lebenstraum von mir, was im Bereich Jazz, Soul und Blues zu machen - drei Dinge, die man nicht voneinander trennen kann."

Der Songwriter Irving Berlin ist in den 1920er Jahren am Klavier zu sehen.
Der Songwriter Irving Berlin ist in den 1920er Jahren am Klavier zu sehen. AP Photo

In den goldenen 1920ern erobern Jazz und Swing die Clubs und Lokale der Hauptstadt. Die Weimarer Republik atmet auf, belebt von einer neuen Art der Musik, die Hermann Hesse in seinem Roman der Steppenwolf mit "roher Wildheit" und "redlicher Sinnlichkeit" beschrieb.

Die Musik hatte ihren Ursprung in den Südstaaten der USA und entstand als eine Fusion aus afroamerikanischen Klängen und europäischer Musik.

"Was ich inspirierend beim Jazz finde ist, dass diese Musikrichtung Brücken schlägt und unterschiedlichste Kulturen verbindet", sagt Dunk.

Wie durch Zufall entstand ausgerechnet 1923 ein neues Medium: das Radio. Damit wurde die Jazz-Musik nun auch live übertragen. Bekannte Musiker wie Louis Armstrong erreichten nun Wohnzimmer und prägten den Jazzgesang maßgeblich.

Louis Armstrong inszenierte bei seiner Ankunft in West-Berlin am 11. Februar 1959 eine Scheinkontrolle der Trompete eines jungen deutschen Studenten.
Louis Armstrong inszenierte bei seiner Ankunft in West-Berlin am 11. Februar 1959 eine Scheinkontrolle der Trompete eines jungen deutschen Studenten. AP Photo

Doch Jazz besteht nicht nur aus Louis Armstrong, sagt Dunk. "Es ist eine schöne Musik mit einer unfassbaren Breite", und das sei es, was Ella im Programm abbilden wolle.

Erlebt Berlin nun einen Jazz-Aufschwung wie in den goldenen Zwanzigern? "Wir wollen dazu beitragen", sagt Dunk. Dabei will Ella nicht einfach nur ein Programm sein.

Das Ziel: "Part of the Jazz-Szene zu sein und das kritisch zu begleiten", sagt Dunk. Ella soll zeigen: Jazz hat auch heute einen hohen Stellenwert, auch gesellschaftspolitisch.

Jazz hatte schon in seinen Ursprüngen eine politische Dimension. Die Musik war Ausdruck von Rebellion, Emanzipation und sozialem Protest.

Dieser gesellschaftlichen Verantwortung will sich Ella heute stellen. Dunk sieht gewisse Parallelen zu den 1920ern, was die politische Entwicklung angeht: "Meine Angst ist, dass die Geschichte sich wiederholt."

Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler im Jahr 1933 sollte Jazz als "fremdländische Musik" "ausgemerzt" werden. Nach der Einrichtung der sogenannten Reichsmusikkammer kamen die ersten Verbote und Repressalien.

Ein Mann blickt am Freitag, 2. November 2007, in der Berliner Philharmonie in Berlin auf ein Poster einer Ausstellungsbroschuere von 1938.
Ein Mann blickt am Freitag, 2. November 2007, in der Berliner Philharmonie in Berlin auf ein Poster einer Ausstellungsbroschuere von 1938. AP Photo

Heute spielt Jazz in den musikalischen Präferenzen der meisten Deutschen keine so große Rolle mehr. Schlager haben eine Popularität von über 50 Prozent, sagt Dunk. Jazz werde von vielen als eine atonale, schräge Musik verstanden, so Dunk. Dabei habe Jazzmusik mehr Öffentlichkeit und mehr Akzeptanz verdient, sagt Dunk.

"Die Deutschen neigen dazu, gerne auf die Alten zurückzugucken, wie Uschi Brüning und Manfred Krug", sagt Dunk. Doch es gäbe auch Newcomer:

"Wir haben zum Beispiel Lisa Bassenge - eine großartige Musikerin - und Martina Barta, sie ist wahnsinnig talentiert", sagt Dunk.

Genau das will Ella anbieten: Neben dem Radiosender gibt es eine Website mit verschiedenen Jazzarten. "Das Radio ist der Schnupperkanal für die große Jazzwelt von Ella", sagt Dunk.

Der Radiosender lädt Menschen ein, diese Musik kennenzulernen. Dabei bleibt Dunk realistisch: "Es wäre vermessen zu glauben, dass ein kleiner Radiosender Dinge verändert."

Doch "Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt."

Wer in die Welt des Jazz, Soul und Blues eintauchen möchte, findet das Ella Radio auf der UKW-Frequenz 91,0 MHz in Berlin und auf 90,7 in Potsdam.

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