Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat das Kommando Spezialkräfte - kurz KSK - in Calw in Baden-Württemberg besucht. Der KSK-Brigadegeneral sprach beim Besuch vor allem über die von Russland ausgehende Gefahr.
"Russland wird auf absehbare Zeit die größte Bedrohung für Frieden und Sicherheit im euroatlantischen Raum bleiben." Das sagt Brigadegeneral Andreas Kühne beim Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (65) beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw in Baden-Württemberg. Der 55-jährige Kühne ist seit dem vergangenen Oktober Kommandeur des Kommando Spezialkräfte. Etwa 1.500 Soldaten und Soldatinnen gehören zu dieser Elitetruppe.
Wie wichtig das KSK ist, zeigt sich auch daran, dass Deutschlands beliebtester Politiker Pistorius schon zum zweiten Mal seit Beginn seiner Amtszeit nach Calw kommt. Der SPD-Verteidigungsminister zeigte sich beeindruckt vom Kommando Spezialkräfte wie beim "hochprofessionellen Einsatz 2023 in Sudan". Die zentrale Aufgabe sei jetzt die Landesverteidigung, sagte Pistorius und betonte die Innovationsfähigkeit der Eliteeinheit.
Doch mit welchen konkreten Aktionen das Kommando Spezialkräfte gegen die von Russland ausgehende Bedrohung kämpft, das teilt auch der Verteidigungsminister nicht mit. Er dankte Brigadegeneral Kühne für die Gespräche hinter verschlossenen Türen.
Der hybride Krieg, den Russlands Präsident Wladimir Putin auch gegen Deutschland führt, zeigt sich vor allem in Form von Drohnenüberflügen oder Sabotageakten.
Bei den Einsätzen des KSK handelt es sich im Wesentlichen um offensive und verdeckte Operationen an vorderster Front und in einem gefährlichen Umfeld, die der Geheimhaltung unterliegen. So waren Soldaten und Soldatinnen der KSK nach der Machtübernahme der Taliban 2021 in Kabul an den teilweise chaotischen Evakuierungsflügen aus Afghanistan beteiligt.
"Jederzeit, weltweit und in allen Klimazonen einsatzbereit"
Der Brigadegeneral verweist auf das Motto der Eliteeinheit: "Jederzeit, weltweit und in allen Klimazonen einsatzbereit zu sein". Aber es gelte "auch Antworten auf neue Formen der Kriegsführung zu haben", betont Kühne.
Besonders attraktiv bei jungen Leuten ist der Einsatz an der Ostflanke der NATO bisher offenbar nicht. So hat die Bundeswehr Mühe, genügend Freiwillige für die deutsche Brigade in Litauen zu finden.
Und beim Kommando Spezialkräfte, dessen Mitglieder auch im Ausland aus- und weitergebildet werden, ist die Auswahl besonders streng. Schon seit Jahren gibt es Nachwuchsprobleme bei der Rekrutierung geeigneter Soldaten und Soldatinnen.
Das KSK erklärt die anspruchsvolle drei Jahre dauernde Ausbildung seiner Mitglieder in einem YouTube-Video.
Was sind die Aufgaben des KSK?
Wie auf der Internetseite der Bundeswehr zu erfahren ist, sammelt das KSK "Schlüsselinformationen für die strategische und operative Führungsebene".
Es soll "Hochwertziele mit operativer oder strategischer Bedeutung direkt oder indirekt bekämpfen".
Und es gehört zu seinen Aufgaben, deutsche Staatsangehörige im Ausland aus Gefangenschaft, terroristischer Bedrohung oder Geiselhaft zu befreien.
Es kann aber auch Zielpersonen im Rahmen internationaler Einsätze festsetzen und soll ausländische Eliteeinheiten ausbilden.
Rechtsextremismus in der Bundeswehr bekämpfen
In die Kritik geraten waren Soldaten des KSK wegen rechtsextremistischer Aktivitäten. Die damalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer löste 2019 wegen dieses Skandals eine ganze Kompanie auf. In seiner Rede in Calw erwähnte Pistorius den Vorfall. Die neue Führung des KSK habe bewiesen, dass die nötigen Konsequenzen gezogen worden seien.
Zuletzt machten die Fallschirmjäger in Zweibrücken wegen Rechtsextremismus, sexuellem Fehlverhalten und Drogenkonsum Schlagzeilen. Dazu sagt Boris Pistorius, ein solches Verhalten widerspreche allem, wofür die Bundeswehr stehe.