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Weiter Fangbeschränkungen: Ostsee muss geschützt werden

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Weiter Fangbeschränkungen: Ostsee muss geschützt werden
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Von Denis Loctier  & Sabine Sans

Trotz der allmählichen Erholung europäischer Länder von der Pandemie haben sich die Hoffnungen der Ostseefischerei auf ein rentableres Jahr 2022 erneut zerschlagen: Für viele bleiben die Fangmöglichkeiten aufgrund der anhaltenden Krise zahlreicher Fischbestände in der Ostsee äußerst begrenzt.

Obwohl sich die Lage bei einigen Arten leicht zu verbessern scheint, hat die Europäische Kommission auf der Grundlage des wissenschaftlichen Gutachtens des internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) vorgeschlagen, viele der bestehenden Fangbeschränkungen für so wichtige Arten wie den Dorsch - insbesondere für seine östliche Variante in der Ostsee - zu verlängern.

Die Beschränkungen wurden verschärft, nachdem Wissenschaftler 2019 zu dem Schluss gekommen waren, dass der Zustand der Fischbestände in der Ostsee viel schlechter ist als bisher angenommen - und das, obwohl sich die Fischer seit vielen Jahren bemühen, die Fischerei auf ein nachhaltiges Maß zu begrenzen. Nach Ansicht der Experten ist der Rückgang der Fischbestände auf den allgemein schlechten ökologischen Zustand der Ostsee zurückzuführen, der durch starke Verschmutzung, Sauerstoffmangel, den Klimawandel, die Ausbreitung von Parasiten und Raubtieren und andere Faktoren verursacht wird. Es gibt keine offensichtliche Alternative zu weiteren Fischereibeschränkungen - aber für viele Fischereibetriebe, fischverarbeitende Unternehmen und andere Organisationen des Sektors ist das ein neuer Rückschlag für die Geschäftsaussichten.

Euronews hat den EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei, Virginijus Sinkevičius, dazu interviewt:

"In unserem Programm 'Ocean' haben wir polnische Fischer, Fischverarbeiter und Schiffsbauer getroffen, die aufgrund des Fischereiverbots in der Ostsee zunehmend ihre Arbeit verlieren", so euronews-Reporter Denis Loctier. "Gibt es Hoffnung, dass sich die Situation in absehbarer Zeit verbessert?"

Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei:

"Auf jeden Fall. Aber wir müssen Maßnahmen ergreifen - Maßnahmen, die natürlich nicht nur die Umweltauswirkungen, sondern auch die sozioökonomischen Auswirkungen berücksichtigen. Wir müssen einen Weg finden, wie wir unserer Gemeinschaft, den Fischern, den Frauen und auch den Verarbeitern entlang der Versorgungskette helfen können, im Geschäft zu bleiben oder es zu erhalten. Manche Entscheidungen sind schmerzhaft. Als uns Wissenschaftler vor dem Kollaps des Dorschbestands in der Ostsee warnten, mussten wir Maßnahmen ergreifen. Aber ich freue mich darüber, dass sich einige Bestände tatsächlich erholen. Und schon auf der kommenden Ratstagung wird es positive Nachrichten geben. Leider sind einige Bestände nach wie vor bedroht. Darum müssen wir uns kümmern. Denn wenn dieser Ort, die biologische Vielfalt und die Ökosysteme hier voll funktionieren, wenn wir Fischbestände haben, die sich erholen, dann haben wir mehr Arbeitsplätze für Fischer und Frauen. Wir werden bessere Quoten haben, die wir verteilen können. Aber zuallererst beginnt alles damit, dass dieser Lebensraum in Frieden lebt und gut gepflegt wird."