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Grüne EU-Hilfsgelder für Skitourismus? Spanische Umweltschützer schlagen Alarm

Skifahren in den Pyrenäen? Angesichts des Klimawandels immer umstrittener.
Skifahren in den Pyrenäen? Angesichts des Klimawandels immer umstrittener. Copyright AP Photo
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Von Euronews mit AP
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Mithilfe des Corona-Wiederaufbaufonds sollten die EU-Länder krisenfester und grüner werden. Doch spanische Umweltschützer schlagen Alarm: Die Gelder sollen teils in umstrittene Skiprojekte in den Pyrenäen fließen.

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In der Corona-Pandemie hat Brüssel entschlossen, die Wirtschaft der EU mit 750 Milliarden Euro wieder aufzupäppeln. Spanien stehen daraus 140 Milliarden Euro zu, gut die Hälfte davon als Zuschüsse, die andere als rückzahlbares Darlehen. 

Mithilfe des Wiederaufbaufonds sollen die EU-Länder krisenfester, digitaler und grüner werden. Doch spanische Umweltschützer schlagen jetzt Alarm.

Grüne EU-Gelder für Skitourismus?

Sie warnen, dass Spanien 26,4 Millionen Euro aus dem "grünen" Konjunkturprogramm in zwei Skigebiete in den Pyrenäen stecken will. Eine Region, in der die Folgen des Klimawandels schon jetzt deutlich zu spüren sind.

Fünf Aktivistengruppen schickten vor einigen Tagen eine Delegation zu Gesprächen mit EU-Beamten nach Brüssel. Sie fordern eine genauere Prüfung des Projekts, das ihrer Meinung nach dem Gletschertal des Canal Roya in der Region Aragonien irreversible Schäden zufügen wird.

Das milliardenschwere Covid-Konjunkturprogramm der EU soll die Mitgliedstaaten eigentlich dabei unterstützen, eine "grünere, digitalere und widerstandsfähigere Zukunft" zu schaffen, mit strengen Regeln für die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, den Wasserverbrauch und die Kohlenstoffemissionen.

Die Aktivistinnen und Aktivisten argumentieren, dass eine neue acht Kilometer lange Seilbahn zwischen den beiden Urlaubsorten Astún-Candanchú und Formigal gegen diese Bedingungen verstößt. Der Plan wurde im Dezember vom spanischen Tourismusministerium genehmigt.

"Das ist eine Region mit einer sehr großen biologischen Vielfalt. Eine Art grüner Korridor für eine ganze Reihe von Tierarten wie dem Bartgeier oder anderer für die Region charakteristischer Flora und Fauna", sagt Marina Gros, Sprecherin von „Ecologists in Action“.

Gros kritisierte die „Intransparenz“ der Regionalregierung von Aragonien bei der Verwaltung der EU-Mittel. Und die spanische Zentralregierung in Madrid sei „heuchlerisch“, da sie das Projekt genehmigt habe – sich aber gleichzeitig immer wieder damit brüste, wie umweltfreundlich sie sei.

"Diese Mittel – angeblich für nachhaltigen Tourismus – fließen zu mehr als 80 Prozent in nur vier Schneetourismus-Projekte in Aragonien", sagt die Umweltschützerin.

Skifahren in Südeuropa – wie lange noch?

Nach dem erfolglosen Versuch, das Projekt auf nationaler Ebene zu stoppen, hat sich „Ecologists in Action“ mit Gruppen wie Greenpeace und WWF zusammengetan. Ihr Ziel: Das Problem direkt mit den Geldgebern in Brüssel angehen.

Bei einer Petition zum Stopp des Seilbahnprojekts kamen schon fast 50.000 Unterschriften auf der Website "Change.org" zusammen.

Kritiker argumentieren, dass Skifahren in dem sich rasch erwärmenden Gebirge weder finanziell noch ökologisch nachhaltig ist.

Viele Skigebiete beziehen ihr Wasser aus nahegelegenen Bächen oder Stauseen und verwenden Druckluft und Strom, um den Schnee auf den Pisten aufzutürmen, wenn es kalt ist.

Spanische Wissenschaftler warnten bereits im Jahr 2021, dass die Gletscher der Pyrenäen aufgrund des Klimawandels in den nächsten zwei Jahrzehnten wahrscheinlich zu kleinen Eisflächen schrumpfen werden.

In dem Gebirge ist die Temperatur seit dem 19. Jahrhundert um insgesamt 1,5 Grad Celsius angestiegen. Das ist höher als der Durchschnitt.

Spanien gehört zu den EU-Länder, die am meisten von den Mitteln aus dem EU-Wiederaufbaufonds profitieren.

Der Europäische Rechnungshof warnte zuletzt vor unzureichenden Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen bei der Verwendung der 750 Milliarden Euro aus dem Pandemie-Wiederaufbaufonds durch die EU-Mitgliedstaaten.

Eine Delegation des EU-Parlaments forderte die Regierung in Madrid bereits im Februar auf, die Mittel transparenter und flexibler zu verwend

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