Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Mehr Mikroplastik im ländlichen Wald als in der Innenstadt: Experten warnen vor Gesundheitsrisiken

Archivfoto vom 19. Mai 2010. Ein blaues, rechteckiges Stück Mikroplastik liegt auf dem Finger eines Forschers der University of Washington Tacoma.
Dieses Archivfoto vom 19. Mai 2010 zeigt ein blaues, rechteckiges Mikroplastikstück auf dem Finger eines Forschenden der University of Washington-Tacoma. Copyright  Ted S. Warren/Copyright 2010 The AP. All rights reserved.
Copyright Ted S. Warren/Copyright 2010 The AP. All rights reserved.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Forschende entdeckten zudem enorme Mengen an Mikroplastik in der Stadtluft. Die gemessenen Werte liegen weit über früheren Schätzungen.

Mikroplastik dringt in Grünflächen vor, die oft als Rückzugsorte vor verschmutzten Städten gelten. Fachleute schlagen wegen „potenzieller Gesundheitsrisiken“ Alarm.

Neue Forschung der Universität Leeds warnt: In ländlichen Gebieten finden sich mehr winzige Plastikteilchen als in Städten. Bäume und andere Vegetation fangen Mikroplastikpartikel aus der Luft ab und lagern sie in Wäldern ab.

Veröffentlicht in der Fachzeitschrift Environmental Pollution, lief die Studie drei Monate. In einem Waldgebiet fanden die Forschenden bis zu 500 mikroskopische Plastikpartikel pro Quadratmeter und Tag, fast doppelt so viele wie in einem großen Stadtzentrum.

Warum Wälder zunehmend von Mikroplastik durchsetzt sind

Das Team untersuchte Mikroplastik an drei Orten in Oxfordshire, England. Dazu gehörten ein ländlicher Wald, eine Vorstadt und die Stadt Oxford.

Von Mai bis Juli (2023) nahm das Team alle zwei bis drei Tage Proben. Zum Einsatz kam ein hochauflösendes Spektroskop, das misst, wie Materialien im Infrarotbereich Licht absorbieren. So ließ sich genau bestimmen, woraus die Partikel bestehen.

Im Verlauf der drei Monate fanden sie 21 verschiedene Kunststoffarten in vier Größenklassen. Einige waren nur 25 bis 50 Mikrometer groß (ein Tausendstel Millimeter), also so groß wie größere Bakterien und kleiner als ein Pollen- oder Sandkorn.

Bis zu 99 Prozent der Partikel waren so klein, dass das menschliche Auge sie nicht erkennen kann.

Die Wytham Woods verzeichneten die höchste Gesamtzahl an Partikeln. Oxford City wies die größte Vielfalt an Partikeltypen auf.

Im ländlichen Wald bestand der Großteil der gefundenen Partikel aus Polyethylenterephthalat. Besser bekannt als PET: Dieser Kunststoff steckt häufig in Kleidung und in Küchenartikeln wie Lebensmittelbehältern.

In der Vorstadt fanden die Forschenden vor allem Polyethylen, das etwa für Tragetaschen verwendet wird. In Oxford City dominierte Ethylenvinylalkohol, ein Polymer, das weit verbreitet ist: in mehrlagigen Lebensmittelverpackungen, Bauteilen von Kraftstoffsystemen in Autos und in Industriefolien.

„Unsere Forschung zeigt: Ländliche Regionen sind nicht automatisch vor luftgetragenem Mikroplastik sicher. Und sie macht deutlich, wie natürliche Elemente wie Bäume die Verteilung der Verschmutzung beeinflussen“, sagt Gbotemi Adediran, Dozent für Geochemie der Erdoberfläche und leitender Wissenschaftler der Studie.

„Die allgegenwärtige Präsenz kleinerer Mikroplastikpartikel weckt Sorgen über mögliche Gesundheitsrisiken durch Einatmen, unabhängig davon, ob Menschen in der Stadt oder in einem Dorf auf dem Land leben.“

Wie verbreiten sich Mikroplastikpartikel?

Frühere Studien zeigen: Mikroplastik kann wochenlang in der Luft schweben. Die kleinsten Partikel schaffen Tausende Kilometer.

Das Wetter beeinflusst diese Bewegung stark. Bei Wind lagerten sich mehr Partikel ab. Regen reduzierte die Menge, dafür waren die eingesammelten Partikel größer.

Eine neue Studie in Science Advances zeigt zudem: Straßenstaub trägt maßgeblich dazu bei, diese Partikel durch die Atmosphäre zu transportieren, nachdem Forschende „enorme“ Mengen an Mikro- und Nanoplastik in der Luft nachgewiesen hatten.

Erstmals konnten sie Nanoplastik in der Luft bis hinunter zu 200 Nanometern nachweisen. Möglich machte das eine neue Methode, die Kunststoffpartikel in der Atmosphäre quantifiziert.

Die Methode verfolgt zudem, wie Kunststoffe zwischen verschiedenen Umweltpfaden wechseln, etwa als luftgetragene Partikel, Staubniederschlag, Regen, Schnee oder durch das erneute Aufwirbeln von Staub.

Forschende vom Institute of Earth Environment der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (IEECAS) setzten die Technik in zwei chinesischen Städten ein und stellten deutlich höhere Konzentrationen fest als bisher berichtet. Das unterstreicht, wie allgegenwärtig Mikroplastik inzwischen ist. Selbst die Luft um uns herum bleibt nicht verschont.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Studie warnt: Kognitive Verzerrung bei Europäern bremst Klimaschutz

Bergbau, Klima, Nebelkerzen: Was treibt Trumps Interesse an Grönland?

Warum Forschende warnen: Prudhoe-Eiskuppel in Grönland droht erneut zu schmelzen