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In China boomen Wind und Sonne – trotzdem entstehen immer mehr Kohlekraftwerke

Ein Kraftwerk nahe Shenyang in der nordwestchinesischen Provinz Liaoning, aufgenommen am dritten Januar zweitausendsechsundzwanzig.
Ein Kraftwerk nahe Shenyang in der nordwestchinesischen Provinz Liaoning, aufgenommen am dritten Januar 2026. Copyright  AP Photo/Ng Han Guan
Copyright AP Photo/Ng Han Guan
Von Ken Moritsugu mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Im Jahr 2025 gingen weltweit mehr als fünfzig große Kohlekraftwerksblöcke neu ans Netz. Zuvor waren es im Schnitt pro Jahr weniger als zwanzig gewesen.

China hat 2025 seine Kapazitäten bei Solar- und Windkraft rasant ausgebaut. Gleichzeitig nahm der asiatische Riese jedoch deutlich mehr Kohlekraftwerke in Betrieb als in den Vorjahren – und schürt damit die Sorge, ob der weltweit größte Emittent seine CO2-Emissionen genug senkt, um den Klimawandel zu begrenzen.

Laut einem am 3. Februar veröffentlichten Forschungsbericht gingen 2025 mehr als 50 große Kohleeinheiten ans Netz. Dabei handelt es sich um einzelne Kessel- und Turbinensätze mit einer Leistung von mindestens einem Gigawatt. In den zehn Jahren zuvor waren es pro Jahr jeweils weniger als 20. Ein Gigawatt kann je nach Verbrauch mehrere Hunderttausend bis über zwei Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

Insgesamt schaltete China im vergangenen Jahr 78 Gigawatt neuer Kohlekraftkapazität zu – ein deutlicher Sprung im Vergleich zu den Vorjahren. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Centre for Research on Energy and Clean Air, das die Auswirkungen von Luftverschmutzung untersucht, und von Global Energy Monitor hervor, das Energiedatenbanken erstellt.

„Das Ausmaß dieses Ausbaus ist enorm“, sagt Mitautorin Christine Shearer von Global Energy Monitor. „Allein 2025 hat China mehr Kohlekraftkapazität in Betrieb genommen als Indien im gesamten vergangenen Jahrzehnt.“

Parallel dazu legten neue Kapazitäten bei Windkraft und Solarenergie noch stärker zu. Dadurch sank der Anteil von Kohle an der gesamten Stromerzeugung leicht. Die Stromproduktion aus Kohle ging um rund ein Prozent zurück, weil der steigende Strombedarf vollständig durch sauberere Energiequellen gedeckt wurde.

Nach Angaben der staatlichen Nationalen Energiebehörde kamen 2025 in China 315 Gigawatt an Solarkapazität und 119 Gigawatt Windkraft hinzu.

Windräder sind am 3. Januar 2026 aus einem Zug von Peking nach Shenyang im Nordwesten Chinas zu sehen.
Windräder sind am 3. Januar 2026 aus einem Zug von Peking nach Shenyang im Nordwesten Chinas zu sehen. AP Photo/Ng Han Guan

Blackouts 2021 und 2022 lösten Chinas Kohlekraftwerks-Bauboom aus

Der massive Ausbau von Wind- und Solarenergie wirft eine Frage auf: Warum baut China trotzdem weiter Kohlekraftwerke – und nach Ansicht vieler Analysen deutlich mehr, als das Land überhaupt braucht?

Die Antwort ist kompliziert.

China steht wirtschaftlich früher in der Entwicklung als die Vereinigten Staaten oder Europa und benötigt daher mehr Energie, um weiter zu wachsen. Steigen mehr der 1,4 Milliarden Einwohner in die Mittelschicht auf, können sich auch mehr Menschen Klimaanlagen und Waschmaschinen leisten.

Zugleich hält Strom Chinas Fabriken am Laufen. Er deckt auch den hohen Energiebedarf von Künstlicher Intelligenz, die die Regierung zu einer Priorität erklärt hat, um das Land technologisch an die Spitze zu bringen.

Stromknappheiten in Teilen Chinas in den Jahren 2021 und 2022 verstärkten die ohnehin lange bestehenden Sorgen um die Energiesicherheit. Einige Fabriken stoppten zeitweise ihre Produktion, eine Stadt führte rollierende Stromabschaltungen ein.

Die Regierung reagierte mit einem klaren Signal: Sie wollte mehr Kohlekraftwerke. Daraufhin schnellten die Anträge und Genehmigungen für neue Anlagen in die Höhe.

Diese Welle in den Jahren 2022 und 2023 sorgte im vergangenen Jahr für den kräftigen Kapazitätszuwachs, als die neuen Blöcke ans Netz gingen, erklärt Qi Qin, Analystin beim Centre for Research on Energy and Clean Air und Mitautorin des Berichts. „Sind die Genehmigungen einmal erteilt, lassen sich die Projekte nur schwer stoppen“, sagt sie.

Laut Bericht begann im vergangenen Jahr zudem der Bau weiterer 83 Gigawatt an Kohlekraft. Das deutet darauf hin, dass auch in diesem Jahr viel neue Kapazität ans Netz gehen könnte.

Zu viel Kohlekraft könnte den Umstieg auf Wind und Sonne bremsen

Die Regierung argumentiert, Kohle liefere eine stabile Reserve für Quellen wie Wind- und Solarenergie, die vom Wetter und von der Tageszeit abhängen. Die Engpässe im Jahr 2022 gingen zum Teil auf eine Dürre zurück, die die Wasserkraft schwächte – eine wichtige Energiequelle im Westen Chinas.

Kohle solle „auf Jahre hinaus eine wichtige stützende und ausgleichende Rolle“ spielen, heißt es in Leitlinien der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, der führenden Wirtschaftsplanungsbehörde. Das Dokument von vergangenem Jahr soll Kohlekraftwerke sauberer und effizienter machen.

Die China Coal Transportation and Distribution Association, ein Branchenverband, erklärte vergangene Woche, kohlebasierte Stromerzeugung bleibe für die Stabilität des Stromsystems unverzichtbar, selbst wenn andere Energiequellen ihren Platz zunehmend einnehmen.

Das Risiko eines so massiven Ausbaus von Kohlekraft besteht nach Qins Einschätzung darin, dass er den Übergang zu saubereren Energiequellen verzögern könnte. Politischer und finanzieller Druck werde dafür sorgen, dass die Anlagen weiterlaufen und damit weniger Raum für andere Formen der Stromerzeugung bleibt, warnt sie.

Der Bericht fordert China auf, alte und ineffiziente Kohlekraftwerke schneller stillzulegen. Im nächsten Fünfjahresplan, der im März verabschiedet werden soll, solle sich die Regierung zudem verpflichten, die Emissionen des Stromsektors zwischen 2025 und 2030 nicht weiter steigen zu lassen.

„Ob der Ausbau der Kohlekraft in China letztlich zu höheren Emissionen führt, hängt davon ab, ob die Rolle der Kohle wirklich auf Reserve- und Unterstützungsfunktionen begrenzt bleibt – oder ob sie weiterhin als Grundlast dient“, sagt Qin.

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