Die Ukraine gewinnt ihren ersten Oscar für die Kriegsdoku "20 Tage in Mariupol"

Regisseur Mstyslav Chernov hält seinen Oscar neben Cillian Murphy
Regisseur Mstyslav Chernov hält seinen Oscar neben Cillian Murphy Copyright John Locher/John Locher/Invision/AP
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Von AP mit Euronews
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

"20 Tage in Mariupol" - Kriegsdoku aus der Ukraine gewinnt Oscar als bester Dokumentarfilm.

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Er ist der erste Oscar in der ukrainischen Geschichte. Doch während "20 Tage in Mariupol" über die russische Belagerung der ukrainischen Hafenstadt in Los Angeles als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, geht der Krieg in der Ukraine weiter.

Hoffen auf mehr Aufmerksamkeit für Krieg

"Dies ist der erste Oscar in der ukrainischen Geschichte, und ich fühle mich sehr geehrt", sagte Tschernow sichtlich gerührt. "Wahrscheinlich bin ich der erste Regisseur auf dieser Bühne, der sagt, ich wünschte, ich hätte diesen Film nie gemacht, ich wünschte, ich könnte ihn dafür eintauschen, dass Russland die Ukraine nie angegriffen hätte."

Vor Ort in Kiew hoffen die Menschen, dass der Preis dem Konflikt in ihrem Land international wieder mehr Aufmerksamkeit verschafft. 

"Ich hoffe, dass dieser Preis den US-Kongress dazu bewegen wird, endlich die dringend benötigte Militärhilfe für die Ukraine zu bewilligen, damit wir uns verteidigen und unser Land und Volk zurückerobern können", sagt der Büroangestellte Oleksii Kurka der Nachrichtenagentur AP.

„Jeder sollte diesen Film sehen und verstehen, was wirklich passiert. Wie viele Menschen sterben, wie viele bleiben ohne Zuhause, ohne Kinder, ohne Eltern. Unsere Kinder, unsere Ehemänner, unsere Brüder sterben. Die Welt muss das wissen, “, meint Svitlana, eine 52-jährige Haushälterin.

Erschütternde, bleibende Bilder des Kriegs

"20 Tage in Mariupol" ist der erschütternder Bericht eines Teams der Nachrichtenagentur AP über die Anfänge der russischen Invasion in der Ukraine 2022.

Die Film erhielt im vergangenen Jahr zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Pulitzer-Preis in der Kategorie Dienst an der Öffentlichkeit.

In der gemeinsamen Produktion der Nachrichtenagentur AP und des Programms "Frontline" des US-Senders PBS berichtet der ukrainische Video-Journalist Mstyslaw Tschernow über die Belagerung der Hafenstadt Mariupol durch Russlands Angriffstruppen.

Ein AP-Team, bestehend aus Tschernow, dem Fotografen Jewgeni Maloletka und der Produzentin Wasilisa Stepanenko, war eine Stunde vor Beginn der russischen Bombardierung in der Hafenstadt angekommen. Zwei Wochen später waren sie die letzten verbliebenen Journalisten, die für ein internationales Magazin aus der Stadt berichteten.

Unter großer persönlicher Gefahr dokumentierten sie die dramatischen Folgen für die Zivilisten und fingen bleibende Bilder des Krieges ein

Während sie dort drehten, fotografierten und recherchierten, wurden sie mit unterschiedlichen Reaktionen der Bevölkerung konfrontiert. Einige dankten den Journalisten dafür, dass sie ihre Arbeit machten. Andere nannten sie Prostituierte. Ärzte forderten sie auf, verletzte und tote Kinder zu filmen, um der Welt zu zeigen, was dort geschehe.

Trophäen gab es am Sonntagabend (Ortszeit) auch für die an "20 Tage in Mariupol" beteiligten Produzentinnen Michelle Mizner und Raney Aronson-Rath.

Der Oscar - und die vorangegangene Nominierung - waren eine Premiere für Tschernow, und die seit 178 Jahren bestehende Nachrichtenagentur AP. Für die PBS-Sendung "Frontline" war es die dritte Oscar-Nominierung und der erste Gewinn.

Selenskyj dankt Filmemachern

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Machern des Films "20 Tage in Mariupol" seinen Dank ausgesprochen. Selenskyj sagte, die Auszeichnung sei "wichtig für unser ganzes Land". Die Zahl der Opfer des russischen Angriffs auf Mariupol bleibe unbekannt, aber Satellitenbilder zeigten Tausende und Abertausende von Gräbern.

Das Grauen von Mariupol dürfe niemals vergessen werden, so Selenskyj. "Die ganze Welt muss sehen und sich daran erinnern, was die unmenschliche russische Invasion über unser Volk gebracht hat. Städte und Dörfer wurden zerstört, Häuser wurden niedergebrannt und ganze Familien wurden durch russische Granaten getötet und in ihren eigenen Hinterhöfen begraben."

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow lehnte eine Stellungnahme zu «20 Tage in Mariupol» am Montag ab. Er habe nichts zu kommentieren, sagte er.

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