"Impf-Apartheid", eine Schande - UNO sieht Impfgerechtigkeit in Gefahr

"Impf-Apartheid", eine Schande - UNO sieht Impfgerechtigkeit in Gefahr
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Von Jack Parrock
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Eine globale Impfallianz, COVAX, gegründet, um Impfstoffe für arme Länder bereitzustellen, kommt nicht richtig aus den Startlöchern. Ein Problem ist, dass sich derzeit die reichen Länder um die Impfstoffe streiten.

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Eine globale Impfallianz, COVAX, gegründet, um Impfstoffe für arme Länder bereitzustellen, kommt nicht richtig aus den Startlöchern. Ein Problem ist, dass sich derzeit die reichen Länder um die Impfstoffe streiten. Beispiel Südafrika. Das Land zahlt 4,32 Euro pro Dosis des AstraZeneca-Impfstoffes - zweieinhalb Mal mehr als EU-Staaten.

Das Ganze sei Impf-Apartheid, eine Diskriminierung, klagt die Direktorin des UN-AIDS-Programms, Winnie Byanyima. Während sich die reichen Ländern untereinander über die Verteilungsschlüssel stritten, säßen arme Staaten da und guckten zu - es sei eine Schande.

COVAX ist eine Allianz aus Weltgesundheitsorganisation, einigen Einzelstaaten und der Gates-Stiftung. Bislang steht ihr 1,6 Milliarden Euro zur Verfügung. Die größten Spender sind Großbritannien und Kanada. Von der EU kamen knapp 100 Millionen Euro. Insgesamt verfügt COVAX über 33 Großsspender und eine Vielzahl kleinerer Geber.

Unter Trump verweigerten sich die USA der Zusammenarbeit, doch die Biden-Administration ist nun mit von der Partie und kündigte bereits an, sich mit 3,3 Milliarden Euro zu beteiligen. COVAX benötigt rund 30 Milliarden Euro für die zwei Milliarden Dosen, die die Allianz bei fünf Impfstoff-Herstellern bestellt hat.

Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor Hindernissen ihres Plans, bis zum Jahresende alle bestellten Impfdosen in 92 Ländern zu verabreichen. Bilaterale Deals zwischen Staaten ujnd Unternehmen stellten für das COVAX-Versprechen ein Risiko dar, so WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus. Bisher hätten 56 solcher Deals den Markt zersplittert und die Welt in einen preistreibenden Wettbewerb gestürzt.

Auch die EU befürchtet, ihr Ziel, 70 Prozent der Bevölkerung bis zum Sommer zu impfen, nicht einhalten zu können. Und Regierungen, die Impfforschung finanziert haben, impfen ihre Bevölkerung als erste.

Die Kritik an COVAX als Kolonialinstrument sei naiv, so Jacob Kirkegaard vom German Marshall Fund. Denn die Alternative sei, dass einige Länder niemals eine angemessene Menge an Impfstoffen bekämen.

Um eine globale Herdenimmunität zu erreichen, müssen 70 Prozent der Bevlkerung geimpft werden. COVAX kann bestenfalls eine von acht Milliarden Menschen impfen.

Journalist • Stefan Grobe

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