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Die Italiener gehen wählen - aber wie?

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Von Stefan Grobe  & Jorge Liboreiro
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Die Abgeordnetenkammer in Rom
Die Abgeordnetenkammer in Rom   -   Copyright  Andrew Medichini/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved

Die Italiener gehen zu den Urnen, um ihr nächstes Parlament zu wählen, das wiederum einen neuen Ministerpräsidenten bestimmen wird. Aber die Dinge sind nicht so einfach, wie sie scheinen …

Italiens Wahl kombiniert eigentlich zwei unterschiedliche Systeme – in einem einzigen Wahlgang.

Werfen wir einen Blick auf die Abgeordnetenkammer.

Insgesamt wird die Kammer 400 Sitze haben. 245 Sitze werden durch Verhältniswahl vergeben, 147 Sitze nach dem Pluralitätsprinzip in einzelnen Wahlkreisen. Die restlichen acht werden von im Ausland lebenden Italienern ebenfalls nach Verhältniswahl verteilt.

Die 245 proportionalen Sitze werden den Parteilisten nach ihrem Gesamtstimmenanteil auf nationaler Ebene zugeteilt. Diese Verteilung ähnelt den Wahlsystemen, die existieren in den meisten europäischen Ländern existieren, einschließlich Spanien, Schweden und Belgien.

Gleichzeitig werden 147 Sitze über ein Pluralitätssystem vergeben. Das bedeutet, dass der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält, den Sitz gewinnt, selbst wenn der Abstand zum nächsten Konkurrenten gering ist. Mit anderen Worten: Der Gewinner bekommt alles.

Dieses System ist in den meisten englischsprachigen Ländern wie dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten üblich und wurde oft dafür kritisiert, unverhältnismäßige Mehrheiten zu schaffen.

Wie funktioniert das alles in der Praxis?

Wenn die Wähler zu den Urnen gehen, finden sie einen einzigartigen Stimmzettel mit den Namen der Kandidaten und der Parteien, die sie unterstützen. Wähler können den Namen des Kandidaten, den Namen der Partei oder beides gleichzeitig markieren. Da das System parallel funktioniert, zählt jede Stimme sowohl für die proportionalen als auch für die Mehrheitsmandate.

Italiens Wahlgesetz wurde von Ettore Rosato, einem liberalen Abgeordneten, entworfen und ist heute als Rosatellum bekannt.

Das duale System sollte Koalitionen begünstigen, Einzelparteien benachteiligen und eine Verhandlungs- und Konsenskultur pflegen. Aber es war nicht in der Lage, Italiens langjähriges Problem der politischen Instabilität und der internen Kämpfe zu entschärfen.

Seit den letzten Wahlen im Jahr 2018 hatte Italien drei verschiedene Regierungen: zwei unter Giuseppe Conte und eine unter Mario Draghi. Alle von ihnen zerbrachen vor dem gesetzlichen Mandatsende.

Die nächste Regierung wird Italiens vierte sein … in weniger als fünf Jahren.