In welchem Land in Europa ist das Rentenalter am höchsten und wo am niedrigsten?

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Von Servet Yanatma
Das Alter mit dem man in EU-Ländern in die Rente geht schwankt erheblich. Ein Vergleich mit Zahlen aus dem Jahr 2020.
Das Alter mit dem man in EU-Ländern in die Rente geht schwankt erheblich. Ein Vergleich mit Zahlen aus dem Jahr 2020.   -   Copyright  Charly TRIBALLEAU / AFP

Die französische Regierung hat am Dienstag ihre Rentenreform vorgestellt, die eine Anhebung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahre bis 2030 vorsieht.

Premierministerin Elisabeth Borne erläuterte ihre Pläne, durch die Französinnen und Franzosen länger arbeiten müssen. Für eine volle Rente wird die erforderliche Beitragszeit auf volle 43 Jahre angehoben.

Diese Regelung soll 2027 in Kraft treten. Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll ab September jedes Jahr um sechs Monate angehoben werden, so dass es am Ende des Jahrzehnts bei 64 Jahren liegt.

Die Reform stößt auf scharfe Kritik sowohl von rechten als auch linken Parteien, Gewerkschaften und besorgte Bürger:innen befürchten, dass die geplante Änderung vor allem die bereits benachteiligten Gesellschaftsschichten treffen wird. Für den 19. Januar soll es ein Generalstreik geben.

Die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist jedoch nicht nur ein Trend in Frankreich: In den meisten Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird das gesetzliche Renteneintrittsalter steigen.

Welche Länder haben das niedrigste und das höchste Renteneintrittsalter in Europa? Wie viele Jahre verbringt man in Europa voraussichtlich im Ruhestand? Und in welchem Alter scheiden die Europäer:innen tatsächlich aus dem Arbeitsmarkt aus?

Ein Blick auf die verfügbaren Zahlen.

Wie hoch ist das derzeitige Frührenten- bzw. gesetzliche Rentenalter in Europa?

Das gesetzliche Rentenalter wird in den einzelnen Ländern unterschiedlich definiert. Laut dem OECD-Datensatz und dem Bericht "Renten auf einen Blick" gibt es in jedem Land unterschiedliche Praktiken, je nach Rentenart.

In beiden Berichten werden die Zahlen für 2020 verwendet - die neuesten verfügbaren Daten, die das derzeitige und künftige Renteneintrittsalter für Personen analysieren, die im Alter von 22 Jahren in das Erwerbsleben eingetreten sind.

Frührenten vs. gesetzliches Rentenalter in OECD-Ländern

In einigen Fällen enthält der Bericht keine Angaben zum Geschlecht, was bedeutet, dass das Renteneintrittsalter für Männer und Frauen in diesen Ländern womöglich gleich hoch ist.

Es gibt zwei Arten von Renteneintrittsalter: Vorruhestandsalter und Regelaltersgrenze. Für Männer liegt das Vorruhestandsalter dem OECD-Bericht zufolge zwischen 59 Jahren in Litauen und 63,7 Jahren in Deutschland. Für Frauen liegt es zwischen 58 Jahren in Litauen und 63,7 Jahren in Deutschland.

In welchem Alter gehen die Menschen in die Rente?

In Frankreich liegt das derzeitige Vorruhestandsalter sowohl für Männer als auch für Frauen bei 62 Jahren. Im Das Vorruhestandsalter liegt in fast der Hälfte der Länder bei 62 Jahren, darunter Schweden, Portugal, Norwegen, Italien, Griechenland und Österreich.

Das tatsächliche Renteneintrittsalter ist im Vergleich zum Vorruhestandsalter vielseitiger und entspricht weitgehend dem gesetzlichen Renteneintrittsalter. Für Männer reicht es von 52 Jahren in der Türkei bis 67 Jahren in Norwegen und Island.

Für Frauen liegt es in der Türkei bei 49 Jahren, während Norwegen und Island das höchste Renteneintrittsalter von 67 Jahren haben.

Hat Frankreich ein höheres Renteneintrittsalter als der EU-Schnitt?

Der EU-Durchschnitt liegt bei 64,3 Jahren für Männer und 63,5 Jahren für Frauen.

In Frankreich liegt das derzeitige Renteneintrittsalter laut OECD-Datensatz sowohl für Männer als auch für Frauen bei 64,5 Jahren.

Das bedeutet, dass das Renteneintrittsalter in Frankreich etwas höher ist als im EU-Durchschnitt. Es ist aber immer noch niedriger als in einigen anderen Mitgliedstaaten, wie z. B. in Deutschland, wo dieses Alter für Männer und Frauen 65,7 Jahre beträgt.

Aktuelles Rentenalter im Vergleich

Mit Ausnahme der Türkei liegt das derzeitige Mindestrentenalter in ganz Europa bei 62 Jahren für Männer und 60 Jahren für Frauen.

In den meisten europäischen Ländern, für die OECD-Daten vorliegen, liegt das aktuelle Rentenalter bei 65 Jahren oder darüber.

Von den EU-Mitgliedstaaten haben Griechenland, Italien, Luxemburg und Slowenien mit 62 Jahren sowohl für Männer als auch für Frauen das niedrigste aktuelle Renteneintrittsalter.

Erwartete Jahre im Ruhestand erheblich gestiegen?

Die erwarteten Jahre im Ruhestand sind die Lebenserwartung im Alter des tatsächlichen Ausscheidens aus dem Erwerbsleben. Diese Zahl hat sich im Laufe der Zeit deutlich erhöht.

Wegen der gestiegenen Lebenserwartung verbringen die Menschen mehr Jahre im Ruhestand.

Im Jahr 1970 lebten Männer in den OECD-Ländern im Durchschnitt 12,0 Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben, während sie im Jahr 2020 mit 19,5 Jahren im Ruhestand rechnen konnten.

Die Lebenserwartung von Frauen beim Ausscheiden aus dem Erwerbsleben war zu Beginn deutlich höher und lag 1970 im OECD-Durchschnitt bei 16,0 Jahren.

Diese stieg auf 23,8 Jahre im Jahr 2020 - und auch der Abstand zwischen Männern und Frauen hat sich leicht vergrößert.

Frauen werden nach dem Eintritt in den Ruhestand voraussichtlich vier Jahre länger leben als Männer

Der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei den erwarteten Ruhestandsjahren reicht von 2,0 Jahren in Irland bis zu 7,5 Jahren in Zypern.

Bis zum Jahr 2020 können europäische Frauen in der Regel damit rechnen, nach ihrem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben 4,3 Jahre länger zu leben als Männer.

Während der EU-Durchschnitt bei 4,6 Jahren liegt, beträgt der Unterschied zwischen den Geschlechtern in Frankreich insgesamt 3,6 Jahre zu Gunsten der Frauen.

Interessanterweise ist die Lebenserwartung im Ruhestand für die Geschlechter sehr unterschiedlich in Europa. Bei Männern reicht sie von 14 Jahren in Lettland bis zu 24 Jahren in Luxemburg.

Bei den Frauen reicht sie von 18,9 Jahren in Lettland bis 28,4 Jahren in Griechenland. In Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg und Spanien werden die Frauen voraussichtlich 26 Jahre oder mehr im Ruhestand verbringen.

Frankreich unter den drei Spitzenreitern bei den erwarteten Jahren im Ruhestand

Frankreich verzeichnete eine sehr hohe erwartete Lebenserwartung im Ruhestand und rangiert bei den Männern (23,5 Jahre) an zweiter und bei den Frauen (27,1 Jahre) an dritter Stelle auf dem gesamten Kontinent.

Wie hoch wird das künftige Renteneintrittsalter im Jahr 2060 sein?

Renteneinstiegsalter im Jahr 2060

Die OECD schätzt, dass das normale Renteneintrittsalter in den von ihr einbezogenen Ländern bis Mitte der 2060er Jahre im Durchschnitt um etwa zwei Jahre steigen wird.

Dänemark wird mit 74 Jahren sowohl für Männer als auch für Frauen das höchste Renteneintrittsalter haben. In vielen Ländern könnte das künftige tatsächliche Rentenalter bei 65 oder sogar 66 Jahren liegen.

In der EU wird das gesetzliche Renteneintrittsalter im Jahr 2060 voraussichtlich 66,1 Jahre für Männer und 65,9 Jahre für Frauen betragen. In Frankreich wird es für Männer und Frauen im gleichen Zeitraum voraussichtlich die Marke der 66 Jahre erreichen.