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4000 Jahre Weinanbau in Aserbaidschan

4000 Jahre Weinanbau in Aserbaidschan
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Von Monica Pinna

In Aserbaidschan wird seit 4000 Jahren Wein angebaut. Die von Deutschen gegründete Stadt Göygöl ist die Wiege des aserbaidschanischen Weinanbaus. Darum geht es in dieser Folge Explore Aserbaidschan.

Die Wiege des Weinanbaus

Der moderne Weinbau wurde in Göygöl 1860 von deutschen Einwanderern begonnen. Er hat sich stetig weiterentwickelt. Dort liegt das Weinunternehmen OJSC

Das Weinanbaugebiet in Göygöl umfasst über 500 Hektar Rebfläche. Es ist eines der bekanntesten Weingüter in Aserbaidschan. Einige der Rebstöcke haben eine lange Geschichte, erklärt Weinbauer Faiq Huseynov: "Vor der Sowjetzeit wuchsen im 18. und 19. Jahrhundert über 200 Rebsorten in Aserbaidschan. Während der Sowjetzeit wurde der Weinbau im Rahmen der Bekämpfung des Alkoholismus völlig zerstört. Nur 38 Sorten haben das überstanden."

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Weinbauer Faiq Huseynoveuronews

Heute baut das Weingut fünfzehn Rebsorten an, die zumeist aus dem Kaukasus und Europa stammen wie zum Beispiel ein französischer Cabernet Sauvignon. Unter den Rebstöcken gibt es auch zwei der lokalen Sorten: die Rebsorten Madrasa und Bayan Shira, letztere verwendet man für Sekt und trockene Weine.

Weinproduktion für den lokalen und internationalen Verbrauch

Nach der Lese per Hand werden die Trauben zur Verarbeitung in die Hauptanlage gebracht. Rasim Omarov prüft die Qualität genau. Er arbeitet seit 32 Jahren als Chefwinzer auf dem Weingut. 

Dieses Jahr wurden rund 4.500 Tonnen weiße und rote Trauben geerntet. Sie werden zu vielerlei Weinen für den lokalen und internationalen Verbrauch verarbeitet. 

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Der Weinkeller hat eine lange Geschichteeuronews

"In diesem Weinkeller haben wir 152 kleine Fässer aus französischer Eiche für die Weinreifung", erklärt der Leiter der Weinproduktion Rasim Omarov. "Wir stellen Wodka, Brandy, Rot- und Weißwein sowie Sekt her." 

Weintradition geht auf deutsche Siedler zurück

Deutsche Siedler, die Gebrüder Fohrer und Hummel haben das Weingut gegründet. Diese riesigen Fässer werden heute als Erinnerung an diese Zeit aufbewahrt, als Museumsstücke, so Rasim Omarov: "Jedes der 19 Eichenfässer, die Sie hier sehen, fasst 8.000 Liter. Sie dienten der Reifung und der Vorbereitung des Weins für die Abfüllung."

Die deutschen Einwanderer gründeten nicht nur die Weinkultur in der Region, sondern auch die Stadt Göygöl. 

"1817 kamen Deutsche aus Köln hierher", erzählt Rita Ibrahimova, Direktorin des Historischen Museums in Göygöl. "Sie ließen sich in fünf Straßen nieder und gründeten ein Jahr später die Stadt. Damals nannten sie sie Helenendorf."

Deutsche lebten bis 1941 in Aserbaidschan. Nach dem Angriff der Nazis auf die Sowjetunion wurden die Deutschen per Dekret aus Moskau aus dem Kaukasus vertrieben. Das Haus des letzten deutschen Bewohners der Stadt ist erhalten. Viktor Klein gelang es, der Vertreibung zu entgehen, erklärt die Museumsdirektorin: "Viktor Klein lebte von 1935 bis 2008 in diesem Haus. Wie alle Deutschen vor Ort war er ein Weinliebhaber."

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Das Haus von Viktor Kleineuronews

Im Keller des Hauses gibt es eine Traubenpresse, die Viktors Großvater aus Tiflis mitbrachte und Werkzeuge, die von einer langjährigen Familientradition zeugen. 

Die deutsche Gemeinschaft spielte eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Region. Ihr Erbe lebt im Göygöl-Weinunternehmen weiter.