Der 29-jährige Marius Borg Høiby steht in Oslo vor Gericht. Gegen ihn werden 38 Straftaten verhandelt, darunter Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Körperverletzung und Drogenbesitz.
Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit hat am Dienstag vor Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Mit seinem Plädoyer "nicht schuldig" begann ein voraussichtlich mehrere Wochen dauernder Prozess, der Norwegens Königsfamilie erheblich belastet.
Der 29 Jahre alte Marius Borg Høiby ist der älteste Sohn der Kronprinzessin aus einer früheren Beziehung und Stiefsohn von Thronfolger Kronprinz Haakon. Einen Adelstitel oder offizielle Aufgaben hat er nicht.
Vor dem Bezirksgericht in Oslo stand Høiby 24 Minuten lang, während Staatsanwalt Sturla Henriksbø die insgesamt 38 Anklagepunkte verlas. Anschließend wurde er gefragt, ob er sich schuldig bekenne. Høiby wies sämtliche schweren Vorwürfe zurück, darunter auch vier Anklagen wegen Vergewaltigung.
Die Anklageschrift umfasst zudem den Vorwurf von Missbrauch innerhalb einer früheren Partnerschaft, Gewaltdelikte gegen eine weitere Person, Drogenbesitz, Morddrohungen sowie mehrere Verkehrsdelikte.
Høiby räumte mehrere Verkehrsdelikte ein, bekannte sich zudem schuldig eines schweren Drogendelikts sowie eines Verstoßes gegen eine einstweilige Verfügung.
Die Vorwürfe der Bedrohung und schweren Körperverletzung erkannte er nach eigenen Angaben "teilweise" an. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft drohen dem Angeklagten im Fall einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.
Der Prozess, der bis zum 19. März angesetzt ist, soll Aussagen von insgesamt sieben mutmaßlichen Opfern umfassen.
"Vor dem Gesetz gilt Gleichheit", sagte Staatsanwalt Henriksbø im Gerichtssaal. "Der Angeklagte ist der Sohn der Kronprinzessin. Er gehört zur königlichen Familie. Dennoch muss er genauso behandelt werden wie jede andere Person, die wegen derselben Straftaten angeklagt ist."
Die Ermittlungen begannen im Jahr 2024, nachdem Høiby als Verdächtiger in einem mutmaßlichen Übergriff auf eine Frau genannt worden war, mit der er eine Beziehung geführt hatte. Er wurde festgenommen und später wieder auf freien Fuß gesetzt.
In der Folge weitete sich das Verfahren jedoch aus, als sich weitere Frauen meldeten und Vorwürfe gegen ihn erhoben. Die Anklageschrift, die die Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr einreichte, umfasst vier mutmaßliche Vergewaltigungen zwischen 2018 und November 2024.
Zudem geht es um angebliche Gewalt und Drohungen gegen eine frühere Partnerin im Zeitraum von Sommer 2022 bis Herbst 2023 sowie um zwei mutmaßliche Gewalttaten gegen eine spätere Partnerin und Verstöße gegen eine einstweilige Verfügung. Im vergangenen Monat wurde das Verfahren erneut ausgeweitet.
Høiby wurden sechs weitere Straftaten zur Last gelegt, darunter der Besitz und die Weitergabe von Marihuana sowie zusätzliche Verstöße gegen eine einstweilige Verfügung. Bis Sonntag war er auf freiem Fuß.
Dann teilte die Polizei mit, dass Høiby erneut festgenommen worden sei, diesmal wegen neuer Vorwürfe der Körperverletzung, der Bedrohung mit einem Messer und eines weiteren Verstoßes gegen eine einstweilige Verfügung.
Königliche Familie unter Druck
Norwegens Königsfamilie genießt im eigenen Land traditionell großes Vertrauen. Der Fall Høiby hat dieses Bild jedoch spürbar beschädigt. Dass der Prozess ausgerechnet jetzt beginnt, macht die Lage zusätzlich heikel. Kronprinzessin Mette-Marit sieht sich erneut mit Fragen zu früheren Kontakten mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein konfrontiert.
Aus kürzlich veröffentlichten Dokumenten der sogenannten Epstein-Akten geht hervor, dass sie zwischen 2011 und 2014 mehrfach in Kontakt mit ihm stand.
In einer Erklärung räumte die Kronprinzessin ein, sie müsse "die Verantwortung dafür übernehmen", Epsteins Hintergrund nicht gründlicher geprüft und nicht früher erkannt zu haben, "um welche Art von Mensch es sich handelte".
Weiter erklärte sie: "Ich habe ein schlechtes Urteilsvermögen gezeigt und bedaure es, überhaupt Kontakt zu Epstein gehabt zu haben. Es ist schlicht beschämend."
Kronprinz Haakon erklärte in der vergangenen Woche, er und Mette-Marit wollten dem Prozess gegen Høiby nicht beiwohnen. Auch werde sich das Königshaus während des laufenden Verfahrens nicht öffentlich äußern.
In einer Erklärung im Vorfeld der Verhandlung sagte Haakon: "Wir lieben ihn. Er ist ein wichtiger Teil unserer Familie. Er ist norwegischer Staatsbürger und hat damit die gleichen Pflichten wie alle anderen, aber auch die gleichen Rechte."
Zugleich äußerte der Kronprinz Mitgefühl mit den mutmaßlichen Opfern. "Wir denken an sie und wissen, dass viele von ihnen derzeit eine sehr schwierige Zeit durchmachen", fügte er hinzu.