In Warschau fertigen ukrainische Freiwillige Ausrüstung für die Front in der Ukraine. Die Gruppe mit dem Namen "Mut kennt keine Grenzen“ knüpft Tarnnetze und baut FPV-Drohnen, die Nachfrage steigt.
Ihre Arbeit in Warschau ist zu einem wichtigen Baustein der logistischen Unterstützung für die Front geworden. Das sagen die Aktivisten der Gruppe "Mut kennt keine Grenzen", die seit Februar 2023 rund 35 Tausend Quadratmeter Tarnnetze hergestellt haben. Das entspricht etwa fünf Fußballfeldern. Die Netze kommen im Krieg in der Ukraine zum Einsatz, um Gerät, Fahrzeuge und Infrastruktur vor russischen Aufklärungs- und Kampfdrohnen zu verstecken.
Trotz der großen Produktionsmenge berichten die Freiwilligen, dass ihre Arbeit immer schwieriger wird. Ein Kernproblem ist, dass immer weniger Menschen helfen wollen. Gleichzeitig wird es komplizierter, Spenden und Materialien zu bekommen. Die Kriegsmüdigkeit ist deutlich zu spüren – in Polen und auch in anderen Ländern, die die Ukraine unterstützen.
"Zu Beginn des Angriffskriegs kamen viele Polinnen und Polen, um uns zu helfen. Leider sind jetzt fast alle verschwunden“, sagt Ruslana Poplawska, Koordinatorin der Organisation "Odwaga nie zna granic" ("Mut kennt keine Grenzen"). Sie betont, dass ein Teil der Produktion zwar auch in der Ukraine läuft, die Nachfrage nach Tarnnetzen und Ausrüstung ist jedoch ständig höher als die verfügbaren Kapazitäten.
Die Freiwilligen erklären, dass sich die Lage auch gesellschaftlich verändert hat. Regelmäßige Unterstützung zu halten, wird immer schwerer. Viele Menschen, die sich früher aktiv engagiert haben, haben aufgegeben oder ihr Engagement stark reduziert. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Bestellungen aus der Ukraine sehr hoch. Dadurch entstehen Wartelisten.
Drohnen, Tarnnetze und Alltag der Freiwilligen
Die Gruppe fabriziert nicht nur Tarnnetze, sondern montiert auch FPV-Drohnen, die an der Front für Aufklärung und Angriffe genutzt werden. FPV steht für "First Person View", also für Drohnen, bei denen die User den Flug per Kamera verfolgen.
Die Freiwilligen arbeiten meist am Wochenende. Sie treffen sich in Warschau und fertigen gemeinsam weiteres Equipment an.
An den Aktionen beteiligen sich Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedener beruflicher Erfahrung. Einige verbinden ihren Beruf mit dem Ehrenamt und widmen ihre Freizeit der Hilfe. Unter ihnen sind Personen aus ganz unterschiedlichen Branchen, die nach Feierabend bei dem Projekt mitmachen.
"Müdigkeit? Unsere Jungs an der Front sind noch müder, aber sie bleiben standhaft. Wenn du daran denkst, kommst du hierher und arbeitest“, sagt Olga, eine der Freiwilligen.
"Mut kennt keine Grenzen": Gemeinschaft und Unterstützung
Für viele Beteiligte ist das Projekt längst mehr als reine Hilfeleistung. Die Freiwilligen betonen, dass die gemeinsame Arbeit auch eine psychologische und soziale Funktion hat. Sie stärkt das Gefühl von Gemeinschaft und gibt ihrem Handeln in dieser schwierigen Zeit einen Sinn.
"Hier fühlt sich niemand allein“, sagen Projektteilnehmende und beschreiben die Atmosphäre bei den Treffen. Die Organisation ist zu einem Ort geworden, an dem Menschen aus der Ukraine ihrem Land helfen können. Zugleich treffen sie sich dort, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig im Alltag in der Emigration.
Die Koordinatorinnen und Koordinatoren erklären, das Projekt verfolge zwei Hauptziele: direkte Unterstützung für die ukrainische Armee und den Aufbau einer aktiven Zivilgesellschaft – auch in Polen. Es soll zeigen, wie eine Initiative von unten in Kriegszeiten funktioniert.
Trotz aller Schwierigkeiten: Entschlossenheit bleibt
Auch wenn das Engagement sinkt und die organisatorischen Probleme zunehmen, macht die Gruppe weiter. Rund 30 feste Freiwillige arbeiten regelmäßig an der Produktion von Ausrüstung. Sie sind überzeugt, dass ihre Arbeit die Lage an der Front tatsächlich beeinflussen kann.
Für viele von ihnen ist die Hilfe für die Ukraine eine moralische Verpflichtung und Ausdruck der Solidarität mit den kämpfenden Soldaten. Sie betonen, dass sie so lange weitermachen wollen, wie es Bedarf an Ausrüstung gibt – selbst wenn die Bedingungen immer härter werden.