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Khashoggi: Erdogan will Beschuldigte vor türkisches Gericht stellen

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Khashoggi: Erdogan will Beschuldigte vor türkisches Gericht stellen

Khashoggi: Erdogan will Beschuldigte vor türkisches Gericht stellen
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Murat Cetinmuhurdar/Presidential Press Office/Handout via REUTERS
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Mit Spannung erwartet: die Erklärung des türkischer Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Erdogan gab am Rande der Fraktionssitzung seiner AKP-Partei eine Erklärung zum Stand der türkischen Ermittlungen ab.

Drei Wochen nach dem mutmaßlichen Mord hatte Erdogan laut Ankündigung „ins Detail der Ermittlungsergebnisse gehen wollen, nachdem türkische Medien immer wieder unbestätigte, teils grausige Details gestreut hatten. Erdogan rekapitulierte bisher Bekanntes, machte aber detailliert die Vorbereitung und Planung des Verbrechens zum Thema.

Erdogan betonte, man wolle nicht nur die Täter, sondern die Auftraggeber der Tat finden. Es reiche nicht aus, ein paar Geheimdienst-Mitarbeiter zu beschuldigen.

"Die Informationen und Beweise, die wir bisher gesammelt haben, deuten darauf hin, dass Herr Khashoggi bei einem brutalen Gewaltverbrechen getötet wurde. Die saudi-arabische Regierung hat einen wichtigen Schritt getan, indem sie den Mord anerkannt und zugegeben hat, und jetzt erwarten wir von ihnen, dass alle Verantwortlichen, von der obersten Ebene bis zu untersten vor Gericht gestellt werden und die Strafe erhalten, die sie verdienen. Die Beweise sprechen dafür, dass der Vorfall kein zufàlliges Unglück, sondern das Ergebnis einer geplanten Operation war."

Demnach sei ein 15-köpfiges Einsatzkommando aus Saudi-Arabien bereits am Tag vor der mutmaßlichen Tat angereist. Die Verdächtigen hätten auch das Waldstück besichtigt, in dem Ermittler später nach der Leiche Khashoggis suchten.

Erdogan betonte weiter, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Die wirklich Verantwortlichen sollten vor Gericht gestellt werden, und dieses Gericht sollte in Istanbul sein, denn der Mord fand zwar im saudischen Konsulat, aber auf türkischem Boden statt.

"Die Tat ereignete sich hier, darum muss auch das Verfahren hier stattfinden."

Türkische Ermittler gehen nach Medienberichten davon aus, dass er im Konsulat gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde. Saudi-Arabien hatte die Tat zunächst abgestritten, am Wochenende jedoch eingeräumt, dass Khashoggi bei einer Schlägerei im Istanbuler Konsulat getötet worden sei.

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Saudi-Arabien gilt als angespannt. Beide Staaten ringen um Einfluss im Nahen Osten. Beoachter glauben, dass Erdogan den Fall Khashoggi nutzen möchte, um den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman unter Druck zu setzen. Am Wochenende hatte der türkische Präsident angekündigt, die "nackte Wahrheit" in dem Fall zu enthüllen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavosoglu hat angeboten, den Fall gemeinsam mit Ermittlern der Vereinten Nationen, internationalen Gerichten und anderen Institutionen zu untersuchen. «Wir haben eine gemeinsame Ermittlung mit den Saudis, aber der Istanbuler Staatsanwaltschaft führt auch eine eigene Ermittlung durch», sagte er.

Gleichzeitig hat in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad eine große Konferenz für internationale Investoren begonnen. Das Königreich will sich als Investitionsstandort präsentieren, um seine Wirtschaft unabhängiger von Öl zu machen. Wegen der Affäre um Khashoggi hatten im Vorfeld jedoch etliche hochrangige Vertreter abgesagt. Dazu zählen US-Finanzminister Steven Mnuchin und die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde. Auch Siemens-Chef Joe Kaeser entschied sich, dem Treffen fernzubleiben.