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Lesbos: Kaltes, nasses "Guantanamo" - ein weiteres Jahr im Flüchtlingslager

Lesbos: Kaltes, nasses "Guantanamo" - ein weiteres Jahr im Flüchtlingslager
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Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Wieder ein Winter, in dem hier Tausende Migranten unter schlechten Bedingungen ausharren. Die mit mehr Glück, haben einen Platz in dem Flüchtlingslager bekommen. Dreieinhalbtausend Menschen können dort unterkommen. Die aber, die außerhalb des Zentrums leben, sind der Kälte und dem Regen ausgesetzt. Sie versuchen, ihre Familien zu schützen.

Muhammad Jaffary, ein Migrant aus Afghanistan, probiert es mit Selbsthilfe: "Sehen Sie, was wir hier versuchen? Wir wollen ein kleines Holzhaus bauen. Sie haben uns ein kleines Zelt gegeben, aber da passen wir nicht rein. Wir sind sieben Familienmitglieder. Sagen Sie mir, wer kann auf einem Feld voll mit Pfützen und Steinen leben? Es ist Winter und ich habe keine gute Kleidung. Ich habe nur dieses Shirt."

5000 Migranten gegen Ende 2018

Letzten September stieg die Zahl der Flüchtlinge auf 9000, eine untragbare Situation. Die Menschen mussten sich teilweise drei Stunden lang für Essen anstellen.

"Ich bin 36 und habe acht Kinder", erzählt Shahla Nori, die ebenfalls aus Afghanistan kommt. "Diese Jacke ist meine einzige für den Winter. In der letzten Zeit hat es viel geregnet. Das Wasser dringt ins Zelt und es wird richtig kalt. Moria ist kein Ort für Familien. Hier bleiben wollen wir nicht, wir müssen weg. Wir wollen nach Athen."

Gegen Ende des Jahres lebten noch 5000 Migranten in Moria. Aber viele von ihnen fühlen sich gefangen auf der Insel. Das Ministerium für Migrationspolitik schätzt die Zahl der Migranten in Griechenland auf 70.000. 11.900 von ihnen leben auf den Inseln der Ägäis, dreieinhalbtausend sind unbegleitete Minderjährige.

Die EU versuche, sich mit „Geld von ihrer Verantwortung freizukaufen“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht die griechische Regierung und die Europäische Union in der Verantwortung für die verfahrene Situation.

"Durch die Abmachung zwischen der EU und der Türkei versucht die Europäische Union, sich mit Geld von ihrer Verantwortung freizukaufen", kritisiert Gabriel Sakellaridis von Amnesty International. "Sie bezahlen Staaten wie die Türkei oder Libyen im Süden, um Flüchtlinge aus dem eigenen Vorgarten fernzuhalten."

Freiwillige Helfer versuchen derweil, die Kinder bei Laune zu halten. Aber die Lage in Moria wird so lange schlecht bleiben, bis eine große Zahl an Flüchtlingen aufs Festland gebracht wird.

Guantanamo, Schandfleck Europas, das schlimmste Flüchtlingslager Europas. Nur ein paar der Bezeichnungen, die Moria von Flüchtlingen, Organisationen und Medien in den vergangenen Jahren bekommen hat. Die griechischen Behörden argumentieren dagegen, die schlechten Bedingungen seien eine Folge der steigenden Zahl an Migranten, die über die Türkei einwandern.