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US-Elite-Uni Georgetown finanzierte sich durch Sklavenhandel

US-Elite-Uni Georgetown finanzierte sich durch Sklavenhandel
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Die Studenten der renommierten Georgetown University in Washington wollen Reparationen an die Nachkommen von Sklaven zahlen, die sich im Besitz der Schule befanden und im 19. Jahrhundert verkauft wurden. Zwei Drittel der Studenten erklärten sich bereit, 27,20 Dollar (etwa 24 Euro) pro Semester mehr zu bezahlen, um die Nachkommen der 272 Sklaven zu entschädigen. Bisher ist die Uni nur bereit, Nachkommen bei Nachweis bevorzugt als Studenten aufzunehmen (Legacy Admission Status).

Der ehemalige Absolvent Richard Cellini hatte herausgefunden, dass sich die Hochschule offenbar jahrelang durch Sklavenarbeit finanziert hatte. Im Juni 1838 verkaufte die Uni Männer, Frauen und Kinder, räumte Unipräsident John DeGoia kürzlich ein - nach Maringouin in den Sumpfgebieten des Mississippi-Deltas. Der Preis entsprach nach heutigem Geldwert rund drei Millionen Euro. DeGoia: "Viele waren überrascht, wenn nicht sogar schockiert über die Enthüllung: Jesuiten hielten Sklaven. Und wir haben von ihrem Verkauf profitiert.” Georgetown, 1789 als erste katholische Hochschule in Nordamerika von Jesuiten gegründet, finanzierte sich demnach jahrzehntelang mit Hilfe von Sklavenarbeit auf Plantagen in Maryland.

Charles Ethan Clark, einer der betroffenen Nachkommen:

"Nachkomme oder nicht, für mich ist es eher eine moralische Angelegenheit. Ich versuche, die Dinge mit den Augen eines Außenstehenden zu betrachten, und aus dieser Perspektive - wie kann man da nicht mit Ja stimmen? Das wäre wie ... ich kann es mir gar nicht vorstellen. Moralisch gibt es keinen Sinn, es nicht zu tun."

US-Quittung für Sklavenhandel, 1862

Chukwuma Okoro, Student:

"Für mich ist das Aufregende daran die Diskussion, die da losgegangen ist. Ob die Leute nun mit "Ja" stimmen oder nicht, oder mit "Nein": Ich meine, das Wichtigste ist, dass sie sich mit der Frage auseinandersetzen, wie stehe ich zu dieser Geschichte und was geht sie mich an?"

Sklavenmarkt in Altanta, 1864

Flo Martínez, Studentin:

"Ich bin für "Nein". Ich verstehe die Idee, Entschädigungen zu zahlen, aber ich denke nicht, dass das von den Studenten kommen sollte. Ich meine, dass die Universität die ist, die diesen Fehler vor Jahren begangen hat, und ich bin überzeugt, dass die Uni für die Zahlung dieser Reparationen verantwortlich ist. Ich finde es ist nicht angemessen, Studenten da zu einer Entscheidung zu zwingen."

GEORGETOWN OFFENBAR NICHT ALLEIN

Professor Craig Steven Wilder, Historiker am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, Autor von „Ebony and Ivy: Race, Slavery, and the Troubled History of America's Universities” ("DLF"):

„Die Vereinigten Staaten leiden darunter, dass sie die zentrale Rolle der Sklaverei beim Aufstieg des Landes einfach abstreiten. Universitäten wie Harvard, Princeton und Yale geben sich weiterhin sehr zurückhaltend, wenn es um das Eingeständnis geht, in welchem Umfang sie an der Sklaverei beteiligt waren und davon profitiert haben. Dies sind die reichsten Universitäten der Welt. Sie haben weder den Mut noch die Aufrichtigkeit, ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten. Was jetzt in Georgetown passiert, ist interessant, weil es Studierenden und Alumni auch anderswo den Rücken dabei stärkt, Ehrlichkeit einzufordern.”

ELITE-UNI MIT PRINZIPIEN

Die Georgetown Universität in Washington, D.C., ist die älteste römisch-katholische, von Jesuiten geleitete Universität in den USA. Die Verbindungen zur Politik gelten als ausgezeichnet, Ex-Präsident Bill Clinton hat hier studiert. Jeder Student soll sich traditionell ethischen Grundsätzen verpflichten, wie etwa Nachzudenken, bevor man etwas tut (Contemplation in Action), Bildung weiterzu geben (Ad Majorem Dei Gloriam) und das mit akademischer Exzellenz (Academic Excellence). Vier Jahre Studium in Georgetown kosten im Schnitt mehr als 220.000 US-Dollar (194.000 Euro).

In Washington, D.C wurde die Sklaverei im April 1862 abgeschafft.

su