Istanbul: 2. Anlauf zur Bürgermeisterwahl

Istanbul: 2. Anlauf zur Bürgermeisterwahl
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In Istanbul laufen die Vorbereitungen auf die Wiederholung der Kommunalwahl vom 31. März. Die Abstimmung muss am kommenden Sonntag wiederholt werden, weil die Wahlbehörde das Ergebnis nach Einsprüchen der Regierungspartei AKP Anfang Mai für ungültig erklärt hatte.

Den ersten Durchgang hatte Ekrem Imamoglu von der Oppositionspartei CHP knapp vor dem AKP-Kandidaten Binali Yildirim gewonnen. Mehrere türkische Meinungsforschungsinstitute sahen Ex-Ministerpräsident Yildirim diesmal erneut hinter Imamoglu.

Erdogan: "Daten manipulativ"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, die Umfragedaten seien "vollkommen manipulativ und auf Bestellung gemacht" worden. Es gebe Umfragen, die das genaue Gegenteil sagen. Die wirkliche Umfrage finde erst am Wahltag statt.

Erdogan kündigte an, das Wahlergebnis zu akzeptieren: "Ich hoffe, dass die Entscheidung sowohl für Istanbul als auch für unser Land von Vorteil sein wird. Als Politiker sehen wir diese Entscheidung als den richtigen Schritt, um unseren Willen zur Lösung unserer Probleme im Rahmen von Recht und Demokratie zu stärken und die Aufgabe des Schiedsrichters dem Volk zu überlassen."

Für die AKP ist Istanbul seit Langem ein Machtzentrum. Die Opposition wirft ihr hingegen Korruption und Klüngelwirstchaft vor.

Istanbuler Amt von überragender Bedeutung

Der Bürgermeisterposten in Istanbul ist der wichtigste in der Türkei. In der Metropole leben mit rund 16 Millionen Menschen fast 20 Prozent aller Türken. 10,5 Millionen Wahlberechtigte sind aufgrufen, an über 30.000 Urnen ihre Stimme abzugeben.

Can Selcuki, Generaldirektor von Istanbul Economics Research, sagte: "Die Wiederholungsentscheidung des Hohen Wahlrats hat die Risse in der AK-Partei definitiv sichtbarer gemacht. Nun, wie sich das entwickeln wird, nach dem 23. Juni, werden wir sehen. Aber wenn Herr Imamoglu gewinnt, ist es wahrscheinlich, dass diese Risse noch deutlicher sichtbar werden."

Motto: "Alles wird gut"

Der 63-jährige Binali Yildirim ist schon seit den 90er Jahren ein treuer Gefolgsmann Erdogans. Als Ministerpräsident warb Yildirim im vergangenen Jahr für die Einführung eines Präsidialsystems und damit für die Abschaffung seines eigenen Amtes.

Ekrem Imamoglu ist durch seinen Überraschungssieg in der ersten Wahl zum Shootingstar aufgestiegen. Sein Wahlspruch lautet: "Alles wird gut". Im In- und Ausland ist der 49-jährige Lokalpolitiker für die Erdogan-Verdrossenen zu einer Symbolfigur für Wandel geworden. Manche sehen in ihm sogar schon den nächsten Präsidenten der Türkei.