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11 € die Flasche Eisberg-Wasser in Kanada: Fischer jagen "weißes Gold"

11 € die Flasche Eisberg-Wasser in Kanada: Fischer jagen "weißes Gold"
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Pixabay CC DiamondWillow
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Fischer der kanadischen Insel Neufundland jagen jetzt Eisberge! Dann transportieren sie die sogenannten "iceberg nuggets" in die Stadt Auk Island Winery, wo das Wasser in Flaschen abgefüllt und teuer verkauft wird.

Edward Kean (60), ein kanadischer Eisberg-Jäger aus St John's, sucht mit dem Fernglas den Horizot ab, bis er eine mehrere zehn Meter hohe weiße Masse entdeckt, die vor der kanadischen Insel Neufundland von einem Eisberg abfällt.

"Es ist ein sehr schönes Stück Eis.... Vielleicht erschieße ich es", sagt der Fischer, der das Abschmelzen der Gletscher Grönlands nutzt, um Eisberg-Wasser zu verkaufen. Mit einem Team und seinem Fischerboot "Green Waters" startet Edward Kean jeden Morgen und fährt mehr als 20 Kilometer gen Norden, um das zu ernten, was zu seinem "weißen Gold" geworden ist: Eis aus Grönland.

Seit mehr als 20 Jahren gewinnt der Fischer daraus Wasser und verkauft es an lokale Händler, die es abfüllen, mit Alkohol mischen oder zur Herstellung von Kosmetikprodukten verwenden.

Eisberg-Jäger: Ein mühsames Geschäft

Seit der Beschleunigung der globalen Erderwärmung im hohen Norden läuft das Geschäft immer besser, aber es bleibt mühsam.

Als er am Fuße des Eisbergs zieht Kean ein Gewehr heraus und löst eine Salve aus, in der Hoffnung, dass sich ein Stück Eisberg lösen würde. Ein, zwei, drei Schüsse: Die Detonationen ertönt, die Luft zittert, seine Crew hält den Atem an..... Aber das Eis gibt nicht nach. "Manchmal funktioniert es, manchmal nicht", erklärt er enttäuscht.

Es ist auch ein Wettlauf gegen die Zeit:. "Wenn wir hier ankommen, schmelzen die Eisberge sehr schnell", sagt der Kapitän. Und er verteidigt sein Business: "Sie werden in ein paar Wochen schmelzen, wir tun der Umwelt nichts an, wir nehmen nichts, wir verwenden nur das reinste Wasser, das wir finden können."

Eisberg-Nuggets in 1.000 Liter-Tanks

Die Eisbergstücke wurden an Deck gehisst, wo der Kapitän bewaffnet mit einer Axt, auf die beiden jungen Kollegen wartet, die die Eisberg-Stücke eingesammelt haben. Die Eisberg-Nuggets werden dann in 1.000-Liter-Tanks gelagert, wo sie mehrere Tage lang schmelzen.

Insgesamt hat die Crew zwischen Mai und Juli, der Hochsaison der Eisberge, fast 800.000 Liter Wasser gesammelt. Die lokalen Unternehmer zahlen einen Dollar pro Liter für das kostbare Wasser.

Das ist allerdings wenig im Verlgeich zu den Millionen Litern, die derzeit in Grönland abschmelzen.

Eisberg-Wasser ist für seine Reinheit berühmt

Das Eisberg-Wasser, das für seine Reinheit bekannt ist, weil es lange vor der Luftverschmutzung durch die industrielle Revolution gefroren wurde, ist heute ein Marketingargument für Unternehmen, die einen einzigartigen Sektor mit High-End-Produkten besetzen wollen. "Wir versuchen, den Nischenmarkt für gesunde Lebensmittel und Produkte anzusprechen", sagt Edward Kean.

Auch ins Ausland exportiert

Das Unternehmen Dyna-Pro füllt Design-Glasflaschen mit Eisbergwasser und verkauft sie für je 16 kanadische Dollar (11 Euro), "Wir exportieren unsere Glasflaschen ins Ausland, nach Europa, Singapur, Dubai, und wir haben gerade Kunden im Mittleren Osten gewonnen", sagt Kerry Chaulk, die Managerin des Unternehmens.

Auk Island Winery, im Touristendorf Twillingate, stellt Waldfrüchtealkohol aus Eisbergwasser her, der für 10 bis 90 Kanadische Dollar (7 bis 60 Euro) pro Flasche verkauft wird.

"Wir verwenden Eisbergwasser, weil es das klarste und sauberste Wasser auf dem Planeten ist. Es gibt allem, was damit verbunden ist, einen sehr reinen Geschmack", erklärt Elizabeth Gleason, eine Mitarbeiterin des kleinen Ladens.

"Ich schätze alle Produkte, die mit Eisbergwasser hergestellt werden", sagt Melissa Axtman, eine amerikanische Touristin, deren Familie aus Neufundland stammt. "Die Tatsache, dass die Einheimischen davon profieren und Touristen anlocken, finde ich gut."

Tatsächlich ist der Zustrom von Eisbergen vor Neufundland eines der Symptome des beschleunigten Klimawandels in der Arktis, die sich dreimal schneller erwärmt als der Rest der Welt.

Trotz des Erfolgs des Eisbergwassers bei lokalen Unternehmen bleibt die Besatzung der Green Waters klein und die Erntewerkzeuge sind seit Ende des 20. Jahrhunderts nahezu unverändert geblieben.

"Niemand will mehr diese Art von Handarbeit machen", sagt der Kapitän, der darum kämpft, neue Mitarbeiter zu finden. "Ich hoffe, dass wir in den kommenden Jahren weitermachen können, aber ich bin 60 Jahre alt, also läuft die Zeit ab", seufzt er melancholisch.

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