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Spanien: Kampf gegen hohe Mieten

Spanien: Kampf gegen hohe Mieten
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Ein Wohnblock in Torrejon de Ardoz in der Nähe von Madrid: "Wir wollen gerechte Mieten", steht auf den Bannern, die die Bewohnerinnen und Bewohner aufgehängt haben. Mehr als 300 Haushalte kämpfen dafür, hier bleiben zu können. Denn ihre Wohnungen wurden an einen Investor verkauft, der die Mieten um 80 Prozent erhöhen will. Wer nicht zahlen kann, muss raus.

Das gilt auch für Jessica Hinojosa und ihre Familie. Sie wohnen seit 2010 in ihrer 55-Quadratmeter-Wohnung. Die neue Miete von 860 Euro ist für sie zu hoch. "Wir sind hier alle Geringverdiener", so die junge Frau. "Ich weiß nicht, was wir machen sollen, ich denke, wir werden unsere Eltern um Hilfe bitten, viel mehr geht nicht. Es schmerzt, dass wir gehen müssen. Aber zahlen können wir nicht. Es ist nicht so, dass wir nicht wollen. Wir können nicht."

Mieten seit fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen

Euronews-Korrespondent Jaime Velázquez: "Spaniens Zentralbank zufolge sind die Mieten in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent angestiegen. Arbeitlosigkeit und geringe Löhne machen es unmöglich, eine Wohnung zu finden, vor allem für junge Menschen und Rentner."

Auch in der Innenstadt wird der Wohnraum durch steigende Mieten und die Vermietung von Wohnungen an Touristen knapper. Viele Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen, in denen sie fast ihr ganzes Leben verbracht haben, erklärt Fernando Bardera vom Madrider Mieterbund: "Die Menschen wurden hier geboren, sie haben ihre Wurzeln im Viertel, ihren Arzt, ihr soziales Netz, ihre Kirche, alles. Sie werden ins Exil geschickt."

Alleinerziehende Mütter besetzen Häuser

"In Spanien stehen schätzungsweise drei Millionen Häuser leer", so Bardera weiter. "Die meisten gehören Investmendfonds oder Banken. Den Banken, die wir retten mussten. Sie sind dabei, Spaniens größte Vermieter zu werden. Die meisten Mietwohnungen gehören ihnen. Sie kontrollieren die Preise."

Um nicht obdachlos zu werden, bleibt einigen Spaniern nichts anderes übrig, als Häuser zu besetzen. In Madrid werden etwa 5000 Gebäude illegal bewohnt. "Erschreckend ist, dass vor allem viele alleinerziehende Mütter mit jungen Kindern Häuser besetzen", so die Mieteranwältin Natalia Palomar.

Wie in Berlin oder New York versuchen Aktivisten die Politik dazu zu bewegen, den Wohnungsmarkt zu regulieren. Ministerpräsident Pedro Sanchez hat versprochen, mehr leerstehende Häuser in Sozialwohnungen umzuwandeln. Seit der Wahl im April gibt es aber immer noch keine neue Regierung. Entsprechende Regelungen müssen also warten.