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Türkische Truppen in Libyen: Kritik von allen Seiten

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Erdogan und Trump im November in Washington
Erdogan und Trump im November in Washington   -   Copyright  JIM WATSON / AFP
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In den USA hat die geplante militärische Einmischung der Türkei in den Konflikt in Libyen für Kritik gesorgt. Präsident Donald Trump habe bei einem Telefonat mit dem türkischen Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan darauf hingewiesen, dass die Unterstützung eine der zwei konkurrierenden Regierungen in Libyen die Lage komplizierter mache, hieß es aus dem Weißen Haus.

Auch in Brüssel zeigte man sich besorgt. Die EU bekräftige ihre feste Überzeugung, dass es für die Krise in Libyen keine militärische Lösung gebe, so ein Sprecher.

Die drei Mittelmeer-Anrainer Israel, Griechenland und Zypern nannten die geplante türkische Intervention eine gefährliche Eskalation des Konflikts. Der Beschluss bedrohe die Stabilität in der Region, schrieben sie in einer Erklärung. Die drei Staaten unterzeichneten am Donnerstag ein Abkommen für den Bau einer Gaspipeline - ein Vorhaben, das wiederum von der Türkei kritisiert wird.

Türkei will Al-Sarradsch-Regierung unterstützen

Das türkische Parlament hatte am Donnerstag die Entsendung von Truppen zur Unterstützung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch in Tripolis gebilligt. Dessen Regierung wird von der Türkei, Katar und Italien anerkannt. Sie liefert sich einen Machtkampf mit den Truppen von General Chalifa Haftar, der von Russland, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt.

Russland - das auch Widersacher der Türkei in Syrien ist - warnte die Türkei ebenfalls. Die Entscheidung Ankaras sei alarmierend, sagte Außenpolitiker Leonid Sluzki der Agentur Interfax. Dies könnte die Krise verschärfen und die Situation verkomplizieren. Russland habe sich für eine diplomatische Lösung ausgesprochen, meinte der Chef des Außenausschusses im russischen Parlament. Eine militärische Intervention aus dem Ausland "ist nicht die beste Lösung".

Ägypten verurteilte die Entscheidung "aufs Schärfste". Die Türkei verstoße damit unter anderem gegen das von den Vereinten Nationen verhängte Waffenembargo.

Haftar kontrolliert mit seiner selbst ernannten Libyschen Nationalarmee Gebiete im Osten des Landes, will aber die Macht über das ganze Land. Im vergangenen Jahr begann er einen Angriff auf Tripolis, wo die Sarradsch-Regierung sitzt. Diese wird von lokalen Milizen unterstützt, konnte ihre Macht aber bisher kaum über die Hauptstadt hinaus ausbauen.