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Wohin steuert die AfD und was will Georg Pazderski?

Georg Pazderski
Georg Pazderski   -   Copyright  AfD
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Der Berliner AfD-Chef Georg Pazderski, der jetzt nicht mehr als Landesvorsitzender antreten will, gilt als Widersacher des Rechtsaußen-Politikers Björn Höcke und dessen "Flügel". In Zukunft will der 68-jährige Oberst a.D. - der eigentlich aus Pirmasens kommt - nur noch den Posten als Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhause behalten. Viele gingen davon aus, dass Pazderski eine wichtigere Rolle in der Bundes-AfD anstrebt. Doch Ende November 2019 war er nicht in den Bundesvorstand gewählt worden. Neben Jörg Meuthen wurde der Höcke-Vertraute Tino Chrupalla aus Sachsen Co-AfD-Chef.

In den sozialen Medien ist Georg Pazderski - wie viele AfD-Politiker - sehr präsent. Seine Auftritte auf Twitter und Facebook sind kaum weniger geprägt von Attacken gegen Flüchtlinge und Migranten als die seiner Parteikolleginnen und -kollegen.

"Ungesteuerte Einwanderung" und "Klimahysterie"

Von euronews nach dem wichtigsten Thema der AfD im Moment befragt, nennt Pazderski die "ungesteuerte Einwanderung". Zudem verwendet er den gerade zum "Unwort des Jahres" gekürten Begriff "Klimahysterie" und sieht die AfD in beiden Bereichen als "die einzige Partei, die sich konsequent gegen die Politik der Merkelregierung stellt".

Auf Twitter verbindet Pazderski gar die beiden Themen - in einem sehr merkwürdigen Post, in dem er mit ironischem Unterton vorschlägt, alle "armen Menschen" aus der "Dritten Welt" aufzunehmen.

Dabei engagiert sich der Diplom-Betriebswirt, der nach eigenen Angaben fließend Englisch und gut Französisch spricht, in der Stiftung "Perspektive Afrika". Auf der Internetseite des gemeinnützigen Vereins sind allerdings nur Projekte aus dem Jahr 2016 zu sehen.

"AfD muss bereit sein Regierungsverantwortung zu übernehmen"

Selbsterklärtes Ziel von Georg Pazderski ist es, die AfD "als konservative Volkspartei stärker in den bürgerlichen Schichten zu verankern". Das gehe nur, wenn die Partei Abstand zu den politischen Rändern halte.

Doch wo beginnt der "politische Rand"? Pazderski selbst teilt die BILD-Schlagzeile zu Messerattacken ("Immer öfter wird das Messer gezückt!"), wobei es sich um eine Statistik aus NRW handelt, zu der keine Vergleichszahlen aus den Vorjahren vorliegen.

Hier können Sie unsere Fragen und die Antworten von Georg Pazderski im Wortlaut nachlesen.

euronews: Herr Pazderski, was sehen Sie als das wichtigste Thema der AfD im Moment an?

Georg Pazderski: Bundesweit ist zweifelsohne die Thematik der nach wie vor ungesteuerte Einwanderung und deren Folgen das wichtigste Thema, wobei die AfD die einzige Partei ist, die sich konsequent gegen die Politik der Merkelregierung stellt. Weiterer Schwerpunkt ist es, ein Gegengewicht zur herrschenden Klimahysterie unter den Altparteien zu schaffen, bei denen Freiheit, Augenmaß und Vernunft schnell unter die Räder kommen. Auch in diesem Bereich sind wir die Einzigen, die den Bürgern eine Stimme und eine Vertretung im Parlament geben, die sich von der Linie der anderen Parteien klar abhebt. Beide Themen eint, dass Fehlentscheidungen der Altparteien unser Land auf Jahre und Jahrzehnte hinaus mit erheblichen Folgekosten belasten werden und uns Schaden zufügen.

euronews: Welche Rolle wollen Sie innerhalb der Partei in den kommenden Monaten einnehmen?

Georg Pazderski: Ich werde mich in den kommenden Monaten bis zur Wahl 2021 in Berlin und im Bund auf die Führung der Fraktion der AfD im Abgeordnetenhaus konzentrieren und - gemeinsam mit meinen Abgeordnetenkollegen - durch gute, bürgernahe Sacharbeit im Berliner Landesparlament zum Wahlerfolg der AfD in der deutschen Hauptstadt 2021 beizutragen.

euronews: Welche Strategie sollte die AfD in Zukunft verfolgen?

Georg Pazderski: Die AfD muss erstens bereit sein, Regierungsverantwortung zu übernehmen, um die gravierenden Fehlentwicklungen in unserem Land stoppen und den Trend umkehren zu können. Deshalb habe ich kurz nach unserem Einzug in das Abgeordnetenhaus 2016 den „Berliner Kurs“ formuliert, der als mittelfristiges Ziel den Eintritt der AfD in eine Landesregierung vorsieht. Dieser „Berliner Kurs“ wurde schon vor drei Jahren von meiner Fraktion einstimmig angenommen. Inzwischen ist bundesweit nicht mehr umstritten, dass die AfD zwar sehr gute Arbeit in der Oppositionsrolle leistet, auf Dauer aber ihr Programm nur umsetzen kann, wenn sie an der Regierung beteiligt ist. Zweitens müssen wir uns als konservative Volkspartei stärker auch in den bürgerlichen Schichten verankern. Das geht nur, wenn wir klaren Abstand zu den politischen Rändern halten und uns als Partei der Vernunft, der Freiheit und des Rechtsstaats aus der Mitte der Gesellschaft präsentieren.